Wyclef Jean erwägt Präsidentschaftskandidatur

Ready or Not

Der nächste Präsident Haitis könnte aus dem US-Showbiz kommen. Das Ex-Fugees-Mitglied hat die Bewerbungsunterlagen für eine Kandidatur schon ausgefüllt.

Wyclef Jean - demnächst Hausherr in einem zerstörten Präsidentenpalast?  Bild:  ap

Wyclef Jean erwägt, für das Amt des Präsidenten von Haiti zu kandidieren. Dies teilte laut der britischen Tageszeitung The Guardian die Familie des haitianischen Musikers und Produzenten mit. Jean hat vor allem mit der Hip-Hop-Band The Fugees aber auch als Solokünstler weltweite Bekanntheit erlangt.

 

Schon seit er vom amtierenden Präsidenten René Préval 2007 zum Ehrenbotschafter der Nation ernannt wurde, kursiert das Gerücht, der Künstler wolle an den Präsidentschaftswahlen teilnehmen. Die sollen voraussichtlich im November stattfinden. Préval selbst darf laut Gesetz keine dritte Amtsperiode regieren.

 

In einer Stellungnahme erklärte seine Familie: "Wyclef zeigt uneingeschränkten Einsatz für seine Heimat und deren Jugend. Und er wird ihr größter Förderer bleiben, egal, ob er Teil der kommenden Regierung sein wird oder nicht....die Medien werden informiert, sobald eine Entscheidung darüber gefallen ist."

 

Erst kürzlich hatte Jean in einem Interview erklärt, dass er beabsichtige, sich bei den Wahlen im November zu engagieren - nicht aber notwendigerweise als Präsidentschaftskandidat. "Verfolge ich politische Absichten? Derzeit nein. Aber hinter mir steht eine Bewegung, die sich "Face à Face" nennt", so Jean. "Wir wollen die Jugendlichen dazu ermutigen, ihre Stimme abzugeben."

 

Gegenüber CNN gab er zumindest zu, dass er schon alle notwendigen Formulare für die Bewerbung ausgefüllt habe, denn "er könne ja nicht ewig singen". Um als Kandidat anerkannt zu werden, muss Wyclef Jean nachweisen, dass er in den fünf vergangenen Jahren seinen Wohnsitz in Haiti hatte, in dem Land Eigentum besitzt und von keiner anderen Nation die Staatsbürgerschaft erlangt hat.

 

Der 38-jährige wurde in einem Vorort der Hauptstadt Port-au-Prince geboren, verließ Haiti aber schon als Kind und wuchs im New Yorker Stadtteil Brooklyn auf. Mit seinem Cousin "Pras" Michael und Sängerin Lauryn Hill gründete er Anfang der 90er Jahre die Fugees, die mit Hits wie "Vocab", "Fu-Gee-La", "Ready or Not" und einer Coverversion von Roberta Flacks "Killing me softly" in den Charts in und außerhalb der USA vertreten waren. Praktisch für sämtliche Größen des Showbiz, von Michael Jackson bis Destiny's Child war er schon als Songschreiber tätig und sang 2006 bei der WM-Finalfeier in Deutschland mit Shakira den gemeinsamen Hit "Hips don't lie".

 

Jean besitzt weiterhin einen haitianischen Pass und dürfte sicherlich über Grund und Boden in dem ärmsten Land der westlichen Hemisphäre verfügen. Als schwieriger könnte sich der Nachweis eines ständigen Aufenthalts in Haiti herausstellen - angesichts seiner millionenschweren Villa in Saddle River, New Jersey.

 

In den vergangenen Jahren war er vor allem damit beschäftigt, Geld für seine Yele Haiti Stiftung einzusammeln. Kurz nach dem schweren Erdbeben in seiner Heimat organisierte er ein großes Benefizkonzert unter dem Titel "Hope for Haiti", bei dem unter anderem Sting, Bono, Justin Timberlake und Alicia Keys auftraten.

 

Seine Stiftung geriet jedoch wegen des Verdachts, finanziell regelwidrig agiert zu haben, ins Zwielicht. So soll sie Jean für Auftritte bei Fundraising-Veranstaltungen bezahlt und Werbezeiten bei einer Fernsehstation gekauft haben, an der Jean Anteile hält. Nachdem die Beschuldigungen hochgekommen waren, heuerte die Organisation neue Berater an.

 

Jean, der 2006 laut eigener Aussage Préval seine Stimme gegeben hatte, dürfte sich als Kandidat auf risikoreiches Terrain begeben. Die Wahlkämpfe in Haiti werden oft von Gewalt begleitet, die Ergebnisse waren in der Vergangenheit meist umstritten - der Vorwurf der Wahlfälschung lag stets in der Luft. In seinem Song "If I was president" nimmt Jean vorweg, was ihm angesichts der desolaten Lage in seiner Heimat blühen könnte, sollte er mit seiner Kandidatur Ernst machen und am Ende tatsächlich gewinnen: "Wenn ich Präsident wäre, würde ich am Freitag gewählt, am Samstag ermordet und am Sonntag begraben."

 

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Es wird erwartet, dass noch rund ein Dutzend weiterer Kandidaten bis zum Anmeldeschluss am 7. August ihren Hut in den Ring werfen. Wyclef Jean muss sich wohl darauf gefasst machen, dass ihm seine Gegner bei jeder Gelegenheit aufs Brot schmieren werden, er sei kein richtiger Haitianer, da er ja in den USA aufgewachsen sei.

 

Wer aber auch immer im November siegreich aus dem Rennen um die Präsidentschaft hervorgeht, wird mit der gigantischen Aufgabe konfrontiert sein, für den Wiederaufbau eines durch das schwere Erdbeben noch immer weitgehend verwüsteten Landes zu sorgen.

OP

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