• 22.08.2010

Zum Tod von Christoph Schlingensief

Die berührende Kraft der Kunst

Produktiver Zweifler und unterhaltsamer Intellektueller: Christoph Schlingensief hat den Provokateur gegeben, wo immer man den Provokateur von ihm wollte. von Katrin Bettina Müller

  • 22.08.2010

Zum Tod von Christoph Schlingensief

Die berührende Kraft der Kunst

Produktiver Zweifler und unterhaltsamer Intellektueller: Christoph Schlingensief hat den Provokateur gegeben, wo immer man den Provokateur von ihm wollte. von Katrin Bettina Müller

  • 27.08.2010 18:06 Uhr

    von Peter Ax:

    Der Tod von Herrn Schlingensief geht mir nahe,da meine Schwester im ungefähr gleichen Alter an der gleichen Krankheit gestorben ist. Ich trauere insoweit mit seinen Eltern.
    Dem Clown der deutschen Intelligenz kanbn ich nicht nachtrauern. Er war mir immer völlig egal.
    Sorry.

  • 24.08.2010 13:36 Uhr

    von DeweyHueyLoui:

    p.s. kunsttherapeutisch interveniert wird auch im postmodernen westen. dabei steht die verarbeitung präverbaler, also im vorsprachlichen alter erworbener traumata im vordergrund. unter bestimmten voraussetzungen wird es von wenigen krankenkassen gezahlt. mit besten grüssen

  • 24.08.2010 11:43 Uhr

    von DeweyHueyLoui:

    @r2d2
    was veranlasst dich dazu, schlingensief als kranken pseudo-künstler zu diffamieren?

    1. jede künstlerische produktion entsteht aus einem spannungsfeld. ohne diese spannung ist kreativität kaum möglich. die grenzen zwischen "gesund" und "krank" sind dabei fließend, und darüber hinaus in ihrer beurteilung abhängig vom aktuellen gesellschaftichen zeitgeist.

    2. eine psych. erkrankung vorausgesetzt: als grundlage des schöpfertums sagt sie nichts, aber auch gar nichts über die "qualität" eines künstlerischen werks aus.

    3. kunst kann prinzipiell jedeR machen. wer's lässt, hat selbst schuld.

    4. schlingensief war ein politischer mensch. er hat (immer wieder) mit "behinderten" gearbeitet, pol. aktionskunst gemacht (container in wien, parteigründung "chance 2000" usw., zuletzt: gründung "autonome patienten")

    5. heilung, lieber r2d2, ist nicht das ziel künstlerischen schaffens. aber: kunst "machen" hat IMMER einen therapeutischen nebeneffekt, bei JEDEM und JEDER. "gesund" in deinem sinne, sind nur die, die nix mehr merken.

    6. die öffentlichmachung seiner krebs-erkrankung hat vielen anderen krebskranken mut gemacht, sich nicht zu verstecken. krankheit und sterben gehören zum leben. beides lautstark zu thematisieren ist ein politischer akt, der hilft unsere gesellschaft ein bisschen menschlicher zu machen.

    christoph, hast alles gegeben, für dich, für uns, für alle!
    danke!!!

  • 23.08.2010 14:39 Uhr

    von r2d2:

    Schade, daß ein Mensch so relativ jung sterben musste.

    Ich verstehe nur die ganze Lobhudelei über sein "Werk" nicht. Es gibt immer wieder "Künstler", die mit ihren Aktionen eigentlich nur ihren eigenen psychischen Schmerz ausdrücken. Das ist okay, auch in der Therapie wird Kunst eingesetzt. Doch diese Werke bleiben dann im privaten Rahmen.

    Wer damit an die Öffentlichkeit geht, provozieren will usw., der ist nicht ein besonders guter Künstler, sondern nur einer, dessen Ego besonders stark ist. Wer sich mit solchen Werken beschäftigt, findet sich vielleicht selbst in seinem Elend darin wieder, aber er findet keine Heilung darin.

    Im alten Japan hat man psychisch Kranke Bilder malen lassen, um ihren Schmerz auszudrücken. Doch diese wurden dann verbrannt, bis eine Heilung eintrat. Danach konnte der Maler (wenn er weiter malen wollte) seine Bilder ausstellen.

  • 23.08.2010 10:51 Uhr

    von dyulyur:

    It is terrible tragedy that Christoph Schlingensief has passed away. You can help remember him by contributing to his memorial website at http://christophschlingensief.people2remember.com/

  • 23.08.2010 09:28 Uhr

    von Jeronimo:

    Über den Menschen und Künstler Christoph Schlingensief gilt hier der Satz: über Tote nichts als Gutes. Über das Zeitphänomen Schlingensief darf allerdings etwas Kritisches gesagt werden: er trat Ende der achtziger, Anfang der neunziger Jahre auf das Forum der Zeit, als die kollektiven Utopien zu Ende gingen - und er wirkte hier wie ein zwiespältig zu betrachtender Container: einerseits trat er die Nachfolge der Hüttenbauer von Gorleben an, zwang diese demokratischen Kräfte in den Sog seiner Künstleregomanie. Gleichzeitig befriedigte er so großbürgerliche Sehnsüchte nach dem "Einzigen". Die Zeit war damals reif für so etwas. Und es ist folgerichtig, dass er mit seinem Auftreten in Beireuth diese Entwicklung krönte: der Künstler ist für Genialität, Anarchie zuständig, absorbiert so andere weniger prominente anarchisch demokratische Kräfte und verhilft dem gewandteten Publikum in Beireuth dazu noch zu dem speziellen Kick, dabei gewesen zu sein. Dieses Spiel läuft seit 200 Jahren und Schlingensief war die jüngste Besetzung darin.

  • 23.08.2010 01:30 Uhr

    von jakob kreutzfeldt:

    leb wohl christof artaud hätte dich geliebt
    take care of the stars above
    we will follow
    ever lasting love
    jak

  • 22.08.2010 22:50 Uhr

    von Mario Falcke:

    "Scheitern als Chance" war nicht nur ein Slogan im Polittheater "CHANCE 2000" sondern auch in Christophs Leben - er hatte den Mut Unruhe zu stiften, den Geist kunstvolle Rhimzome zu bilden oder Umdeutungen auch jenseits des Kunstraumes zu provozieren. Er war die Inkarnation einer Sozialen Plastik. Sein Kreativpotenzial hat sich nie tot gelaufen, mutierte ständig weiter - leider auch sein Krebs. Christoph, ich werde Dich nicht nur bei den Hofer Filmtagen vermissen.

  • 22.08.2010 22:30 Uhr

    von David Betge:

    "...und vielen schwarzen Namibianern, die den Animatographen als willkommene Abwechslung in einem Leben begreifen, das sonst keine Kultur für sie bereithält."

    Ich bin mir sicher, dass diese Aussage auf intensiver Recherche über die namibische Unkultur beruht. Ist es möglich an anderer Stelle nähere Informationen, darüber zu erhalten, was der von Schlingensief aufgestellte Animatograph in den erstaunten Eingeborenen ausgelöst hat? Eine Auswahl der Interviews, in denen diese ihre Freude über die "willkommene Abwechslung" zum Ausdruck bringen kann dem interessierten Leser sicher aufregende Einblicke in die Denkweise der Ureinwohner deutsch Südwestafrikas liefern.

  • 22.08.2010 16:16 Uhr

    von vic:

    Mit der aufdringlichen Vermarktung seiner Krankheit hat er mich zuletzt nur noch genervt - das zu wissen hätte ihm sicher gefallen...
    Ich hab schon viele Freunde verloren, die mir näher standen. Sorry, ist so.

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