: Lebenslänglich lernende Lehrer
Hamburger LehrerInnenausbildung wird reformiert. Unterrichtsausfall an Schulen nicht so hoch wie befürchtet ■ Von Sven-Michael Veit
Es sei möglich, so lautet eine neue Erkenntnis, die Befähigung für einen Beruf zu erlangen, der weithin eher als Berufung betrachtet wird: die als LehrerIn. Sofern, dies die zweite Erkenntnis, die Fertigkeitsvermittlung verbessert würde. Und genau daran will Hamburg sich nun wagen, „als erstes Bundesland überhaupt“, wie die Senatorinnen für Schule und Wissenschaft, Ute Pape (SPD) und Krista Sager (GAL) rühmen.
Die Ausbildung von LehrerInnen in der Hansestadt soll refomiert werden. Drei Kernthemen – neue Medien, Schulentwicklung sowie Umgang mit kulturellen und sozialen Unterschieden – werden künftige LehramtsstudentInnen durch ihre Ausbildung begleiten. Grundlage des Konzeptes ist die dritte Erkenntnis. In zehn Jahren wird die Hälfte aller jetzigen Hamburger LehrerInnen in Pension gegangen sein. Ob des absehbaren Fachkräftemangels ist folglich eine attraktivere Ausbildung notwendig.
Detaillierte Empfehlungen dafür, die nun weitgehend befolgt werden, lieferte im Oktober 2000 der Bericht einer ExpertInnenkommission. Außer einer Prioritätensetzung durch die drei Kernthemen empfahl diese die Einführung einer „Berufseingangsphase“. Analog zum AssistenzärztInnen-Prinzip sollten NachwuchslehrerInnen „in den ersten Berufsjahren“ mit verbindlichen Weiterbildungen unterstützt werden. Dafür wird ab Sommer 2002 das Referendariat um sechs auf 18 Monate verkürzt.
Zugleich werden die ausbildenden Institutionen Universität, Studienseminar und Institut für Lehrerfortbildung über gemeinsame Gremien „stärker verzahnt“. Der „Gesamtauftrag der Lehrerbildung“ soll in diesem Modell über Leistungsvereinbarungen gesteuert werden. „Lernen in der Ausbildung und im Beruf gehören zusammen“, definiert Sager das „Prinzip des lebenslänglichen Lernens“. Teil dieser „Vorbereitung auf die Wissensgesellschaft“ soll zudem eine „verpflichtende Lehrerfortbildung (Obligatorium)“ während der Berufungsausübung werden.
Dass die Realität an Hamburgs Schulen zwar verbesserungsfähig ist, aber nicht katastrophal, wusste Pape auch gleich zu belegen. Sie präsentierte eine Studie, nach der die Hansestadt mit durchschnittlich 3,1 Prozent Unterrichtsausfall zu den Bundesländern mit den we-nigsten Fehlstunden gehört: 0,1 Prozent an der Verlässlichen Halbtagsgrundschule, in Berufsschulen 2,9 Prozent, bei den weiterführenden allgemeinbildenden Schulen 4,4 Prozent. Untersucht wurden die Monate November 2000 bis Januar 2001, eine „besonders krankheitsanfällige Zeit“, wie Pape hervorhob.
Im Sommer kommt die Verlässliche Halbtagsgrundschule dann wahrscheinlich auf unter null Prozent.
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