Die deutsche Umweltbewegung will die Welt retten. Und macht alles nur noch schlimmer, sagt der Chemiker Michael Braungart. Kann er es besser?von Peter Unfried
Manchmal denke ich, es ist fast typisch deutsch geworden, nie in Lösungen zu denken.Stets hört man als erstes bei neuen Ideen: es geht nicht-und meint dabei nur veraltete Strukturen.Ich verstehe schon nicht, wozu wir so viele Müllverbrennungsanlagen brauchen und WAS hier alles weggeworfen wird: teure Ressourcen nämlich, mit viel Aufwand hergestellt.Man gehe mal Sperrmüll sammeln: und findet teure Aluminiumschienen, Stahl, Schrauben, Stecker, Kabel u.v.m. Kostenlos nämlich-man braucht dazu dann einen Schraubenzieher , etwa handwerkliches Geschick und braucht keine neuen Möbel kaufen. Nun haben wir sogar auch teure stabile Möbelrollen kostenlos und lachen (wenn es nicht so traurig wäre) über all die Ahnungslosen, die ihr hart erarbeites Geld für überteuerten Pressspan in Möbelhäusern zum Fenster hinauswerfen, der auch noch giftige Dämpfe absondert. (und bei einem Umzug ist alles "Schrott")Unbehandeltes Holz kann man im baumarkt kauufen-und da Design ist individuell, massgeschneidert und schön. Na ja, sicher sind es Lobbies hier, die Umdenken verhindern.Herr Braungart ist genial.Ausserdem-wer braucht realitätsferne Ökoromantik in modernen Zeiten? Jeder benötigt PC´s, benutzt TV´s-wollen wir Afrikanern vorschreiben (aber selber im Wohlstand und einer Wegwerfgesellschaft leben), wegen unserer Lagerfeuerromantik in Hütten zu leben? Dass unsere Recyclingideen Unfug sind, ieht jeder Erstsemeterstudent Chemie an den -zig verschiedenen Plastikarten, die in gelben Säcken gesammelt werden.Nichtmals das kriegt man hin, sich auf wenige chemische verbindungen zu einigen.
10.03.2009 14:06 Uhr
von Lars:
Und bis zur Craddle to Craddle Ökonomie einfach ungedrosselt weiterzerstören?
Nichts gegen das Konzept der Öko-Effektivität. Das ist super!
Schlimm finde ich, dass Braungart die Zeit, die vergeht, bis alles nach dem Öko-Effektivitäts-Konzept produziert wird (ob das mit allem was wir haben überhaupt möglich ist, ist fraglich), schlicht ausklammert und durch ständige Anfeindungen Vermeidungsstrategien auch für die "Übergangszeit" als überflüssig und unnütz erscheinen läßt.
Was wir bis dahin in Verbundprodukten verbrauchen und an Umweltraum vergiften kann später kaum noch alles in Kreisläufe überführt werden. Aber diese Erkenntnis ist dem Professor wohl zu Industriefeindlich, als das er sie aussprechen würde. Dass sein Nike Recycling-Schuh von Sklav_innen genäht wird und dem Ausbeuter-Konzern zu einem grünen Anstrich verhilft, stört ihn ja auch nicht. Hauptsache er verdient ne Menge Kohle und kann sich zugleich weiter als Weltretter feiern.
Einfach nur peinlich der Mann und leider auch nicht ungefährlich, weil so viele drauf reinfallen. Ist ja auch sehr attraktiv das gerade gewonnene Bewusstsein, dass man seinen Wohlstand auf Kosten von Fabriksklav_innen und der Lebensgrundlage von Menschen im globalen Süden und künftigen Generationen genießt, schnell wieder loswerden zu können.
09.03.2009 13:56 Uhr
von Michael Grosch:
besten dank, hr. unfried
wusst ich's doch: ab und an kommt die taz dann auch zu denen, die windschief zu ALLEN anderen denkansätzen stehen... - braungart wird in den fachbereichen design sowohl an der khb weissensee als auch an der udk rege diskutiert und sollte zumindest nicht insiderkram bleiben, auch wenn's einiges an ihm mit vorsicht zu geniessen gibt...
auf meiner wunschliste ferner, weil ähnlich gelagert und in eurem archiv nicht zu finden: silvio gesell und seine freiwirtschaftslehre; viel älterer ansatz, aber nicht weniger ~zu unrecht übergangen...
grüsse, m.g.
09.03.2009 10:23 Uhr
von Hallo?:
Wie schon angemerkt wurde, handelt es sich jedenfalls um eine hervorragende Grundidee. Die Vorstellung allerdings, dass man damit den jetzigen Lebensstandard für 10 Milliarden Menschen bieten können soll, erschreckt mich. Auch wenn die alle nach dem Prinzip "cradle to cradle" leben, soll er mir doch mal erklären, wo da der Platz für die indischen Tiger, die deutschen Braunbären etc. bleibt (also rein räumlich gesehen). Und dann würde mich auch interessieren: Ist C2C dann auch gleich ein Programm, mit dem abgestellt wird, dass aus Aberglauben Nashorn-Horn und Tigerhoden als Potenzmittel angesehen werden? Oder spielen solche Erwägungen gar keine Rolle?
07.03.2009 10:52 Uhr
von Axel Dörken:
Wann lernen Menschen lsöungsorierntiert zu denken und zu handeln?
Wann beschäftige sie sich mehr mit der Frage "Wie könnte es möglich werden und was kann ich dazu beisteuern?"?
Noch immer verschwenden viele Menschen viel Zeit mit zweifeln, anstatt zu hoffen, oder noch krasser, zu vertrauen und mitzumachen.
"Es funktioniert all das sehr gut, wovon man vorher glaubte, dass es nicht funktionieren kann."
Das Rad, die Schrift, der Buchdruck, das Internet, Achtsamerer Umgang mit der Welt, meinen Mitmenschen und mit mir...
Bewusstseinsforschung ist DER Aspekt, der das Bewusstsein schon Heute enorm verändert. Er wird zu einer der umfassendsten Veränderungen führen, die die Menschheit erlebt hat.
Bei mir hat dieser Wandel bereits zu einem Großteil stattgefunden.
Und es ist eine große Freude!
07.03.2009 06:39 Uhr
von Felix Baarß:
Huch, endlich mal ein etwas umfangreicherer Artikel auf taz.de ... daß ich das noch erleben darf. Prima Infokasten auch. Ansonsten wie gewohnt relevant, interessant und gut geschrieben. Danke.
07.03.2009 02:14 Uhr
von Uwe Weber:
Auf der heutigen faz hompage steht werden investmentbanker als 'verlogene selbsdarsteller' bezeichnet. Wohl richtig, leider gibt's diese unangenehme sorte mitmensch auch in der umweltbewegung zu hauf.
Baumgart war, ist und bleibt ein quatschkopf, der mit seinen kruden theorien nix anders betreibt als eine rechtfertigung der luege vom ewigen wirtschaftswachstum. Bloss nicht anhalten, bloss nicht umkehren: weiter so, und schneller, damit der profit nur so sprudelt. Und dann noch die dreistigkeit haben ueber die hungernden der welt zu reden!
07.03.2009 01:17 Uhr
von Kai:
Nur weil einer mal ein paar wirklich gute Ideen gehabt hat, sind alle anderen dummm, die Deutschen sind alle Skeptiker und wollen nur reden, statt zu machen?
So was nennt man normalerweise missionieren. Eigentlich schade, ich finde seine Grundidee wirklich gut. Nur solche Pauschalierungen gehen sind generell falsch. Wenn das ein intelligenter Mensch nicht selbst erkennen kann...
Leserkommentare
06.08.2010 11:34 Uhr
von Ingrid Barth:
Manchmal denke ich, es ist fast typisch deutsch geworden, nie in Lösungen zu denken.Stets hört man als erstes bei neuen Ideen: es geht nicht-und meint dabei nur veraltete Strukturen.Ich verstehe schon nicht, wozu wir so viele Müllverbrennungsanlagen brauchen und WAS hier alles weggeworfen wird: teure Ressourcen nämlich, mit viel Aufwand hergestellt.Man gehe mal Sperrmüll sammeln: und findet teure Aluminiumschienen, Stahl, Schrauben, Stecker, Kabel u.v.m. Kostenlos nämlich-man braucht dazu dann einen Schraubenzieher , etwa handwerkliches Geschick und braucht keine neuen Möbel kaufen. Nun haben wir sogar auch teure stabile Möbelrollen kostenlos und lachen (wenn es nicht so traurig wäre) über all die Ahnungslosen, die ihr hart erarbeites Geld für überteuerten Pressspan in Möbelhäusern zum Fenster hinauswerfen, der auch noch giftige Dämpfe absondert. (und bei einem Umzug ist alles "Schrott")Unbehandeltes Holz kann man im baumarkt kauufen-und da Design ist individuell, massgeschneidert und schön.
Na ja, sicher sind es Lobbies hier, die Umdenken verhindern.Herr Braungart ist genial.Ausserdem-wer braucht realitätsferne Ökoromantik in modernen Zeiten? Jeder benötigt PC´s, benutzt TV´s-wollen wir Afrikanern vorschreiben (aber selber im Wohlstand und einer Wegwerfgesellschaft leben), wegen unserer Lagerfeuerromantik in Hütten zu leben?
Dass unsere Recyclingideen Unfug sind, ieht jeder Erstsemeterstudent Chemie an den -zig verschiedenen Plastikarten, die in gelben Säcken gesammelt werden.Nichtmals das kriegt man hin, sich auf wenige chemische verbindungen zu einigen.
10.03.2009 14:06 Uhr
von Lars:
Und bis zur Craddle to Craddle Ökonomie einfach ungedrosselt weiterzerstören?
Nichts gegen das Konzept der Öko-Effektivität. Das ist super!
Schlimm finde ich, dass Braungart die Zeit, die vergeht, bis alles nach dem Öko-Effektivitäts-Konzept produziert wird (ob das mit allem was wir haben überhaupt möglich ist, ist fraglich), schlicht ausklammert und durch ständige Anfeindungen Vermeidungsstrategien auch für die "Übergangszeit" als überflüssig und unnütz erscheinen läßt.
Was wir bis dahin in Verbundprodukten verbrauchen und an Umweltraum vergiften kann später kaum noch alles in Kreisläufe überführt werden. Aber diese Erkenntnis ist dem Professor wohl zu Industriefeindlich, als das er sie aussprechen würde. Dass sein Nike Recycling-Schuh von Sklav_innen genäht wird und dem Ausbeuter-Konzern zu einem grünen Anstrich verhilft, stört ihn ja auch nicht. Hauptsache er verdient ne Menge Kohle und kann sich zugleich weiter als Weltretter feiern.
Einfach nur peinlich der Mann und leider auch nicht ungefährlich, weil so viele drauf reinfallen. Ist ja auch sehr attraktiv das gerade gewonnene Bewusstsein, dass man seinen Wohlstand auf Kosten von Fabriksklav_innen und der Lebensgrundlage von Menschen im globalen Süden und künftigen Generationen genießt, schnell wieder loswerden zu können.
09.03.2009 13:56 Uhr
von Michael Grosch:
besten dank, hr. unfried
wusst ich's doch: ab und an kommt die taz dann auch zu denen, die windschief zu ALLEN anderen denkansätzen stehen... - braungart wird in den fachbereichen design sowohl an der khb weissensee als auch an der udk rege diskutiert und sollte zumindest nicht insiderkram bleiben, auch wenn's einiges an ihm mit vorsicht zu geniessen gibt...
auf meiner wunschliste ferner, weil ähnlich gelagert und in eurem archiv nicht zu finden: silvio gesell und seine freiwirtschaftslehre; viel älterer ansatz, aber nicht weniger ~zu unrecht übergangen...
grüsse, m.g.
09.03.2009 10:23 Uhr
von Hallo?:
Wie schon angemerkt wurde, handelt es sich jedenfalls um eine hervorragende Grundidee. Die Vorstellung allerdings, dass man damit den jetzigen Lebensstandard für 10 Milliarden Menschen bieten können soll, erschreckt mich.
Auch wenn die alle nach dem Prinzip "cradle to cradle" leben, soll er mir doch mal erklären, wo da der Platz für die indischen Tiger, die deutschen Braunbären etc. bleibt (also rein räumlich gesehen).
Und dann würde mich auch interessieren: Ist C2C dann auch gleich ein Programm, mit dem abgestellt wird, dass aus Aberglauben Nashorn-Horn und Tigerhoden als Potenzmittel angesehen werden? Oder spielen solche Erwägungen gar keine Rolle?
07.03.2009 10:52 Uhr
von Axel Dörken:
Wann lernen Menschen lsöungsorierntiert zu denken und zu handeln?
Wann beschäftige sie sich mehr mit der Frage "Wie könnte es möglich werden und was kann ich dazu beisteuern?"?
Noch immer verschwenden viele Menschen viel Zeit mit zweifeln, anstatt zu hoffen, oder noch krasser, zu vertrauen und mitzumachen.
"Es funktioniert all das sehr gut, wovon man vorher glaubte, dass es nicht funktionieren kann."
Das Rad, die Schrift, der Buchdruck, das Internet, Achtsamerer Umgang mit der Welt, meinen Mitmenschen und mit mir...
Bewusstseinsforschung ist DER Aspekt, der das Bewusstsein schon Heute enorm verändert. Er wird zu einer der umfassendsten Veränderungen führen, die die Menschheit erlebt hat.
Bei mir hat dieser Wandel bereits zu einem Großteil stattgefunden.
Und es ist eine große Freude!
07.03.2009 06:39 Uhr
von Felix Baarß:
Huch, endlich mal ein etwas umfangreicherer Artikel auf taz.de ... daß ich das noch erleben darf. Prima Infokasten auch. Ansonsten wie gewohnt relevant, interessant und gut geschrieben. Danke.
07.03.2009 02:14 Uhr
von Uwe Weber:
Auf der heutigen faz hompage steht werden investmentbanker als 'verlogene selbsdarsteller' bezeichnet. Wohl richtig, leider gibt's diese unangenehme sorte mitmensch auch in der umweltbewegung zu hauf.
Baumgart war, ist und bleibt ein quatschkopf, der mit seinen kruden theorien nix anders betreibt als eine rechtfertigung der luege vom ewigen wirtschaftswachstum. Bloss nicht anhalten, bloss nicht umkehren: weiter so, und schneller, damit der profit nur so sprudelt. Und dann noch die dreistigkeit haben ueber die hungernden der welt zu reden!
07.03.2009 01:17 Uhr
von Kai:
Nur weil einer mal ein paar wirklich gute Ideen gehabt hat, sind alle anderen dummm, die Deutschen sind alle Skeptiker und wollen nur reden, statt zu machen?
So was nennt man normalerweise missionieren. Eigentlich schade, ich finde seine Grundidee wirklich gut. Nur solche Pauschalierungen gehen sind generell falsch. Wenn das ein intelligenter Mensch nicht selbst erkennen kann...