• 17.06.2008

Wir Kinder der 68er

Die unmögliche Rebellion

Ihre Augen leuchten, wenn sie von der Revolution erzählen. Bügerlich erzogen haben uns die 68er trotzdem. Was bleibt uns, ihren Töchtern und Söhnen, zur Abgrenzung?von Nina Pauer

  • 20.02.2012 03:33 Uhr

    von Arnold Schunck:

    Die AutorIn meint offenbar, anders als die 68-er wäre es der heutigen Kindergeneration unmöglich sich gegen die Elterngeneration aufzulehnen, denn die wären doch achso OK gwesen. Dann will ich dir doch sagen: mir ging es auch so, und ich war und bin mächtige stolz auf mene Eltern. Und doch bin ich ein alter 68-er. Meine Eltern waren im Krieg im niederländischen Widerstand gegen die Nazis aktiv, haben Juden und alliierte Piloten versteckt. Sie haben mich aktiv dabei unterstützt, als ich amerikanischen Wehrpflichtigen geholfen habe, nach Frankreich oder Schweden zu desertieren. Und jetzt erzähle mir nicht, uns Kindergeneration bliebe bei so netten Eltern als Reaktion nur der Rückzug ins Spießertum. Nachher fängst du noch an, mir übel zu nehmen, wenn ich stolz bin auf einen Sohn, weil er containert!
    Viele Grüße von einem Tattergreis, der aus dem Staunen nicht mehr raus kommt,
    Nöll

  • 22.06.2008 10:39 Uhr

    von bert:

    Bevor du uns nächstes Mal mit deinem gefälligen NEON-Gesäusel und dem Esprit einer altklugen 11-Jährigen Zeile um Zeile beweist, dass dir der Blick auf die Konflikte in dieser Welt anscheinend nicht möglich ist, kannst du dir ja vielleicht mal folgende Anmerkungen zu Herzen nehmen:

    1. es besteht kein unbedingter Zusammenhang zwischen Text-Länge und Text-Inhalt.

    2. mit Klischees und permanentem Verallgemeinerungen schaffst du keine neuen Wahrheiten, auch nicht, wenn du in jeden Satz ein großes Beweis-"WIR" einflechtest.

    3. "Linke Radikalität" steht für mehr, als dein Galao-getrübter Blick über die Rote Flora zu erkennen in der Lage ist (und "Steineschmeißer" ist ein Jargon, mit dem du bei einer ganz anderen Zeitung Karriere machen solltest)

    4. Bloß weil du nach eigener Aussage keine Nicht-Gymnasiasten kennst, heißt das nicht, das sie nicht existieren - das gilt übrigens auch (und jetzt aufgemerkt!) für HartzIV-Empfänger, Abschiebehäftlinge und unter der Armutsgrenze lebende Kinder sowie z.b. für Neonazis, prügelnde Polizisten und BigBrother-Innenminister (und die damit einhergehenden mannigfaltigen Möglichkeiten zur ernsthaften Auflehnung).

    Auch deshalb liegt zwischen deiner ignoranten Mittelstands-Weltfremdheit und Marie-Antonettes "Sollen sie doch Kuchen essen"-Ausruf wirklich nur eine Tortenwurf-Breite.

  • 18.06.2008 12:04 Uhr

    von Markus:

    Klingt so, als ob der Autor ein wenig gelangweilt ist und sich beschwert, dass nichts neues passiert. Ich hab eher das Gefühl, dass aktuell unsere Generation viel mehr Revolution erlebt, als vor 40 Jahren. Das Netz und die ständig neuen Technologien erlauben viel mehr Entdeckung von Neuland und die Ausweitung von Grenzen als man es früher erträumt hat. Aber man muss es nur versuchen. Da gibts mehr zu entdecken als SMS und Skype.

  • 18.06.2008 00:54 Uhr

    von Yadgar:

    Zu einer erfolgreichen Rebellion gegen die Elterngeneration bedarf es auch einer psychischen Robustheit (um nicht zu sagen Härte), einer Egomanie und Bedenkenlosigkeit, wie sie auch damals (also 1968ff) nicht jeder aufbringen konnte. Die Autorin täuscht sich, wenn sie sich das Revoltieren als coole Fun-Veranstaltung vorstellt - wie viele damals (und auch noch deutlich später, es gab auch in den 80er Jahren noch kulturell zurückgebliebene familiale Milieus, in denen jegliche Regung von Individualität und Phantasie niedergeknüppelt wurde!) Jungen sind mit ihrer Revolte gescheitert, auf halber Strecke oder schon im ersten Ansatz an der Borniertheit oder sogar Grausamkeit des Establishments, vom eigenen Vater bis zum von der Schulleitung bestellten Amtspsychiater, zerschellt sind?

    Die Erinnerungsliteratur erzählt weithin nur die Geschichte der erfolgreichen Revolten, so mit Kifferkommune in besetzten Häusern, gürtellangen Hippiematten, Putztrupp-Aktionen à la Joschka, jahrelangen Überlandtrips nach Kabul, Goa und Katmandu, anschließendem selbstverwalteten Alternativprojekt und schließlich Etablierung im Milieu der "postmateriellen Dienstleister", luxussanierte Stuckdecken-Altbauwohnung in Frankfurt-Bockenheim, der unvermeidliche Volvo, das Landhaus in der Toskana und die trockenen Designer-Weißweine inklusive...

    Von denen, die das alles nicht schafften, weil es - trotz aller Sehnsucht nach dem Aus- und Aufbruch ins große wilde alternative Leben - entweder die Schichtzugehörigkeit der Eltern und/oder die eigene Persönlichkeitsstruktur nicht hergaben oder man einfach nie zur richtigen Zeit die richtigen Leute kannte (ein Faktor, der bei der glorifizierenden Rückschau gerne unterschätzt wird!)... von den sicherlich nicht wenigen Revolte-Versuchen, die bestenfalls doch nur in einer unspektakulären Normalo-Existenz mit Opel Kadett, Eichenschrankwand und Heimorgel, schlimmstenfalls auf der Langzeitstation eines Landeskrankenhauses mit Haldol und Hartz IV endeten, wie auch den damit einhergehenden seelischen Verwundungen hört und liest man so gut wie nie!

  • 17.06.2008 17:49 Uhr

    von Bruno:

    Auch in der 68er Aufarbeitung interessieren nur die Promi - Stories. Die Außenseiter-und Unterschichtengeschichten gibt's natürlich zu Hauf, weil nicht alle Leute schon im Hintergrund wohlhabende Elternhäuser hatten. Sehr viele von denen, die trotz akademischer Ausbildung und aller möglichen Karrierechancen kosequent geblieben sind, müssen leider inzwischen, da ja keine Erbschaft vorhanden ist,im diffamierten Hartz IV Armutssumpf dahin dümpeln. Aber wer interessiert sich schon für diese Spinner. Ich kann ein Lied davon singen.

  • 17.06.2008 16:17 Uhr

    von Lehrertochter:

    Also ich finde meine Eltern und mich hier absolut wieder - ein Großteil der 68er sind eben keine Radikalen der allerersten Reihe gewesen und deshalb relativ schmerzfrei ins pädagogisch ambitionierte Akademikerleben gerutscht.

  • 17.06.2008 14:59 Uhr

    von Hoschi:

    Ich muss Eisvogel recht geben. Hier wurde echt ein Nachmittagsfernsehen taugliches Beispiel gefunden. Was würden diese Eltern machen, wenn ihre Kinder, vieleicht auch aus Rebellion, Nazis werden? Oder wenn es nicht bei ein paar mal Joint rauchen bleibt, sondern andere, 68er untypische Drogen wie Koks oder XTC von den Kids genommen werden? Oder wenn die Kinder gar kein Bock auf diese Wald- und Wiesen-Romantik haben und einfach konsumgeile Jugendliche werden und FDP wählen.

  • 17.06.2008 14:39 Uhr

    von Horst Ostendorf:

    Langweilig, frustiert und demoralisiert, daß liegt an der leichtfertigen Kompromissbereitschaft, zu Kreuzchen auf dem Blankoscheck, Kapitulation vor dem geistigen Stillstand in Wettbewerb, Hierarchie von materialistischer "Absicherung" und Bildung zu Suppenkaspermentalität.

    Eine bessere / wahrhaftigere Welt- und Werteordnung als die der "Demokratie" in "freiheitlicher" Marktwirtschaft für das "Individualbewußtsein" gibt es nicht? Doch, aber das ist eine Frage wieviel Potenzial für Bewußtseinsentwicklung ausserhalb des systemrationalen Kommunikationsmülls / geistigen Stillstandes noch abrufbar ist!

  • 17.06.2008 11:06 Uhr

    von werner liefen:

    wenn du frustrierst bist und dir langweilig ist - liegt das dann an deinen weichbärtigen 68er-eltern? fürn bisschen action musst du schon selber sorgen...

  • 17.06.2008 10:59 Uhr

    von Eisvogel:

    Nun sind ja nicht alle 68er-Eltern solche ZDF-Doku-tauglichen Musterexemplare mit Happy End im Gutverdienermilieu.

    Abgesehen davon, daß letzteres dann wohl doch auf bürgerliche Alltagsfertigkeiten (...und den spießigen Bausparvertrag von Oma?) zurückgegriffen haben, als es darum ging tolle Selbstverwirklihcerjobs abzugreifen, die letzten billigen Resthöfe aufzukaufen und dergleichen mehr.

    Früher Provo, heute Prof, da sehe ich viel eher einen "Nachmacher", setzt es doch voraus daß man sich zwar in der Pose (und in Gesellschaft williger junger Damen?) gefiel, aber die Inhalte nicht so weit an sich heran gelassen hat daß man wirklich auf Karriere, Geld und Volvo verzichtet hätte.

    Und was ist eigentlich mit den ganzen gestrandeten, gescheiterten, denen die keinen Weg zurück gefunden haben in der Auflösung all ihrer bisherigen Prägungen? Und deren Kindern? Oder die die wirklich radikal geworden (sprich: es geblieben) sind?

    Das wäre mal eine spannendere Geschichte, aber auch eine im weitesten Sinne: Außenseiter- und Unterschichtenstory, weil nicht im letztlich doch erfolgreichen Akademikermilieu angesiedelt. Aber sowas hat Deutschland noch nie klar gesehen.

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