Wehrbeauftragter über Soldaten-Betreuung
"Wir brauchen mehr Frontkultur"
Wer Soldaten in den Kampf schickt, muss sie auch betreuen. Reinhold Robbe über die Verzögerung beim Traumazentrum für Soldaten, Zoobesuche und Karl-Valentin-Abende in Masar-i-Scharif.von A. Geisler & E. Chauvistré
Leserkommentare
10.05.2010 20:14 Uhr
von hanfbauer:
zur Ehre von Karl Valentin, der sich nicht mehr wehren kann, ein kurzes Zitat aus "Vater und Sohn über den Krieg":
...
SOHN: Aber Vata, wenn das so ist, wie du mir das alles erklärst, gibt es ja niemals einen ewigen Frieden auf der Welt.
VATER: Niemals - deshalb heißt es ja doch: Solange es Menschen gibt, gibt es Kriege.
SOHN: Menschen? Nein, Vata - in dem Fall müßte es heißen: Solange es Arbeiter gibt, gibt es Kriege.
VATER: Nein, es muß heißen, solange es solche Schwindler gibt, die die Arbeiter immer wieder anschwindeln, solange gibt es Kriege.
SOHN: Dann ist ja der Schwindel schuld an den Kriegen.
VATER: Ja, so ist es - und diesen Schwindel heißt man internationalen Kapitalismus.
...
10.05.2010 06:20 Uhr
von freidenker:
Kein Wunder können die nicht kämpfen, wenn die alle auf Peter Maffay stehen.
Wer so blöd ist, sich als Soldat zu verdingen ist selbst schuld.
Oh Entschuldigung natürlich gilt das auch für unsere Sodatinnen.
08.05.2010 15:54 Uhr
von asd:
zunächsteinmal ist es kein kriegi n afganistahn.. sondern eine durch militärische gewalt getragene besetzung, der sich gewisse gruppen wiedersetzen.
" was es bedeutet, wenn der Bundestag einen solchen Einsatz beschließt."
es bedeutet im klartext das wir als volk von einer obrigkeit regiert werden, die macht geht NICHT vom volk aus.
"Ich fordere keine Unterstützung für irgendwelche Mandate. Es geht mir nur darum, dass die Gesellschaft zumindest zur Kenntnis nimmt, was die Soldaten im Einsatz durchzustehen haben."
es zweifelt niemand an das die soldaten schwere verhältnisse durchstehen müssen. trotzdem ist der einsatz NICHT ZU RECHTFERTIGEN!
das wir sie da hin schiken ist eine schande! und das sollte betohnt werden.
"In der gesamten kulturellen und wissenschaftlichen Elite unseres Landes finden Sie kaum jemanden, der sich ernsthaft mit der Bundeswehr befasst."
vielleicht auch weil niemand von diesen elitären kreisen.. und da zählen noch die wirtschaftlichen industriellen und allgemein gesellschaftlichen eliten dazu.. real etwas mit dem krieg zu tuhen hat.
der durchschnittssoldat der an der "front" steht komt nuneinmal aus den unterschichten!
08.05.2010 13:05 Uhr
von Rekrut:
ha und da versucht der gute mann tatsaechlich zu behaupten, es ginge nicht um die militarisierung der gesellschaft. die bundeswehr als normaler job, dann als arme soldaten die ilfe benoetigen...
brot und spiele damit die soldaten dann das elend des krieges vergessen koennen. so ein scheiss!
und ja ich wuerde die freien tickets den hartz 4 familien geben und nicht den soldaten! und man mag mir jetzt alle moeglichen vorwuerfe machen, doch als ueberzeugter pazifist und kriegsdienstverweigerer, sehe ich es als jederman(n)s freie entscheidung, sich fuer so einen job zu entscheiden.
warum wird die diskussion nicht ueber feuerwehrleute gefuert?
aber darum gehts nicht, und damit muss ich zu meinem ersten punkt zurueck kommen. die bundeswehr ist inzwischen eine angriffsarmee und als solche braucht sie, sich verpflichtende langzeit soldaten. und wie bekommt man die? eben mit lukrativen angeboten und wenn dazu theater und kinoaffuerungen punkten koennen warum also nicht einbeziehen.
recht gebe ich ihm aber in einem punkt, offenheit ist laengst ueberfaellig, offiziell duerfte die bundeswehr zb immer noch keine angriffskriege fuehren, nur interessiert das keinen mehr. da wird dann von aufbauarbeiten gefaselt und von hilfsoperationen, naja der buerger schluckts
08.05.2010 08:13 Uhr
von Josef Riga:
Ach, Herr Robbe,
robustester aller Eingesetzten. Wir sollen uns also an das Elend von Verstümmelten und seelisch verletzten Soldaten gewöhnen, den "bei den Amerikanern kommen auch 30 Prozent" als ... ja als was denn, bitteschön, zurück?
Als tickende menschliche Zeitbomben, würde ich mal sagen, kommen sie in die Zivilgesellschaft, die sie angeblich am Hindukusch verteidigen, zurück. Der erste Bundewehr-amoklauf ist schon vorprogrammiert, aber das ist dann natürlich kein "Terrorismus", sondern ein bedauerlicher Ausraster, denn " auch im Zivilleben geht ja keiner gern zum Psychater". Richtig, Herr Robbe, weil man nämlich lieber gesund ist. Und gesund kann man nicht sein, wenn man dauernd eine Waffe auf seine Mitmenschen (z.B. Taliban) richtet. Oder sogar abdrücken muss. Ihre Politik macht krank. Und sie werden nicht gewinnen!
07.05.2010 16:55 Uhr
von tuchol:
valentin-abende in mazar-e-sharif, geht-s noch geschmackvoller? dem ort, wo durch afghanische warlords unter aufsicht der us-friedensfreunde nach jaime durans recherchen mindestens ca 1000 in lastwagen eingesperrte taliban brutal abgeknallt wurden?
was würde karl valentin zu seinem sozusagen "robusten einsatz" in einem neokolonialaen krieg sagen?
wie kulturgepflegt auch die sprache des interv iewenden taz-lers mit seiner frage nach "intellektueller frischluft" für die soldaten!
zwei prächtige vertreter der deutschen leitkultur, gratuliere!
nach lektüre dieses kriegs-unkritischen und kultur- mißbrauch fördernden interviews braucht man dringend frischluft. man kann sich immer besser vorstellen, warum das seinerzeit mit der goebbelschen "kulturarbeit" an der front so famos geklappt hat und ein grauen ergreift einen, daß wir schon wieder ein schlimmes stück auf dem wege zu ähnlichem zurückgelegt haben.
07.05.2010 16:26 Uhr
von Peter A. Weber:
Frontkultur
Frontkultur - welch ein Euphemisus - zumindest in Hinsicht auf den Begriff Kultur! Was hat ein sinnloser Krieg mit Kultur zu tun - er stellt das Gegenteil nämlich Barbarei dar.
Wie will man junge Soldaten betreuen, ihr Gewissen beruhigen und ihnen einen Sinn in ihrer Tätigkeit verleihen? Ein sinnentfremdetes und mörderisches Tun kann nur mit chauvinistischen und nationalistischen Parolen vernebelt werdedn und indem man gleichzeitig einseitig machtpolitisch- oder kapitalorientierte Feindbilder in die Welt setzt. Ordensverleihungen und Heldenbilder werden wieder aus der Mottenkiste geholt. Wenn Herr Robbe ehrlich wäre, müßte er zugeben, daß er sich vor den Karren imperialistischer Interessen spannen läßt.
07.05.2010 15:44 Uhr
von gerhard:
"Wir brauchen mehr Frontkultur?"
Der alte Fachausdruck dafür heißt aber "Truppenbetreuung" und gleich noch eine aus dem Gedächtnis zu schüttelnde Assoziation dazu - Der berühmte UFA Film Wunschkonzert mit Ilse Werner, Heinz Rühman usw.- Zeiten waren das!
Ist es aber das, was den Wehrbeauftragten Heinz Robbe über Karl-Valentin-Abende in Masar-i-Scharif heute bewegt, wenn er sagt : "Mir geht es aber auch darum, ganz konkret mehr Zuwendung für die Soldaten zu organisieren."
Um mit den Worten des Wehrbeauftragten fortzufahren, heißt es weiter:
:"...bei Jahrestagungen der gefallenen Soldaten aus Deutschland zu gedenken"?
------ dass den Menschen hier klar wird, was es bedeutet, wenn der Bundestag einen solchen Einsatz beschließt !"
Keine Angst, dem Volke ist die Sache klar - aber ob es allen Volksvertretern so klar ist, das wäre hier die eigentliche Frage!
07.05.2010 14:23 Uhr
von max:
danke für das interview. eines wird jedenfalls deutlich: herr robbe hält soldaten für unterstützenswerter als andere mitglieder der gesellschaft. und dann will er tatsächlich glauben, es führe nicht zu einer militarisierung der gesellschaft, wenn "unsere jungs" sonderrollen innerhalb eben dieser gesellschaft bekommen, weil sie "an der front den kopf hinhalten"? ich bin auch für eine gute versorgung traumatisierter bundeswehrangehöriger nach ihren einsätzen, aber nicht für eine päppelung, als wäre soldaten per se eine bevorzugenswerte spezies bürger. das ist schon fast blindheit, wenn man so etwas fordert und nicht glauben will, dass das für eine gesellschaft und ihre wahrnehmung des militärs folgen hat.
und noch etwas: niemand wird gezwungen (zeit-)soldat zu sein.
07.05.2010 14:00 Uhr
von Fritz Paulsen:
Die Bundeswehr ist nicht in der Lage, auch Wehrdienstbeschädigte adäquat zu betreuen und zu versorgen. Ich selbst war 12 Jahre bei dieser staatlichen Institution als Bürger in Uniform. Die Wehrdienstbeschädigung wurde erst auf dem Klagewege anerkannt (1983) und noch heute habe ich gesundheitsliche Probleme. Keine Unfallversicherung und priv. Krankenkasse nahm mich nach der Bundeswehrzeit ohne horrende Zuschläge auf. Ansprechpartner bei der Bundeswehr gibt es keine, Fürsorge gleich Null.
07.05.2010 13:17 Uhr
von rauhfuß:
Es gibt eine ganz einfache Methode, die Zahl traumatisierter Soldaten zu verringern: Raus aus Afghanistan!
Gibt es eigentlich auch Therapieprogramme für traumatisierte afghanische Kinder?
07.05.2010 12:29 Uhr
von Kai Kloss:
Künstler für den Krieg!
Neben kostenlosen Zoobesuchen, denke Herr Robbe auch an kostenlose Theaterbesuche für Soldaten. Damit aber „Frontkultur“ nicht nur eine „Ausstrahlung auf andere Künstler“ hat und für die Truppe bloße Ablenkung bleibt, sollten Soldat/innen insbesondere Vorstellungsbesuche von Stücken angeboten werden, in denen Figuren auftauchen, mit denen Sie sich auch identifizieren können: arbeitende, wartende, tötende, lustige, schlafende, wegsehende, liebe und böse Soldaten. Komischerweise ist die Liste der in Frage kommenden Stücke nicht zu überblicken. Herr Robbe rennt offene Türen ein, denn „Krieg“ scheint ein Lieblingsthema der Künstler zu sein. Das ist eine kluge, weil Erfolg versprechende Wahl, da es Jede/n vom potentiellen Mörder bis zur Kollateralgeschädigten interessiert, also Alle.
Damit die „intellektuelle Frischluft“ nun nicht an der Truppe vorbeiziehe, die Soldat/innen dem Theater nicht atemlos gegenübersitzen bleiben, sondern das Dargebotene in tiefen Zügen genießen können, sollte zudem geschultes, kulturvermittelndes Personal dabei behilflich sein. Kurz: Theaterpädagogen an die Front!
In spielpraktischen Übungen lernen die Uniformierten z.B. was es heißt, sich bühnenwirksam zu bewegen, körperliche Präsenz auch als Solist zu zeigen, Sprech- und Körperhaltungen spielerisch zu modifizieren und trainieren sich in Selbstreflexion. Solche Erfahrungen schärfen nicht nur die eigene Wahrnehmung und erhöhen die Empathie und Rezeptionsfähigkeit, auch im Alltag finden körperliche Flexibilität und Sinn für ästhetische Formen Anwendung. Wie schnöde ist der Anblick von durchs Gelände robbenden Camouflage-Figuren gegenüber fantasiebegabten Soldatenpaaren, die sich federleicht tanzend über ein Minenfeld bewegen. Auch an die mitgebrachten Fähigkeiten der Damen und Herren lässt sich anknüpfen, denn eine tolle Truppe ist prädestiniert für chorisches Theater an theaterfremden Orten.
07.05.2010 12:23 Uhr
von Torben:
Wir brauchen keine Front, sondern den Aufbruch in eine gerechtere Welt. Dann gibt es auch keinen Bedarf für Soldatenbespaßung oder Traumabehandlung.
Soldaten sind Mörder und werden ermordet, kein guter Beruf und auch keineswegs ehrenvoll.
07.05.2010 11:44 Uhr
von NixDa:
Die Show: wie organisiere ich die "Volksgemeinschaft" läuft. Lili Marlen lebt!
Mich widert das sowas von an.
07.05.2010 11:39 Uhr
von end.the.occupation:
Ein total irrer Artikel.
Ein Kriegsdienstverweigerer, der nicht auf Weisse - seine Brüder und Schwestern im Osten - aber gern auf Gelbe, Braune und Schwarze schiessen lassen will - und der sich dazu um die Folgen sorgt, die das für die Weissen haben könnte.
Unmöglich die Menge zu fressen, die man kotzen müsste.
07.05.2010 11:39 Uhr
von Kurt:
Keine schleichende Militarisierung? Von wegen!
Da halten Kanzlerin und Verteidigungsminister Reden bei Trauerfeiern, gibt es große Gelöbnisse vorm Reichstag, sollen Soldaten bevorzugt werden und zu allen Anlässen präsent sein. Aber das ist ja keine Militarisierung, das ist eine Anerkennung der Leistungen und des Risikos. Dem sich die Soldaten freiwillig(!) aussetzen. Niemand ist gezwungen, zum Bund zu gehen, jeder, der sich verpflichtet und ins Ausland geht, weiß um die Risiken. Dann darf man sich aber nachher nicht beschweren und ein Brimborium geben, wenn es Tote gibt. Das sind keine tragischen Ereignisse, das ist die Logik des Kriegs!
Wie wäre es denn stattdessen, die Bundeswehr aufzulösen bzw. die dafür geeigneten Truppenteile in eine zivile Aufbautruppe zu überführen? Alles Gefasel von "Frieden und Sicherheit schaffen" wird doch ad absurdum geführt, wenn die Bundeswehr mit Panzern und Maschinengewehren anrollt. Wie soll eine Einrichtung, deren einziger Zweck das führen von Kriegen ist, für Frieden sorgen? Aufwachen, Deutschland!