Wuppertal-Institut-Forscher über Finanzkrise
"Stetes Wachstum nicht möglich"
Für die Umwelt bedeutet die Rezession eine Atempause. Wolfgang Sachs vom Wuppertal Institut über Ökoschulden des Finanzkapitalismus, einen deutschen New Green Deal und Wirtschaft ohne Wachstum.von Bernhard Pötter
Leserkommentare
03.02.2009 23:08 Uhr
von archimedes:
W. Sachs scheint mir weitgehend recht zu haben. Übrigens gibt es auch seit Jahren andere scharfe Kritiker, die kompetente Wirtschaftswissenschaftler sind, z.B. der Link-Kenyesianer Galbraith u.a. Trotz grundsätzlicher Infragestellung von allg. Wachstumsorthodoxie ist es sicher nicht rational bestreitbar, dass einige Branchen in mindestens den nächsten 2 Jahrzehnten fast sicher wachsen werden, v.a. viele Erneuerbare Energien. Dazu konkret ein Beispiel, warum das fast auf der Hand liegt: Vgl:
http://www.fesa.de/fileadmin/user_upload/Rundmails/Rundmail_08_2007.pdf
Zitat:
"(...) Obwohl nicht im Süden gelegen, verfügt sie [die Stadt Osnabrück] über ein gewaltiges Solarpotenzial. Dies zeigte das im vergangenen Jahr abgeschlossene Projekt „Sun-Area“, das von der Stadt angeregt und von der Fakultät für Agrarwissenschaften und Landschaftsarchitektur der Fachhochschule Osnabrück realisiert wurde. Alle Dächer der Stadt wurden vermessen und auf ihre Eignung für Solaranlagen hin untersucht.
Das Ergebnis: Der private Strombedarf der Stadt könnte komplett mit Solarstrom von heimischen Dächern gedeckt werden.
(...)
Würden alle gut bis sehr gut geeigneten Dachflächen in Osnabrück zusammen genommen, könnte fast 300 Megawattpeak Photovoltaik-Leistung aufgenommen werden. Das macht in der Summe rund 237 Millionen Kilowattstunden pro Jahr. Über 160.000 Menschen könnten so mit umweltfreundlichem Strom versorgt werden.
(...)"
Ein zweites Beispiel: Schon mit Bohrungen von weniger als 14 m Tiefe heute sowohl für Kühlung im Sommer, als auch für Heizunterstützung im Winter sehr effektive Erdwärmetauschsonden
http://de.youtube.com/watch?v=PqRbno30Q5o
beziehungsweise http://www.trust-energy.de
Es kommt also auch auf die Qualität des Wachstums an. Zugleich ist und bleibt ein anderer Faktor ein langfristiges Problem jeder gerechten Gesellschaft, und das sage ich, obwohl ich keineswegs so etwas wie ein orthodoxer Marxist bin: Jede extreme Kapitalakkumulation.
Sie untergräbt jeden Versuch einigermaßen gleiche reale Chancen für ein gutes Leben, bzw. für annähernd gleiche Freiheit aller Menschen - auch zukünftiger Generationen. Sie ist zugleich insofern genuin anti-demokratisch, als Kapital mit Macht verbunden ist, und extrem ungleiche Machtverteilung extrem undemokratisch ist (es gibt natürlich auch andere Macht-Faktoren, die von Marxisten, Maoisten etc. dann schnell vergessen werden).
02.02.2009 12:22 Uhr
von gut-energie:
Schade, dass Wolfgang Sachs die Wärmepumpe in einem Atemzug mit PV, Solarwärme und Wärme-Kraft-Kopplung plus Nahwärme nennt.
Fakt ist. Gerade die wachstumshungrige Stromwirtschaft hat immer wieder versucht, die Wärmepumpe (WP) durchzuboxen, gegenwärtig sogar mit zunehmendem Erfolg! Nicht zuletzt weil sich viele ökologisch denkende Verbraucher einwickeln lassen mit der geschickten aber nicht desto weniger falschen Slogan - billig mit Umweltwärme heizen.
Der zusätzliche Stromverbrauch fällt dabei aber ziemlich unter den Tisch!
Im gleichen Atemzug wurden der Kraft-Wärme-Kopplung jahrzehntelang Knüppel zwischen die Beine geworfen, so dass es bis heut außer dem überteuertem Dachs etc. die nur in teuerer Handarbeit-Kleinstserie produziert werden kein kostengünstiges Großseriengerät dieser Art für die Millionen von Einfamilienhäuser und ZFH gibt
Warum? Damit könnten aber Millionen von Heizkessel ersetzt werden wie auch ganze Kraftwerke. Bereits vor 30 Jahren habe ich dazu mit Robert Jungk bereits einmal den Slogan geprägt „KWK statt KKW“ und von der Autoindustrie den Bau kleinster Kraft-Wärme-Kopplungs (KWK) Heizungen in kostengünstiger Großserie gefordert – vergebens bis heute!
Im Vergleich damit kann die WP nur dritte Wahl sein solange in Deutschland beim Stromerzeugen mehr Wärme abfällt als das ganze Land zum Heizen braucht". Es gilt nach wie vor der Slogan: Kraftwerke in die Keller! Nur so kann diese vorhandene (Ab)Wärme sinnvoll und weit mehr angezapft werden als die bisher in beschränktem Rahmen mit Fern- und Nahwärmenetzen bereits erfolgt oder noch ausgeweitet werden kann. Der massive Einsatz der WP schadet hier ökologisch, denn die WP brauchen zusätzlich Strom und zwar gerade im Winter wenn PV nichts mehr bringt und Windanlagen nicht stetig produzieren. Faktisch erhöhen WP also den Bedarf an fossilen Brennstoffen für Kraftwerke die in der Winterspitze noch mehr leisten müssen - für die WPS. Auch Kraftwerkeszubau wird hierdurch verursacht, vielleicht gar mit Kohleeinsatz!
In den meisten Fällen wäre es sinnvoller, in den Häusern, die nicht mit Nah- oder Fernwärme aus größeren BHKWs versorgt werden können Mikro-BHKWs zu installieren an Stelle von Wärmepumpen! Die Mikro-BHKWs könnten in großer Zahl von der schwächelnden Autoindustrie günstig zum Preis eines Heizkessels produziert werden.
Allemal besser als durch Ankurbelungsprogramme die Produktion von Spritschluckern und Promenaden-Jeeps wie den Cayenne und Co zu fördern.
Hier sollte auch das Wuppertal-Institut mal deutlicher Stellung beziehen und fragen warum niemand solche Kleinstaggregate in Serie produziert - ausser Honda. Leider verkauft HONDA solche Geräte in Deutschland nicht - aus fadenscheinigen Gründen (Anderes Gas, andere Bestimmungen). In Japan, wie man hört, sollen schon nahezu 100.000 Stück für um die 3-4.000 Euro in Betrieb sein.
01.02.2009 18:23 Uhr
von grenzsprengung:
@ BoManni:
Doch, die Ideologieträger grenzenlosen Wachstums haben "Die Grenzen des Wachstums" tatsächlich gelesen - oder zumindest das was daraus von Gesinnungsfreunden genüsslich zitiert wird: Dass die "Prognosen" der "Grenzen des Wachstums" doch nicht so genau eingetroffen seien (dabei ging es dort nur um Szenarien), weshalb die ganze Wachstumsgrenzpanikmache quatsch sei. Für die ist damit klar: Wir können unbesorgt unbegrenzt weiter wachsen!
01.02.2009 17:31 Uhr
von BoManni:
Ob das nochmal was wird? Es war wohl 1972 als "Die Grenzen des Wachstums" veröffentlicht wurden.
Was haben unsere Entscheidungsträger daraus gelernt (falls sie das Buch überhaupt kennen)?
Neben dem Glauben an grenzenloses Wachstum zeichnet die Führungskräfte (mind. 99,99% davon) der letzten Jahrzehnte nur eines aus: ebenso grenzenlose Selbstüberschätzung!!