• 17.03.2009

die wahrheit

Hombres der Liebe

Das geheime Tagebuch der Carla Bruni. Heute: Im wilden Land des Mex-Sex.von SILKE BURMESTER

Mon cher journal intime …

class="Z">Montag, 9. 3. 2009

Wir fahren nach Mexiko. Großartig. Endlich mal Action. Und andere Eindrücke. Ich brauche dringend Inspiration. Ich weiß zwar noch nicht, wofür, aber brauchen kann ich sie auf jeden Fall. Ich nehme immer noch diese blöden Hormone und bin immer noch ganz juppelig. Zum Glück fliegen wir im Staatsjet, da kann man auch während des Fluges ab und zu mal 'ne Nummer schieben. Auch ein Glück, dass Nici noch so gut in Schuss ist.

Mittlerweile mache ich mir echt Sorgen. Gestern dachte ich, ich hätte Sex-Tourette. War ganz schlimm. Ständig habe ich das Wort "Sex" denken müssen, auch wenn es gar nicht passte, und dann habe ich es auch drei Mal unkontrolliert ausgesprochen. Einmal, als ich mit dem Küchenchef den Menüplan für nächste Woche durchsprach und er mir vorschlug, ein Mousse von Zuckerschoten zum Petersfisch zu servieren. Da habe ich zwischen das Wort "Zuckerschoten" "Sex" gequetscht, so dass ich sagte, "Zuckersexschoten finde ich vorzüglich". Was natürlich unglaublich peinlich war. Wir haben beide kurz gestutzt, dann ist er galant über meinen Ausrutscher hinweggegangen und hat mir ein Dessert vorgeschlagen, zu dem ich unmöglich nein sagen konnte.

Gottlob ist das Personal von guter Erziehung. Die anderen beiden Male war es weniger schlimm, weil ich beim Autofahren einen Tölpel angeschrien habe, der zu blöd war, hinter mir zu warten, bis ich die Spur gewechselt hatte. Trotzdem bin ich etwas beunruhigt ob der Entwicklungen. Heute war die Lage aber schon ruhiger. Kam nur zwei Mal vor, dass ich das Wort "Sex" an unpassenden Stellen gedacht habe. An Sex habe ich freilich häufiger gedacht. Eigentlich ständig.

class="Z">Dienstag, 10. 3. 2009

Das mit den sieben Wochen ohne Jammern klappt überraschend gut. Hätte ich gar nicht gedacht. Zwei habe ich schon hinter mir. Aber mit Jammern geht alles doch sehr viel leichter.

class="Z">Mittwoch, 11. 3. 2009

Oh, diese Sch…franzosen! Dieses miesepetrige Pack. Wir sind noch in Mexiko. Gerade habe ich mein Köpfchen aus den Kissen erhoben, den Blick über das fantastische Panorama gleiten lassen, den Papageien gelauscht, die meinen Namen rufen, und wollte mir das Frühstück bringen lassen, da bekomme ich einen Anruf aus dem Palast. Madame Rottmeier, meine Imageberaterin. Die Ohrringe! Das Volk ist aus dem Häuschen. Erst habe ich gedacht, weil ich so einen guten Geschmack habe und mal wieder so entzückend aussah. Aber nein! Diese Neider echauffieren sich, weil mein Ohrschmuck zu teuer sei! Zu teuer!!! Kann sich das mal einer vorstellen?!? Das wäre der momentanen Krisensituation nicht angemessen, wo der durchschnittliche Arbeiter gerade mal acht Euro verdient. Ja, ist denn das mein Problem? Na sicher haben die 217.000 Euro gekostet. Aber ich bin schließlich auch die Première Dame und nicht irgendeine x-beliebige Fischverkäuferin.

Ich bin wirklich erstaunt, was man sich heute alles bieten lassen muss. Ich meine, das ist doch schließlich meine Aufgabe, zu präsentieren. Früher hätte man es gar nicht gewagt, so etwas zu kritisieren. Ich glaube, die haben irgendwas falsch verstanden, als sie die Republik ausgerufen haben. Was wollen die denn?!? Dass ich zum Staatsempfang mit Bijou Brigitte an den Ohren gehe?

class="Z">Freitag, 13. 3. 2009

Dieser Mexiko-Besuch steht unter keinem guten Stern. Jetzt hackt die Presse auf Nici rum, weil er sich mal wieder hat einladen lassen. Wobei die Einladung an sich nur die Hälfte des Problems ist. Die andere Hälfte ist unser Gastgeber in Manzanillo: Roberto Hernández Ramírez, ein Milliardär und netter Kerl. "Liebesurlaub beim Drogen-Boss", titeln die Blätter. Roberto hat sein Geld in den Neunzigern angeblich mit Drogengeschäften gemacht. Das kann ich verstehen, dass man das nicht so gut findet, sehe aber nicht ganz den Unterschied zu den Waffenhändlern, mit denen wir sonst verkehren.

class="Z">Samstag, 13. 3. 2009

Nici ist total sauer. Mal wieder wurde nur über mich berichtet. Keinen Sombreroträger hat es interessiert, dass Nici auch in Mexiko war. Alle reden nur über mich. Super finde ich das. Also nicht, dass sie meinen kleinen Speedy Gonzales so links liegen lassen, dass sie keinen Funken Aufmerksamkeit für meine süße Wüstenrennmaus haben, das tut mir natürlich sehr leid - na ja, ein bisschen. Aber dass ich endlich mal wieder im Fokus bin, das tut mir sehr, sehr gut. Ich liebe das, das Bad in der Fotografenmenge. Sind ja auch alles nur Männer. Ein wenig klein, die Hombres, aber doch sehr, sehr männlich. Und wenn sie dann rufen, "Dreh dich, Carla!", "Ein bisschen mehr Po, ein bisschen mehr Po!", dann fühle ich mich in meinem Element. Ich fühle mich bei mir, denn ich fühle mich gesehen.

Leider kreidet Nici mir die Begeisterung der Medien an. Da nützt es auch nichts, darauf hinzuweisen, dass ich in Frankreich mal wieder voll unbeliebt bin. Die machen aber auch einen Aufstand wegen der paar Ohrringe! Ich verstehe das überhaupt gar nicht. Ich dachte, Nici hätte das mit der Presse jetzt mal endgültig geklärt. Wo doch die wichtigen Blätter alle seinen Freunden gehörten. Ich dachte, die dürften solche fiesen Dinge gar nicht mehr über mich schreiben.

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