Das geheime Tagebuch der Carla Bruni. Heute: Eine andere neue Jackie taucht auf.von SILKE BURMESTER
Mon cher journal intime …
class="Z">Montag, 3. 11. 2008
Ach, mein liebes Tagebuch, neulich habe ich noch gedacht, jetzt, wo ich so viel zu tun habe, komme ich nicht mal mehr dazu, depressiv zu sein, und nun, wo hier alles den Bach runtergeht, ist es mir auch nicht recht.
Mein Mann ist mir kaum noch mein Mann. Er wird immer mehr das fremde Wesen, das er vor seiner Präsidentschaft war, als ich ihn als reaktionären Politiker im Fernsehen sah. Ein komischer Kerl mit Basset-Backen.
class="Z">Montag, nachmittags
Charles hat sich gemeldet, meine Frühlings-Sommerliebe 89. Auch habe ich Gustave Farmont, den Neuen von Nicis Ex-Ex, drei Mal zum Mittag getroffen, immer im Ritz Carlton, und seine Avancen sind eindeutig, der Zimmerschlüssel liegt jedes Mal neben der Tischlampe. Aber immer fremdgehen kann auch keine Lösung sein. Zumal Philippe, der Freund von Ignacio, den ich vor anderthalb Jahren auf einer Vernisage kennen lernte, durchaus ältere Rechte hat.
Mal ganz abgesehen von Joseph, dem Gärtner, aber an den will ich jetzt nicht denken. Ich glaube, ich muss mir mal einen Plan machen, wie es hier weitergehen soll. Am einfachsten wäre es, Nici und ich würden wieder in Liebe entbrennen. Dann kann ich mir diesen ganzen anderen nervenaufreibenden Klimbim sparen. Oder ich bekäme ein Kind. Aber das müsste derzeit per Fernbefruchtung in meinen Körper wandern. Immerhin habe ich Nici ja geheiratet, um einmal in meinem Leben etwas zu tun, das Hand und Fuß hat. Und das hat er ja. Auch wenn Hände und Füße etwas nah am Rumpf angebracht sind.
Nun denn, gleich kommt Maman, dann wird wieder der Korken knallen. In der Entschiedenheit, sich das Leben schön zu machen, ist sie wirklich eisenhart. Mittlerweile geht sie ja gar nicht mehr ohne ihre Hermès-Champus-Kühltasche aus dem Haus.
class="Z">Dienstag, 4. 11. 2008
Heute wird - hoffentlich - Obama gewählt. Selbst, wenn er ja ein echter Arsch ist, so sind er und Obama-Mama doch das kleinere Übel. Die Vorstellung, mit den McCains zu Abend essen zu müssen, ist mir wirklich ein Graus. Erstens gibt es immer Selbstgeschossenes und dann soll er ja diesen, vielen Krebskranken eigenen, gruftigen Atem haben. Todes-Odeur, sozusagen …
Und Cindy McCains Top-Feature ist, wo welche Behandlung top ist. Für die sind Schönheitsoperationen nichts anderes als die Frage, welcher Schuster am besten arbeitet. Da bin ich dann wohl doch zu sehr Europäerin, als dass ich darauf angesprochen werden möchte, wo ich mir was genau habe machen lassen.
class="Z">Mittwoch, 5. 11., morgens
Arsch Obama hat gewonnen. Zum Glück. Er ist ja wirklich sehr smart. Zu dumm, dass er mich damals im August so hat abblitzen lassen. Wäre er auch nur einen Funken charmanter zu mir gewesen, müsste ich ihn jetzt nicht so doof finden und könnte mich viel mehr an den tollen Fotos erfreuen, die die nächste Zeit von ihm zu sehen sein werden. Nun denn, ich werde ihr, Michelle, ein paar Pralinen schicken lassen. Und ich will mir das böse "Obama-Mama" verkneifen, sonst rutscht es mir irgendwann noch einmal öffentlich heraus.
class="Z">Mittwoch, nachmittags
Ich tobe! Tagebuch, mein treuer Gefährte, ich bin außer mir! Nicht genug, dass ich diesen ganzen Zauber hier - Hände schütteln, Kinder streicheln, Diners mit Schrumpfköpfen, Verkleidungsarien, Ehefrau spielen, sich im Garten fotografieren lassen, dumme Journalisten treffen - veranstalte und langsam nicht mehr weiß, wofür, jetzt ist sie auch noch die neue Jackie! Sie! Obama-Mama, mit dem Überbiss. Ich tobe! Ich bin so von Wut geschüttelt! Das war schließlich mein Part! Ich war Jackie! Die Erneuerin im Oldschool-Dress! Und nun die! Nur, weil sie drei Mal gut angezogen war, bevor sie in diesem Vulkanausbruch von Narciso Rodriguez daherkam. Jackie Kennedy! Ich meine, hat die mal jemand angeguckt?! Die ist schw…! Die sieht aus wie Mogli!
Ich muss mich dringend abregen. Gleich habe ich einen Termin, weil man immer noch das passende Ehrenamt für mich sucht. Ich bin so sauer, ich würde am liebsten was kaputtmachen.
class="Z">Mittwoch, 17.30 Uhr
Habe Nicis Modellbau von der "Charles de Gaulle" (französischer Flugzeugträger, Anm. d. Red.) kaputtgehauen. Jetzt geht es mir schon besser. Tut mir auch ein wenig leid für ihn, hat er ja lang dran gesessen. Aber er hat selbst Schuld, wenn er seinen verdammten Schrott in meiner Wohnung lässt. Merken wird er es eh nicht, ist ja nie da. Und wenn, werde ich sagen, der Hausmeister war's. Der ist eh schon entlassen, weil Nici sich zwei Mal in seinen Froschfallen verfangen hat.
class="Z">Freitag, 7. 11. 2008
Habe das Angebot bekommen, das "Oui, nous pouvons!"-Papier zu unterstützen. Gegen Rassismus in Frankreich. Da bin ich doch sofort dabei! Vielleicht kann ich sogar Zugpferd werden.
Gute Aussichten gibt es auch für meine Ehe. Nici und ich wollen uns heute Abend zusammensetzen und reden. Endlich.
class="Z">Freitag, kurz nach 23 Uhr
Wir haben gesessen, aber nur kurz. Keine Ahnung, warum wir nicht geredet haben. Vielleicht weil die Stimmung so schlecht ist. Wir haben stattdessen Liebe gemacht. Nici war richtig ausgehungert. Bei mir ging es so, ich hab ja meinen Delfin. Es hat uns einander wieder etwas näher gebracht. Nici hat mich gebeten, wieder in den Palast zu ziehen. Aber so weit bin ich noch nicht. Wir wollen am Wochenende zusehen, dass wir Zeit zusammen verbringen.
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Das geheime Tagebuch der Carla Bruni - Heute allerletzte Folge: Verstopfte Kanäle, Verpuffungen und das endgültige Ende. von Silke Burmester


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