• 15.09.2009

Workshop über Schönschrift

Die Kunst, schreiben zu lernen

Ute Andresen sieht Schönschreiben als den elementaren Lernvorgang an – ästhetisch, kognitiv und erzieherisch. Viele Schüler halten zu Hause den Stift falsch.von Christian Füller

  • 16.09.2009 15:56 Uhr

    von iacobson:

    @Besserwisser:
    es tut mir leid, aber bei der aeusserung, schoenschrift sei nicht so wichtig, um etwas zu erreichen, aber rechtschreibung muesse sitzen, faellt mir nur eins ein: *lol*

    ich kann mich nur Axel Dorken anschliessen: es ist einzig und allein der inhalt wichtig - zugegeben: er muss natuerlich durch schrift erkennbar und durch orthographie verstaendlich sein, aber dazu muss ich kein calligraph und duden sein.

    klingt ia echt schoen, eines kindes, das spass an schoenschrift hat, schreiblern-arbeit als kunstwerk zu wuerdigen, aber es ist einfach nur eine qual fuer iedes andere. :(

  • 16.09.2009 10:59 Uhr

    von Besserwisser:

    Inhaltlich pflichte ich Rod Sanchez durchaus bei, auch wenn ich hoffe, dass uns biometrische Scanner und ähnlicher Kram noch lange erspart bleiben.
    Aber fast jeder Arzt und Gymnasial-Lehrer beweist doch täglich, dass es auch ohne schöne Schrift möglich ist, irgendwie erfolgreich zu werden.
    Ich denke, viel wichtiger als die schöne Handschrift ist es, dass Kinder ein Gespür für die Sprache entwickeln und - auch wenn das sicher in Frontal-Unterricht mündet - Rechtschreibung und Grammatik lernen. Wenn ich mir die Hausarbeiten und sonstigen Ergüsse einiger Studenten so ansehe, ist es erschütternd zu sehen, wie gravierend dort teilweise die Lücken sind. Auch (oder gerade?!) beim durchschnittsdeutschen 08/15-Vorzeige-Abiturienten...

  • 16.09.2009 10:04 Uhr

    von Einstein jun.:

    Auch für mich gibt es ein ähnlich traumatisches Erlebnis mit Schönschreiben: gerade hatte ich mit 6 Jahren im Schönschreibunterricht die Heisenberg'sche Unschärferelation widerlegt, als mein Füller kratzte. Daraufhin schmierte ich ein, zwei Zeilen lang. Meine Lehrerin war so erbost, dass sie mir mit dem Lineal auf die Finger schlug, dabei eine Sehne verletzte und so jäh meine Jungpianistenkarriere beendete.
    Mir bleibt heute nichts anderes, als diesen Text einer Schreibsoftware zu diktieren, da ich nie Tippen lernte.
    Meine Kreativität ist zerstört, mein Leben sinnlos. Zum Glück habe ich noch meinen Computer.

  • 16.09.2009 09:17 Uhr

    von Axel Dörken:

    Na, da habe ich mehr Tiefgang erwartet, als ich die Überschrift las.

    Habe ich die Aussage korrekt verstanden? Hauptsache schön?

    Wie wäre es noch mit:
    Hauptsache angepasst?
    Hauptsache zustimmen?
    Hauptsache schneller, größer weiter, etc?

    Meine Philosophie ist eine andere:
    Hauptsache der Inhalt kommt rüber.

    Ich habe ´ne Sauklaue. Und würde es keine automatische Rechtschreibprüfung geben, würden noch viel mehr Fehler in meinen mit der Tastatur geschriebenen Texten vorkommen, da ich nie das genügende Interesse hatte auch mit Tastenschreiben fehlerfrei zu schreiben. Und das, obwohl ich in der Schule im Diktat meißt ein sehr gut hatte.
    Doch schon in der Schule hat mir die Note für "Schrift" den Schnitt versaut. Im Abschluss hätt ich ´ne 1,9 gehabt. Ohne sie. So hatte ich ´ne 2.

    Leute achtet bitte darauf, dass ihr nicht weiter, sinnbildlich, die Beine eurer Kinder brechen lasst, damit sie angepasst sind!

    Im Klartext: Anstatt sich über ihre Eigenarten zu ärgern, freut euch über ihre Einzigartigkeit. Jeder hat seine Macken. Und jeder hat ein Recht darauf, sie zu behalten.

    Schöne Schrift... Ich hoffe, ich habe mich verlesen.

    Liebe Grüße
    Axel

  • 16.09.2009 08:11 Uhr

    von Rod Sanchez:

    Der Schreibunterricht ist eines meiner schlimmsten Kindheits-Traumata. Ähnlich einer Folter wurden wir in der Schule zum Stillsitzen gezwungen. Und dann sollten wir Buchstaben abmalen. An und für sich eine schöne Beschäftigung. Aber das reichte unserer Lehrerin nicht, dass wir schreiben lernten. Es mußte vor allem unter großem Druck gelernt werden. Zeitdruck und Vergleichsdruck - wobei es nicht unbedingt darauf ankam wirklich schön zu schreiben, sondern so, wie es der Lehrerin gefiel. Und es kam überhaupt nur auf das stupide Schreiben an. Andere Leistungen wie enorme Gedächtnisleistungen, dass ich z. B. die gesamten Tafelanschriebe beim ersten Lesen nachhaltig auswendig wußte und so überhaupt keine Notwendigkeit zum Schreiben hatte interessierte niemanden. Wie ich später in meinen Unterlagen herausfand kam ich in der Grundschule von selbst auf den Gauss-Algorithmus. Meine Lehrerin zerknüllte das Blatt, weil es "nicht schön geschrieben" war.
    Wahre kreative Leistungen in Mathematik, Sprache usw. wurden durch das stupide Stillsitzen und Schönschreiben unter Zeitdruck abgetötet. Gelobt wurde wer schön geschrieben hat, nicht wer wirklich intellektuelle und/oder kreative Leistungen vollbrachte.

    Heute ist Handschrift sowieso überflüssig. Diesen Text diktiere ich beispielsweise einfach der Spracherkennung auf meinem Debian-Computer. Emails unterschreibe ich mit einer digitalen Signatur, meine Idendität beweise ich durch einen Scan an Scannern für Fingerabdrücke, sobald es Ausweise mit biometrischen Daten gibt wird auch das handschriftliche Unterschreiben von Dokumenten redundant sein - ein Überbleibsel aus dem Mittelalter.

    Schönschrift ist nur ein Mittel, um Kinder zu quälen, ihre natürliche Kreativetät und Bewegungsfreude abzutöten und sie zu dem zu machen was die Wirtschaft haben will: Stumme Befehlsempfänger, welche Arbeitsanweisungen ohne groß nachzudenken schnell ausführen. Nicht die eigene Kreativität, sondern das stupide kopierende Abmalen irgendwelcher Buchstaben zählen. Das stupide Stillsitzen und monotone Üben der immergleichen Buchstaben unter Zeitdruck bereitet Kinder bestens auf den Produktionsalltag oder stupide wie monotone Callcenterjobs vor.

Ihr Name (wird angezeigt):*

Email (wird nicht angezeigt):*

Kommentar* - bitte beachten Sie unsere Netiquette:

Bitte geben Sie hier das Wort ein, das im Bild angezeigt wird. Dies dient der Spamvermeidung Wenn Sie das Wort nicht lesen konnten, bitte hier klicken.

CAPTCHA Bild zum Spamschutz

Wenn Sie auf "Abschicken" klicken, wird ihr Kommentar ohne weitere Bestätigung an taz.de verschickt. Er wird veröffentlicht, sobald einRedakteur ihn freigeschaltet hat. taz.de behält sich vor, beleidigende, rassistische oder aus ähnlichen Gründen unangemessene Beiträge nicht zu publizieren.

*Pflichtfelder