Haus der Demokratie und Menschenrechte, Berlin

recht im bilde

In Zeiten globaler Migrationsbewegungen bedeutet Flucht die Übertretung nationaler Grenzen. Für die Fliehenden heißt das: Hinter jeder Grenze erwartet sie eine andere Rechtslage, mit der sie umgehen und in der sie sich zurecht finden müssen. Aktuell bedeutet die Überquerung von Nationalgrenzen eine immer wieder andere Behandlung von Flüchtlingen und unterschiedliche Gewichtung iher Fluchtgründe. Diese Ausgangslage veranschaulicht die fundamentale Bedeutung universeller Menschenrechte - und die Foto-Ausstellung "recht im bilde" verleiht dieser abstrakten Notwendigkeit reale, greifbare Gesichter. Die Fotoserie von Valentin Gienger porträtiert Geflüchtete im Sommer 2014 in Eisenhüttenstadt: Ihre damalige Situation ist den aufgeheizten Diskussionen der 1990er Jahre geschuldet und gleichzeitig sie sind die letzten Geflüchteten vor den Ereignissen 2015 und den einsetzenden Ereignissen der Folgejahre. 1993 wurde das bis dahin umfassende Recht auf Asyl in Deutschland durch den sogenannten Asylkompromiss massiv eingeschränkt. Seit 2015 folgten und folgen weitere Versuche, die Einreise- und Aufenthaltsmöglichkeiten immer mehr zu verengen. Die Ausstellung "recht im bilde" bietet einen gerafften Überblick dieser Entwicklungen im deutschen Asylrecht bis in die unmittelbare Gegenwart. "recht im bilde" zu sein, bezieht sich auf die (Un-)Möglichkeit, sich einen umfassenden Eindruck von etwas zu machen. Da die Spuren der Porträtieren sich verloren haben und die Bilder nunmehr stumme Zeugnisse einer Atempause in der Asylpolitik sind, wird die Ausstellung bei der Eröffnung sowie den Führungen durch dokumentarische Filme vom Kollektiv white flux productions / flüchtig und Gedichte von Wael Chabou ergänzt, die ihre Migrationserfahrungen, ihre künstlerische Praxis und ihre Sicht auf Deutschland individuell reflektieren. Gerade in der deutschen Diskussion, mit ihrem Fokus auf nationaler Identität sowie der Frage nach Kosten und Nutzen der Geflüchteten, wird das im Grundgesetz verankerte Recht auf Asyl zunehmend in den Hintergrund gedrängt. Die Vernissage findet am 27.07 ab 19 Uhr im Robert-Havemann-Saal & Foyer statt: Mit Fotografien von Valentin Gienger Gedichten von Wael Chabou in Kooperation mit der btk Filmen von white flux productions & dem Ausstellungskollektiv “flüchtig”, Majd Hafiry, den Brüdern Ousama, Osama, Saja, Sina, Wessam, Zolfaqar, Majd Turkmani Führungen finden am 29.07 um 15 Uhr und am 06.08 um 18 Uhr statt. Alle Veranstaltungen sind kostenlos.

Veranstalter: Amnesty International-Hochschulgruppe HU & Charité und Stiftung Haus der Demokratie und Menschenrechte