Die Stuttgarter Polizei plant, ein provisorisches Container-Gefängnis für bis zu 200 Demonstranten aufzubauen. Nun häuft sich die Kritik, auch von den Grünen.von Nadine Michel

Wie man sieht, sehr gefährlich: DemonstrantInnen gegen Stuttgart 21. Bild: dpa
STUTTGART taz | Die baden-württembergischen Grünen haben die Pläne der Polizei, Container für Stuttgart 21-Demonstranten aufzustellen, kritisiert. "Das unterstellt eine Gewaltbereitschaft der Bewegung, die aus den vergangenen Jahren nicht abzuleiten ist", sagte Landeschef Chris Kühn der taz. "Wenn man die Lehren aus dem Polizeieinsatz am 30.9. ziehen will, ist es sicher nicht die Lehre, dass man Container auf dem Cannstatter Wasen aufbauen muss."
In dieser Woche war bekannt geworden, dass die Stuttgarter Polizei Pläne verfolgt, ein provisorisches Gefängnis aus Containern aufzubauen, um dort gegebenenfalls bis zu 200 Personen in Gewahrsam zu nehmen. Das müssten keine gewaltbereiten Chaoten sein, wie die Polizei erklärte. Es könnten auch Protestierende sein, die immer wieder Baumaßnahmen blockieren würden, auch wenn die Polizei sie bereits weggetragen habe.
"Das Polizeipräsidium muss sich auf alle Eventualitäten einstellen und auch vom schlimmsten Fall ausgehen", sagte auf taz-Anfrage ein Sprecher des SPD-geführten Innenministeriums. Auf die Frage, welchen Anlass es überhaupt gäbe, Ausschreitungen anzunehmen, sagte der Sprecher wenig aussagekräftig: "Man kann es schon annehmen und muss es auch annehmen. Aber wir hoffen, dass die Container nicht eingesetzt werden müssen."
Zudem fragte er im Gegenzug, welche Alternative es denn gäbe: Im Freien sei es unmöglich, die Menschen in Gewahrsam zu nehmen, der Polizeigewahrsam sei zu klein und eine Turnhalle sei auch nicht passend.
Betont wird dabei sowohl von der Polizei als auch vom Innenministerium, dass es sich um beheizte Bürocontainer mit sanitären Anlagen handeln würde. Und solche habe man schließlich auch schon bei der Fußball-Weltmeisterschaft eingesetzt.
Weiter erklärte der Sprecher, dass zu beobachten sei, dass sich eine kleine Gruppe zunehmend radikalisiere. "Wir haben keinen schwarzen Block oder so, aber wir haben Leute, die einfach total fanatisiert sind."
Die Sprecherin des Aktionsbündnisses gegen S21, Brigitte Dahlbender, hält die Pläne dagegen für einen Versuch, die Bewegung zu kriminalisieren und Stimmung gegen Demonstranten im Vorfeld der Volksabstimmung zu machen.
Im Internet haben viele S21-Gegner eine öffentliche Ablehnung der Pläne seitens der Landesregierung vermisst. Auch von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) ist bislang nichts zu hören. Das Staatsministerium bat die taz, sich an das Innenministerium zu wenden.
In dem Microblogging-Dienst Twitter fragten einige Nutzer zudem, wie das Innenministerium denn die Gefahr einer Eskalation einschätze, die gerade durch die Einrichtung eines Container-Lagers provoziert werden könnte. Auf eine entsprechende taz-Frage antwortete der Sprecher: "Wir versuchen die Pläne ja vernünftig zu erklären."
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Mit der Wahl einer neuen Führung will die Linkspartei aus der Krise kommen. Der Ausgang gilt als völlig offen. Zunächst wird aber über konkurrierende Leitanträge debattiert. von Tom Strohschneider

"Stuttgart 21" ist eines der teuersten Bahnprojekte aller Zeiten in Deutschland: Der Kopfbahnhof der Stadt soll durch einen unterirdischen Durchgangsbahnhof komplett ersetzt werden. Wo jetzt noch Schienen liegen, sollen künftig Wohn- und Gewerbebauten entstehen.
Der neue Bahnhof soll Ende 2017 fertig sein, der Probebetrieb 2019 aufgenommen werden. "Das neue Herz Europas" nennt die Bahn das Projekt im Netz. Ein breites Bündnis von Bürgern protestiert allerdings gegen den Umbau. Ihre Argumente: Der Tiefbahnhof sei betriebsschädlich, nicht bahnkundenfreundlich, umweltbelastend und viel zu teuer. Sie haben mit dem Projekt "Kopfbahnhof 21" ihre eigenen Pläne.
Trotzdem wurde der symbolische Baubeginn im Februar 2010 gefeiert, der Nordflügel des Kopfbahnhofs im September 2010 abgerissen. Ein Teil der Bauaufträge vergeben. Eine Schlichtung Ende 2010 schlug mögliche Verbesserungen unter der Bezeichnung "Stuttgart 21 Plus" vor. Das Protestbündnis hält jedoch an dem "Kopfbahnhof 21" fest.
Der Wechsel der Landesregierung in Baden-Württemberg sorgte für einen zeitweisen Baustopp. Im Koalitionsvertrag vereinbarten Grüne und SPD eine Volksabstimmung, in der die Bürger entscheiden, ob das Land die Co-Finanzierung von "Stuttgart 21" stoppen soll. Sie findet am 27. November 2011 statt.
Finanziert werden soll das Projekt von der Deutschen Bahn AG, dem Bund, dem Land Baden-Württemberg, der Stadt Stuttgart, dem Flughafen Stuttgart sowie dem Verband Region Stuttgart. Die Bauherren gehen offiziell davon aus, dass "Stuttgart 21" 4,1 Milliarden Euro kosten wird, halten sich aber eine "Risikoreserve" von 400 Millionen Euro zusätzlich offen. Unabhängige Bahnexperten haben allerdings wesentlich höhere Kosten errechnet.
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Leserkommentare
04.11.2011 15:59 | Donnawetta
Was zum Kuckuck verstehen sie unter "fanatisiert"??? Sollen das diejenigen sein, die nicht bereit sind, auf die Couch zurüc ...
04.11.2011 15:58 | Halbwahrheit
Nein, nein, nein das ist mal wieder Polizeitstümperrei. Die kriegen nix auf die Reihe: PROVISORISCHER Gewahrsam , kein prov ...
04.11.2011 14:34 | Anna
Die spinnt jetzt total die Stuttgarter Polizei...Nach meiner Ansich wird hier die Gewallt erst richtig herausprovoziert, un ...