Der Begründer der strukturalen Anthropologie ist kurz vor seinem 101. Geburtstag in Paris gestorben. Was von Claude Levy-Strauss aktuell bleibt.von Cord Riechelmann
Von einer "Grenze zwischen Mensch und Tier" zu sprechen, ist ebenso sinnvoll, wie eine "Grenze zwischen Schimpanse und Tier" zu postulieren. Es gibt dort keine Grenze:
Menschen sind Tiere. Und zwar Affen. Menschenaffen.
Insofern gibt es auch keine Grenze zwischen Mensch und Natur. Das gilt auch für die "Kulturerzeugnisse" unserer Tierart: Ein Kernkraftwerk gehört ebenso zur Natur wie ein Vogelnest.
Und ein von der Affenart Mensch verwüsteter Planet Erde wäre auch Natur. Insofern ist auch der Begriff "Naturschutz" völlig schwachsinnig.
05.11.2009 13:57 Uhr
von Dr. rer. Nat. Harald Wenk:
Die Äußerung mit den Mehlsäcken versteht man am besten als Aufruf, sich in der Lebensspanne die Möglickeiten des Alls, der Natur, des Kosmos und der Kooperation untereinander zunutze zu machen. Das Gegenüberestehen des einzelnen Individuums gegenüber Kräften und Mächten, die um viele Größenordnungen mächtiger sind als er zusammen mit seiner sehr partiellen Kennntis sogar der Kräfte, die in ihm schlummern, bringt eine tragische Situation mit sich. Der Schindluder, der mit der massiven Etablierung von nichtkooperativen Strukturen, die größtenteils unbewußt sind, aus Ignoranz, bedingt durch eine Art ideologischen Indivduumskultgrößenwahn und extremen "unschuldigen" Gebrauch von feindlichen, gewaltätigen und Mechanismen der Konkurenz mit schrumpfen die großen Möglichkeiten des Menschem und seiner Gesellschaften, die ein Wissenchaftler mit 100 Jahren abzuschätzen vermag. Das ist der Hintergrund des Pessimismus. Sehr erhellend ist auch der sehr "humanistsiche" Hintergrund des "Antihumanismus". Der Humanismus ist zu brutal sozusagen - habe ich es mir doch gleich gedacht, dass Levi-Strauss das Gegenteil eines Unmenschen ist und propagiert.
Wirklich sehr traurig, dass er gestorben ist.
05.11.2009 10:44 Uhr
von Michael F.:
Dass ausgerechnet Herr Riechelmann, der sich mit Publikationen wie "Wilde Tiere in der Großstadt" hervorgetan hat, Bruno Latour Kitschigkeit vorwirft, halte ich für ein wenig schäbig. Zumal der sich nicht "zurzeit", sondern schon seit einigen Jahrzehnten äußerst differenziert mit den Grenzen von Mensch und Natur beschäftigt. Das Thema ist übrigens keine Modeerscheinung, wie Riechelmanns Formulierung nahelegt, sondern gewinnt stetig aus verschiedenen Forschungsrichtungen von der Wissenschaftsgeschichte bis hin zu den Kulturwissenschaften an Bedeutung. Vermutlich degoutiert er es einfach nicht, dass er sich als Biologe die Deutungshoheit über die Definition der Grenze zwischen Mensch und Tier zunehmend mit anderen teilen muss.
Leserkommentare
08.11.2009 16:25 Uhr
von teo:
Von einer "Grenze zwischen Mensch und Tier" zu sprechen, ist ebenso sinnvoll, wie eine "Grenze zwischen Schimpanse und Tier" zu postulieren. Es gibt dort keine Grenze:
Menschen sind Tiere. Und zwar Affen. Menschenaffen.
Insofern gibt es auch keine Grenze zwischen Mensch und Natur. Das gilt auch für die "Kulturerzeugnisse" unserer Tierart: Ein Kernkraftwerk gehört ebenso zur Natur wie ein Vogelnest.
Und ein von der Affenart Mensch verwüsteter Planet Erde wäre auch Natur. Insofern ist auch der Begriff "Naturschutz" völlig schwachsinnig.
05.11.2009 13:57 Uhr
von Dr. rer. Nat. Harald Wenk:
Die Äußerung mit den Mehlsäcken versteht man am besten als Aufruf, sich in der Lebensspanne
die Möglickeiten des Alls, der Natur, des Kosmos
und der Kooperation untereinander zunutze zu machen.
Das Gegenüberestehen des einzelnen Individuums gegenüber Kräften und Mächten, die um viele Größenordnungen mächtiger sind als er zusammen mit seiner sehr partiellen Kennntis sogar der Kräfte, die in ihm schlummern, bringt eine tragische Situation mit sich.
Der Schindluder, der mit der massiven Etablierung von nichtkooperativen Strukturen, die größtenteils unbewußt sind, aus Ignoranz, bedingt durch eine Art ideologischen Indivduumskultgrößenwahn und extremen "unschuldigen" Gebrauch von feindlichen, gewaltätigen und Mechanismen der Konkurenz mit schrumpfen die großen Möglichkeiten des Menschem
und seiner Gesellschaften, die ein Wissenchaftler mit 100 Jahren abzuschätzen vermag. Das ist der Hintergrund des Pessimismus.
Sehr erhellend ist auch der sehr "humanistsiche" Hintergrund des "Antihumanismus".
Der Humanismus ist zu brutal sozusagen - habe ich es mir doch gleich gedacht, dass Levi-Strauss
das Gegenteil eines Unmenschen ist und propagiert.
Wirklich sehr traurig, dass er gestorben ist.
05.11.2009 10:44 Uhr
von Michael F.:
Dass ausgerechnet Herr Riechelmann, der sich mit Publikationen wie "Wilde Tiere in der Großstadt" hervorgetan hat, Bruno Latour Kitschigkeit vorwirft, halte ich für ein wenig schäbig. Zumal der sich nicht "zurzeit", sondern schon seit einigen Jahrzehnten äußerst differenziert mit den Grenzen von Mensch und Natur beschäftigt. Das Thema ist übrigens keine Modeerscheinung, wie Riechelmanns Formulierung nahelegt, sondern gewinnt stetig aus verschiedenen Forschungsrichtungen von der Wissenschaftsgeschichte bis hin zu den Kulturwissenschaften an Bedeutung. Vermutlich degoutiert er es einfach nicht, dass er sich als Biologe die Deutungshoheit über die Definition der Grenze zwischen Mensch und Tier zunehmend mit anderen teilen muss.