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„Mein Bedürfnis nach Anonymität“

Nein, Fotos sollen von ihm auf keinen Fall erscheinen. So wie er gegen die Bild prozessiert, weil sie Bilder von ihm als dem Verteidiger eines „Unterweltkönigs“ brachte, droht er auch der taz mit Klagen, falls sie doch ein Foto von ihm veröffentlicht. taz-Anwalt Johannes Eisenberg pflegt sein „Bedürfnis nach Anonymität“.

Der 43jährige, der unter anderem Erich Mielke, die Terroristin Susanne Albrecht, Mauerschützen und IMs rechtlichen Beistand gab, hat taz-Mitarbeiter rausgehauen, die wegen Steinwürfen auf Polizisten angeklagt waren, hat sich mit der Heiligen Eucharistie in einem Gotteslästerungsverfahren beschäftigt und diverse Verfassungsbeschwerden eingelegt. Manchmal kommt es auch dazu, daß er eine Mandantschaft gegen die taz vertritt. Eisenberg hat kein Problem, auch „moralisch anfechtbare Leute“ zu vertreten.

Was die taz für ihn ausmacht? „Ich dachte vor kurzem, die taz würde ihren Gründungsanlaß – die Nachrichtensperre bei der Schleyer-Entführung – durchbrechen und sich zum Propagandisten der Regierungspolitik machen.“ Doch als die taz titelte „Die Rambouillet-Lüge: Was wußte Joschka Fischer?“, war er wieder zufrieden. Der Mann, der vor fünf Jahren auf einem taz-Treffen ins Mikro rief: „Warum nennt ihr die Bullen nicht mehr Bullen in euren Artikeln?“, vertraut darauf, daß die taz die Stacheln pflegt, mit denen sie piekt.

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