taz Marathon-Fonds

800 DM netto Einheitslohn

Die Gründergeneration der taz wird kleine Renten bekommen, darum initiieren wir einen Fonds.

v. l.: Beate Seel (39 Jahre taz), Klaus Hillenbrand (36 Jahre taz), Franziska Oezer (32 Jahre taz), Uli Küsters (40 Jahre taz) Bild: taz

von Kalle Ruch

Für die meisten von uns war die taz 1979 ein spannendes Projekt neben dem Studium. Manche legten ihre Lehrbücher beiseite und nutzten das Bafög für die Arbeit in der taz. Auch die, die wie ich schon früh ein taz-Gehalt bezogen, in den ersten Jahren 800 DM netto Einheitslohn, kamen damit zurecht. Berlin war ein billiges Pflaster. Niemand dachte an Rentenlücken oder Altersarmut. Wir waren nicht naiv, wir waren damit beschäftigt, die Zukunft der taz zu erarbeiten.

 

Sie können auf dieses Konto unter dem Stichwort: Marathon-Fonds einzahlen. Damit unterstützen Sie die Altersversorgung von langjährig sozialversicherungspflichtigen Mitarbeitenden der Unternehmen der taz-Gruppe.

 

taz, die tageszeitung Verlagsgenossenschaft eG

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Stichwort: Marathon-Fonds

Unerwarteter hielt selbstverwaltete Projekt durch, im Jahr der Tschernobyl-Katastrophe 1986 kam dann auch ein Auflagendurchbruch und in der taz wurde erstmals über Altersversorgung nachgedacht. Die IG Druck und Papier mahnte eine betriebliche Altersversorgung an. In eine Direktversicherung zahlte der Betrieb fortan pro Monat 100 DM, wer konnte, knapste von seinem ohnehin mageren Lohn noch weitere 100 DM ab und erarbeitete sich so ein kleines Polster für später.

Die Gründergeneration geht in Rente

Nun ist es soweit, die Gründergeneration der taz geht in Rente. Und muss feststellen, dass die betriebliche Altersversorgung nicht das wert ist, als was sie einst abgeschlossen wurde. Die Bundesregierung beschloss im Sommer 2003 Direktversicherungen dieser Art bei ihrer Auszahlung mit dem vollen Krankenkassenbeitrag für den Empfänger zu belasten. Diese Veränderung reißt für die meisten neben der gesetzlichen Rentenlücke auch noch ein weiteres Loch.

Die, die dieser Tage in Rente gehen, haben die Grundlagen für den Erfolg der taz gelegt und persönlich viel gegeben. Nun will die taz ihnen etwas zurückgeben. Nicht nur, weil Berlin längst kein billiges Pflaster mehr ist, nicht nur, weil die taz ohne jene, die blieben, nicht das geworden wäre, was sie heute ist. Sondern auch, weil wir als Unternehmen und Arbeitgeber unser Versprechen einlösen möchten: Wir engagieren uns nicht nur für den kritischen Journalismus, sondern sorgen auch für jene, die ihn möglich machen.

Die richtige Entscheidung

Und wie so oft in der Geschichte der taz ist die Idee zum „Marathonfonds“ einer Anregung des Genossen Jann Ohlendorf zu verdanken. Es zeigt, dass die Umwandlung des selbstverwalteten Betriebs zur taz-Genossenschaft auf allen Ebenen ein Erfolg war. Mit einer Gemeinschaft von fast 18.000 Mitgliedern im Rücken, können wir „Zukunft“ nun nicht mehr nur in Jahresabschlüssen definieren. Sondern nach vierzig Jahren auch als Lebenswerke jener würdigen, die einst „das mach ich mal ein, zwei Jahre“ dachten, und eines Besseren belehrt wurden: wir fingen in einer Fabriketage an, die taz zu machen und schauen nun im taz Neubau auf unser Lebenswerk zurück.

Im nächsten Jahr werde auch ich die taz verlassen – mit dem guten Gefühl, mein Engagement sinnvoll eingesetzt zu haben – und einer gesetzlichen Rente von 1.538 Euro brutto.