taz-Serie "Soziale Stadt (8): Townhouses
Die Stadt im Dorf lassen
In Kreuzberg und Prenzlauer Berg entstehen edle Projekte wie die "Prenzlauer Gärten" und "Haus und Hof". Bedeutet die neue Wohnkultur des Mittelstands ein mehr an Stadt - oder ein mehr an Provinz?von Uwe Rada
Leserkommentare
28.01.2010 10:29 Uhr
von Karla Kater:
Lieber Michael Fink,
im Stadt monitoring sind mehr als ein fünftel des Stadtgebietes unterdurchschnittlich.
Wenn Du mal im Immobilienteil Kreuzbergs nach Eigentumswohnungen suchst und die Angebote zählst, würdest Du den Artikel von Rada nicht auf Car Loft reduzieren (Bsp Fichtebunker, Baugruppe Urban und vieles mehr oder auch www.graefekiez.de). Insofern etwas mehr Realität!
Unsere Häuslebauer der Mittelschicht beweisen geraqde in Ihrer Arroganz keine soziale Ausgewogenheit. Der Mythos der sozialen Mischung ist verblasst, s.auch
http://gentrificationblog.wordpress.com/2009/07/29/mythos-soziale-mischung/
27.01.2010 10:56 Uhr
von Michael Fink:
Kreuzberg ist gut, weil dort der linksalternative Car-Loft-Snob durch einen Kontrast-Migranten neutralisiert wird, der im Prenzelberg fehlt: So könnte man die - nicht neue - These Radas zusammenfassen. Schade, dass der Exil-Musterländler und Prenzerlberger Mittelschichtler nicht im neuen Stadtmonitoring stöberte, um festzustellen, dass der vermeintliche Provinz-Kiez in puncto Status immer noch unterdurchschnittlich ist: Mehr Arbeitslose, mehr Hartz-4-Kinder als im Berlin-Schnitt. Es ist ziemlich billig, anhand dreier Prestige-Loft-Projekte, von denen zwei nur als Bauschild existieren, einen kompletten Ortsteil als "provinziell" abzustempeln. Vor allem erschreckt, dass durch solche Gedankenkonstrukte die linksalternative Mittelschicht, (wenn sie nicht zufällig Kreuzberger ist), zum Urheber von Verdrängung und Mietwucher erklärt wird.
Wirklich provinziell finde ich eher eine sich hierbei offenbarende Denke, die nicht ohne Klischees auskommt.
27.01.2010 00:14 Uhr
von beinhart:
Ich stehe der Wohnform "Townhouse" grundsätzlich ablehnend gegenüber.
Innerhalb des S-Bahn-Rings in Berlin ist der Wohnraum bereits knapp und er wird noch knapper. Die freien, bebaubaren Flächen sollten entsprechend optimal genutzt werden. Wenn man als "Benchmark" die in Berlin übliche 4-Geschoss-Mietskaserne nimmt, dann ist die Flächenausnutzung (also Ertrag an Wohnfläche / Quadratmeter bebauten Bodens) relativ gesehen schlechter. Mag sein, dass sie im Vergleich zu Vorort-Bungalows Grund und Boden besser ausnutzen. Aber diese stehen nicht ohne Grund in Vororten mit weniger Flächenknappheit. Gegenüber genossenschaftlichem Siedlungsbau und Hochhäusern dürften sie trotz niedrigeren Abständen zwischen den Gebäuden weniger effizient bei der Flächenausnutzung sein.
Ganz verhindern kann man diese Form der Stadtsegregation und Gentrifizierung wohl nicht, solange Fläche meistbietend verhökert wird.
Wohl aber wäre es möglich, das Instrument der Grundsteuer zu nutzen, um den Bewohnern solcher Townhouses für ihren im Vergleich zum "Benchmark" höheren Flächenverbrauch in einem von Übernachfrage nach Wohnraum gekennzeichneten Gebiet (innerhalb des S-Bahn-Rings) einen entsprechenden Nutzungsentgelt abzunehmen. Dies würde nach meiner Vorstellung bedeuten: Jemand, der im Townhouse z.B. lebt, das durch niedrigere Geschosszahl etc. aus einer gegebenen Grundfläche 1 / 4 des Wohnraums einer Berliner Mietskaserne herausholt, wird dementsprechend mit mindestens 4x höherer Grundsteuer belastet.
Im Endeffekt sollte die erhöhte Grundsteuer bei potenziellen Townhouse-Käufern ein deutliches Signal setzen, die negativen externen Effekte dieses Ego-Trips zu überdenken.
Wer in der Stadt wohnen will, sollte das ganz oder gar nicht tun. Wer das Townhouse will, hält viele andere davon ab, in der Stadt zu wohnen, die bereit wären, mit einer Wohnung in einem auf entsprechender Fläche gebauten Mehr-Parteien-Haus auszukommen.