• 07.11.2009

Österreichs Studentenaufstand

Wiener Unis brennen weiter

Bei einem Sternmarsch durch Wien protestieren 20.000 Menschen gegen die Bildungspolitik. Die Besetzungen der Universitäten dauern an, die Politik reagiert hilflos.von Philipp Brugner

  • 10.11.2009 18:08 Uhr

    von Hans Werner:

    Die Medienberichterstattung in deutschen Zeitungen ist mangelhaft. Vor 1 1/2 Wochen war in der Süddeutschen das Thema auf Seite eins. In meiner näheren Umgebung herrscht komplette Ahnungslosigkeit über die Studentenproteste in Österreich.
    Aber wundern tuts mich nicht. Ich habe heute mal die österreichische Presselandschaft via Internet durchkämmt, Fazit: Kein Wort über die Protestler. Weder die Kleine Zeitung, noch die Salzburger Nachrichten.

    Und ja, irgendwie haben die Bilder und Berichte aus Österreich einen revolutionären Charakter, der an eine gewisse Bewegung in Deutschland erinnert. Aber was wäre diese Bewegung damals schon gewesen, hätten die Medien nicht berichtet.

    Was in unserem Nachbarland passiert hat Potential, aber: Stell dir vor es ist Revolution und keiner berichtet davon.

  • 08.11.2009 14:13 Uhr

    von Aka Streik:

    Stand: Nacht vom 6. auf 7. November
    Am 5. November gegen 14:00 haben sich geschätzte 150 Studenten verschiedener Münchener Hochschulen vor der Akademie der Bildenden Künste in München zu einer Kundgebung versammelt, die sich unter anderem solidarisch mit den Hochschulbesetzungen in Wien, gegen die Ökonomisierung des Studiums und für freie Bildung artikuliert hat. Anschließend folgten die Versammelten spontan einem Aufruf und drangen in einen Saal des Altbaus der Akademie ein. Und haben die Akademie für "besetzt" erklärt.
    Die Leitung, Professorenschaft, Verwaltung und Mittelbau der Akademie wehren sich in Verhandlungen mit dem Kultusministerium seit Jahren gegen die verordneten Reformen im Rahmen des Bologna-Prozesses. Die Studiengebühren konnten nicht abgewendet werden, bei der Modularisierung ist eine Hinauszögerung der Einführung von Bachelor und Master bis 2014 erzielt worden. Die Studenten der Akademie sind aber erstaunlich wenig aktiv in Erscheinung getreten. Bis jetzt.
    Der Funke, der sich an der Akademie der bildenden Künste in Wien (http://www.malen-nach-zahlen.at) entzündet hat ist auf mehrere österreichische, deutsche, italienische und, nach dem was ich gehört habe, auch auf andere europäische Hochschulen übergesprungen. Seit dem arbeiten, protestieren und nächtigen die Teilnehmer der Aktion im alten Sitzungssaal und weiteren Räumen der Münchener Akademie mit wechselnder Besetzung. Die Verwaltung "toleriert" den Protest im Haus. Manche Professoren haben sich offen solidarisch erklärt und einige Werkstattleiter ihre Unterstützung zugesichert. Viele auswärtige Gruppen und Privatpersonen haben ebenfalls ihre Solidarität bekundet.
    Unter den (nicht ausschließlich) Studierenden haben sich Arbeitsgruppen zu Inhalten und Organisation, Einzelinitiativen sowie eine über alle Erwartungen hinaus leckere Volxküche gebildet: "ohne mapf - kein kampf". Die Teilnehmerzahl schwankt zwischen wenigen Dutzend, die rund um die Uhr die Stellung halten und geschätzten 300 im allabendlichen Plenum.
    Weitere Unterstützung ist willkommen/gefragt/notwendig. Die Frage lautet: Wo stehst du?
    Mancheiner denkt: "Mqn kann eh nix tun" - die Aktion zeigt - es geht. Einen Flyer mitnehmen und irgendwo anders aufhängen ist schon cool.
    Mancheiner fühlt sich nicht genügend informiert um sich öffentlich gegen z.B. den Bologna-Prozess usw. auszusprechen - ein diffuses Unbehagen, dass etwas schief läuft, qualifiziert ausreichend. Die Inhalte werden bis in die Punkte und Unterpunkte ausformuliert und vorgestellt.
    Mancheinem sind die Art von Aktionen zu radikal, zu wirr, zu wenig radikal, zu strukturiert... - jeden Tag finden ein bis zwei Plenen statt. In diesen werden alle Themen absolut basisdemokratisch ausdiskutiert- jeder kann sich äußern, auch wenn es manchmal etwas dauert bis man dran ist. Oder spontan eine Aktion überlegen.
    Vom Plenum Beschlossenes, z.B. Programm für den Tag unter http://www.bildungsstreik-muenchen.de/category/besetzung-aktion/
    Ganz einfach: Macht die Akademie, wie sie euch gefällt.

  • 06.11.2009 23:11 Uhr

    von Frau Luhmann:

    ich weiß, dass es - allen voran - von frau schavan und auch den medien gerne mal falsch verstanden wird, aber es geht den studierenden nicht um die abschaffung des bachelor-master-systems!!!! es geht um deren bearbeitung und umsetzung! daran richtet sich die kritik!! niemand will diese studiengänge wieder abschaffen, wir wollen es doch niemandem zu leicht machen, unsere vorstellungen utopisch zu nennen... ;o) nebenbei darf man nicht vergessen, dass verschulung und verkürzung der studienzeit zur chancengleichheit beitragen können! nur schade, dass dieser vorteil mit einführung der studiengebühren wieder verspielt wurde...


  • 06.11.2009 21:50 Uhr

    von Philipp Sattler:

    Es ist sehr traurig, dass in keiner großen Tageszeitung Deutschlands eine Meldung über die etlichen deutschen Unis steht. Seit Tagen werden Hörsäle in Heidelberg, Marburg, Münster, Potsdam und Tübingen besetzt. Und sogar wieder geräumt. TÜBINGEN BLEIBT!

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