Die Zeitsoldaten sind mit dem Minister über die Aussetzung des Zwangsdiensts einig. Die Wehrpflichtigen und Teile der Union sehen das anders.von Karin Schädler
Der erste Abschnitt des Artikels suggeriert, dass die große Mehrheit der Wehrpflichtigen offenbar für die Beibehaltung des Zwangsdienstes ist. Einer derartigen Auffassung ist zu widersprechen. Durch den Wehr- und Zivildienst entstehen den jungen Männern meist große finanzielle Einbußen. Diese ergeben sich unter anderem dadurch, dass die Wehrpflicht zum Verlust von bis zu einem Jahresgehalt (einige Studiengänge können nur im Wintersemester begonnen werden) führt. Verbunden ist damit ein entsprechender Ausfall an Kaufkraft, Steuern und Sozialabgaben. Verloren geht nicht nur das niedrige erste, sondern auch das erheblich höhere letzte Jahreseinkommen. Die Mindereinnahmen der Wehrpflichtigen belaufen sich auf bis zu 90000 Euro, entgangene Ansprüche gegen Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung mit eingerechnet Im Rahmen meiner arbeitsmedizinischen Tätigkeit betreue ich viele Einrichtungen, in welchen Zivildienstleistende eingesetzt sind. Immer wieder kommt es vor, dass diese nicht nur aus bestehenden Arbeitsverhältnissen herausgerissen werden, sondern dass etliche von ihnen aufgrund des Pflichtdienstes ihren Arbeitsplatz verlieren. Da in der heutigen Zeit viele Arbeitsverträge zunächst befristet sind, kann es zu Kündigungen kommen, wenn Firmen die vakanten Stellen dringend neu besetzen müssen. Aus derartigen Erfahrungen resultieren im Allgemeinen nicht Verbundenheit und Sympathie mit dem Staat, sondern fast immer Antipathie, Aversion und Aggression. Zunehmend beklagen sich junge Männer über die Musterungspraktiken in den zuständigen Kreiswehrersatzämtern. Dort arbeiten mittlerweile überwiegend Ärztinnen, das Assistenzpersonal ist fast zu 100% weiblich. Relativ häufig berichten mir die Probanden, dass sie während der gesamten Untersuchung vollständig unbekleidet sind und dass die Prozedur oft ohne Sichtschutz in Anwesenheit der Schreibkräfte durchgeführt wird. Etliche der betroffenen Männer fühlen sich hierdurch in ihrer Menschenwürde verletzt. Zu diesem Problemkomplex ist im Übrigen kürzlich das sehr lesenswerte Buch "Musterung - Staatlich legitimierte Perversion" von Lars G. Petersson erschienen (siehe unter www.musterung.us). Es wäre zu klären, wie viele Wehr- und Zivildienstleistende Frau Schädler befragt hat und ob die getroffene Auswahl ein wirklich aussagekräftiges und repräsentatives Meinungsspektrum darstellt.
29.07.2010 06:45 Uhr
von vic:
""Hier lernen wir Disziplin und Kameradschaft." Ein anderer Rekrut meint, es sei wichtig, für das "Vaterland" einzustehen."
Meine Güte, was hat man denn da für Komiker aufgestellt?
28.07.2010 17:18 Uhr
von Andreas:
Man fragt sich immer, wo man solche Wehrpflichtigen noch trifft, die tatsächlich die Wehrpflicht gutheißen. Ist das jetzt Gehirnwäsche oder ist da etwas grundsätzliches schief gegangen. Man möge Ihnen antworten, dass sie dann ja freiwillig zur Bundeswehr gehen können und bittesehr nicht der Diskriminierung des eigenen Geschlechtes das Wort reden sollen. Ganz schön peinlich, aber wohl kaum die Meinung aller Zwangsverpflichteten. Oder sollten die Intelligenten inzwischen tatsächlich alle die Zwangsdienste vermeiden können?
Leserkommentare
05.08.2010 17:18 Uhr
von Stephan53:
Der erste Abschnitt des Artikels suggeriert, dass die große Mehrheit der Wehrpflichtigen offenbar für die Beibehaltung des Zwangsdienstes ist. Einer derartigen Auffassung ist zu widersprechen.
Durch den Wehr- und Zivildienst entstehen den jungen Männern meist große finanzielle Einbußen. Diese ergeben sich unter anderem dadurch, dass die Wehrpflicht zum Verlust von bis zu einem Jahresgehalt (einige Studiengänge können nur im Wintersemester begonnen werden) führt. Verbunden ist damit ein entsprechender Ausfall an Kaufkraft, Steuern und Sozialabgaben. Verloren geht nicht nur das niedrige erste, sondern auch das erheblich höhere letzte Jahreseinkommen. Die Mindereinnahmen der Wehrpflichtigen belaufen sich auf bis zu 90000 Euro, entgangene Ansprüche gegen Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung mit eingerechnet
Im Rahmen meiner arbeitsmedizinischen Tätigkeit betreue ich viele Einrichtungen, in welchen Zivildienstleistende eingesetzt sind. Immer wieder kommt es vor, dass diese nicht nur aus bestehenden Arbeitsverhältnissen herausgerissen werden, sondern dass etliche von ihnen aufgrund des Pflichtdienstes ihren Arbeitsplatz verlieren. Da in der heutigen Zeit viele Arbeitsverträge zunächst befristet sind, kann es zu Kündigungen kommen, wenn Firmen die vakanten Stellen dringend neu besetzen müssen. Aus derartigen Erfahrungen resultieren im Allgemeinen nicht Verbundenheit und Sympathie mit dem Staat, sondern fast immer Antipathie, Aversion und Aggression.
Zunehmend beklagen sich junge Männer über die Musterungspraktiken in den zuständigen Kreiswehrersatzämtern. Dort arbeiten mittlerweile überwiegend Ärztinnen, das Assistenzpersonal ist fast zu 100% weiblich. Relativ häufig berichten mir die Probanden, dass sie während der gesamten Untersuchung vollständig unbekleidet sind und dass die Prozedur oft ohne Sichtschutz in Anwesenheit der Schreibkräfte durchgeführt wird. Etliche der betroffenen Männer fühlen sich hierdurch in ihrer Menschenwürde verletzt. Zu diesem Problemkomplex ist im Übrigen kürzlich das sehr lesenswerte Buch "Musterung - Staatlich legitimierte Perversion" von Lars G. Petersson erschienen (siehe unter www.musterung.us).
Es wäre zu klären, wie viele Wehr- und Zivildienstleistende Frau Schädler befragt hat und ob die getroffene Auswahl ein wirklich aussagekräftiges und repräsentatives Meinungsspektrum darstellt.
29.07.2010 06:45 Uhr
von vic:
""Hier lernen wir Disziplin und Kameradschaft." Ein anderer Rekrut meint, es sei wichtig, für das "Vaterland" einzustehen."
Meine Güte, was hat man denn da für Komiker aufgestellt?
28.07.2010 17:18 Uhr
von Andreas:
Man fragt sich immer, wo man solche Wehrpflichtigen noch trifft, die tatsächlich die Wehrpflicht gutheißen. Ist das jetzt Gehirnwäsche oder ist da etwas grundsätzliches schief gegangen. Man möge Ihnen antworten, dass sie dann ja freiwillig zur Bundeswehr gehen können und bittesehr nicht der Diskriminierung des eigenen Geschlechtes das Wort reden sollen. Ganz schön peinlich, aber wohl kaum die Meinung aller Zwangsverpflichteten. Oder sollten die Intelligenten inzwischen tatsächlich alle die Zwangsdienste vermeiden können?