• 27.08.2009

Wegen mangelnder Kitaplätze

Kind statt Job

Mütter beklagen, dass das Fehlen von Kitaplätzen ihre Rückkehr in den Job behindert - und sie deshalb auch nur Teilzeit arbeiten. Die meisten Väter beziehen Elterngeld weiter nur für zwei Monate.von Nicole Janz

  • 11.02.2011 17:56 Uhr

    von paranoid:

    Also eine RWI-Studie (jene Vereinigung neoliberaler Seelenverkäufer, die gerade die Lockerung des Kündigungschutzes fordern, an vorderster Front für Privatisierung von Krankenhäusern und Bildungseinrichtungen kämpfen (zufällig Bereiche, in denen es sehr viele weibliche Beschäftigte gibt))im Auftrag gegeben von Frau von der Leyen fordert flexiblere Betreuungszeiten (sprich flexiblere Mütter, Erzieher und Kinder).

    Befragt wurden Eltern mit Kleinstkindern im Alter von 3 bis 0 Jahren.

    "bewerten zwei Drittel der befragten Eltern die Betreuungsmöglichkeiten durch Kitas oder Tagesmütter als nicht ausreichend.
    Vor allem die geringe Anzahl an Plätzen für die Kinder, aber auch die Kosten für die Kitas sowie unflexible Betreuungszeiten wurden von den Eltern bemängelt. "
    Was nun genau ? Warum wurde nicht nach der Qualität gefragt ?

    "Jede fünfte Mutter wäre bei einem passgenaueren Betreuungsangebot früher in den Job zurückgekehrt."

    Also 80% der Mütter wollten nicht früher in den Beruf.

    Was waren die Gründe der anderen 20% ?

    Karrierebewußtsein, Selbstverwirklichung, Emanzipation (alles durchaus akzeptable Gründe !)
    oder
    vielmehr
    finanzielle Ängste, mangelnde gesellschaftliche Akzeptanz oder Angst vor dem Jobverlust und Angst sich durch eine Auszeit die Zukunft für immer zu verbauen (ein Druck, der durch die Vereinbarkeitsdebatte immer stärker wird und Mütter zunehmend in prekäre Arbeitsverhältnisse drängt).

    Oder anders gesagt, ist es gesellschaftlicher (wirtschaftlicher) Druck oder freier Wille ?

    Warum wird hier gegenüber Müttern von Kleinstkindern die Erwartungshaltung nach immer größerer Flexibilität aufgebaut, in einem Land, indem es nicht einmal ein flächendeckendes Ganztagsangebot an Schulen gibt.

    Andere Frage : Wie sollen diese Betreuungsplätze entstehen ? Sollen die Gruppen erweitert werden ? Sollen die Erzieherinnen länger arbeiten ? Oder schütteln wir die fehlenden Erzieherinnen einfach von den Bäumen.

    Aber vielleicht fügt sich auch alles zusammen. Ein ständiger Qualitätsverlust in den Einrichtungen, führt zu einer vermehrten Nachfrage nach einer privat organisierten und Gewinn orientierten Betreuungsindustrie. Die günstigste Einrichtung bietet das frühkindliche Bildungangebot des Teppichknüpfens an.

    "Erst kürzlich hatte die Bertelsmann-Stiftung in ihrem "Ländermonitor Frühkindliche Bildungssysteme 2009" festgestellt, dass der Kitaausbau für Kinder unter drei Jahren "nur schleppend" vorangeht."

    Die gute Bertesmann-Stiftung, immer um das Wohlergehen der Kleinsten besorgt.

    Warum zitiert die TAZ so oft solche dubiosen Studien der neoliberalen Think Tanks?

    Bertelsmann, DIW, INSM, IFO, RWI...
    die Liste der Seelenverkäufer ist lang,
    begegnen wir ihnen doch künftig etwas kritischer.
    Bitte !


  • 11.02.2011 17:56 Uhr

    von Karl:

    Überraschung! Ohne Kinderbetreuung lässt es sich schlecht arbeiten, schön dass sich diese Erkenntnis auch in Wissenschaft und Politik langsam ausbreitet.

    Eigener Fall: 2,5 Jahre warten auf Betreuungsplatz im Kindergarten für zumindest eines der beiden Kinder (Krippen und Horte gibt es bei uns in der familienfreundlichen Stadt Springe in der Region Hannover nicht) von 8:00 bis 11:50 Uhr - herzlichen Glückwunsch! Was soll man damit anfangen? Also doch wieder Tagesmutter und hin- und hergekarre und wenn die Tagesmutter mal krank ist? Das ist kein Zustand, aber angeblich soll ja alles besser werden...

    @Lea: Deine persönlichen Ressentiments gegen Frau von der Leyen in allen Ehren, aber Sie ist diejenige die den Ausbau von Krippenplätzen überhaupt erst auf die politische Agenda gebracht hat. Leider dauert die Umsetzung in Ländern und Gemeinden noch an... Im Übrigen: Wenn ich die Zeit hätte ein genossenschaftliches Kinderbetreuungsprojekt auf die Beine zu stellen, bräuchte ich keine Kinderbetreuung, dann hätte ich ja die Zeit.

  • 11.02.2011 17:56 Uhr

    von Horst Schmidt:

    Wieder einmal wird den Frauen unterstellt, sie wären an ihrer Karriere gehindert. In der Realität sieht es so aus, daß nicht wenige Frauen überhaupt nicht mehr in Vollzeit arbeiten möchten, wenn ein Kind da ist.

  • 11.02.2011 17:56 Uhr

    von Nanu:

    Nur ein Detail: Für Einjährige ist die Kita auch nicht der Ort der Wahl. Kitas nehmen nämlich keine Kinder unter 3 Jahren auf. Kinderkrippen machen das. Also, wenn man es genau nimmt, wäre es kein Wunder, wenn Eltern keine Betreuung fänden, wenn sie an der falschen Stelle suchen. Ich nehme aber mal stark an, dass es sich hier wieder einmal um ein Zeugnis schlampiger Recherchearbeit handelt.
    Ja, Kinderkrippen sind rar. Andererseits sind Kinder mit einem Jahr noch so mutterfixiert, dass ernsthaft darüber nachgedacht werden muss, ob eine Vollzeittätigkeit als Hauptbezugsperson(=Mutter) wirklich erstrebenswert ist. Die seelische Gesundheit meines Kindes ist mir in so einem Fall wichtiger (und nicht mit Geld aufzuwiegen). Allerdings ist meine Meinung nicht repräsentativ, denn ich habe einen anderen Kulturkreis. Bei uns gibt man die Kinder und die Alten nicht weg. "Wir" kümmern uns selbst, dann wird sich auch um "uns" gekümmert. Im Großteil der Welt wird das so gehandhabt. Nur hier in Deutschland nicht.

  • 11.02.2011 17:56 Uhr

    von Lea Blumenthal:

    Schade, dass die Hausadresse von Ursula von der Leyen nicht im Artikel angegeben ist. Dann nämlich könnten die Eltern ihre Kinder dort für ein paar Stunden hinbringen, in die fürsorglichen Hände einer sehr erfahrenen vielfachen Mutter.

    Oder lieber doch nicht. Dann würden die Kleinen von der scheinheilgen Ursula katholisch indoktriniert. Dass ist keinem Kind zumutbar.

    Vielleicht machen die Leute besser Selbsthilfe, gründen genossenschaftliche Kindergärten, wie die Arbeiter vor über 100 Jahren genossenschaftliche Siedlungen auf die Beine gestellt haben oder die 68er vor 30 Jahren die taz.

    Alles schwierig. Dennoch hat es geklappt.

    Aber das untertänige Glauben und Hoffen, dass Politiker irgendwann irgendetwas Sinnvolles zustande bringen, ist völlig sinnlos und dumm.

  • 29.08.2009 00:37 Uhr

    von paranoid:

    Also eine RWI-Studie (jene Vereinigung neoliberaler Seelenverkäufer, die gerade die Lockerung des Kündigungschutzes fordern, an vorderster Front für Privatisierung von Krankenhäusern und Bildungseinrichtungen kämpfen (zufällig Bereiche, in denen es sehr viele weibliche Beschäftigte gibt))im Auftrag gegeben von Frau von der Leyen fordert flexiblere Betreuungszeiten (sprich flexiblere Mütter, Erzieher und Kinder).

    Befragt wurden Eltern mit Kleinstkindern im Alter von 3 bis 0 Jahren.

    "bewerten zwei Drittel der befragten Eltern die Betreuungsmöglichkeiten durch Kitas oder Tagesmütter als nicht ausreichend.
    Vor allem die geringe Anzahl an Plätzen für die Kinder, aber auch die Kosten für die Kitas sowie unflexible Betreuungszeiten wurden von den Eltern bemängelt. "
    Was nun genau ? Warum wurde nicht nach der Qualität gefragt ?

    "Jede fünfte Mutter wäre bei einem passgenaueren Betreuungsangebot früher in den Job zurückgekehrt."

    Also 80% der Mütter wollten nicht früher in den Beruf.

    Was waren die Gründe der anderen 20% ?

    Karrierebewußtsein, Selbstverwirklichung, Emanzipation (alles durchaus akzeptable Gründe !)
    oder
    vielmehr
    finanzielle Ängste, mangelnde gesellschaftliche Akzeptanz oder Angst vor dem Jobverlust und Angst sich durch eine Auszeit die Zukunft für immer zu verbauen (ein Druck, der durch die Vereinbarkeitsdebatte immer stärker wird und Mütter zunehmend in prekäre Arbeitsverhältnisse drängt).

    Oder anders gesagt, ist es gesellschaftlicher (wirtschaftlicher) Druck oder freier Wille ?

    Warum wird hier gegenüber Müttern von Kleinstkindern die Erwartungshaltung nach immer größerer Flexibilität aufgebaut, in einem Land, indem es nicht einmal ein flächendeckendes Ganztagsangebot an Schulen gibt.

    Andere Frage : Wie sollen diese Betreuungsplätze entstehen ? Sollen die Gruppen erweitert werden ? Sollen die Erzieherinnen länger arbeiten ? Oder schütteln wir die fehlenden Erzieherinnen einfach von den Bäumen.

    Aber vielleicht fügt sich auch alles zusammen. Ein ständiger Qualitätsverlust in den Einrichtungen, führt zu einer vermehrten Nachfrage nach einer privat organisierten und Gewinn orientierten Betreuungsindustrie. Die günstigste Einrichtung bietet das frühkindliche Bildungangebot des Teppichknüpfens an.

    "Erst kürzlich hatte die Bertelsmann-Stiftung in ihrem "Ländermonitor Frühkindliche Bildungssysteme 2009" festgestellt, dass der Kitaausbau für Kinder unter drei Jahren "nur schleppend" vorangeht."

    Die gute Bertesmann-Stiftung, immer um das Wohlergehen der Kleinsten besorgt.

    Warum zitiert die TAZ so oft solche dubiosen Studien der neoliberalen Think Tanks?

    Bertelsmann, DIW, INSM, IFO, RWI...
    die Liste der Seelenverkäufer ist lang,
    begegnen wir ihnen doch künftig etwas kritischer.
    Bitte !


  • 28.08.2009 09:14 Uhr

    von Karl:

    Überraschung! Ohne Kinderbetreuung lässt es sich schlecht arbeiten, schön dass sich diese Erkenntnis auch in Wissenschaft und Politik langsam ausbreitet.

    Eigener Fall: 2,5 Jahre warten auf Betreuungsplatz im Kindergarten für zumindest eines der beiden Kinder (Krippen und Horte gibt es bei uns in der familienfreundlichen Stadt Springe in der Region Hannover nicht) von 8:00 bis 11:50 Uhr - herzlichen Glückwunsch! Was soll man damit anfangen? Also doch wieder Tagesmutter und hin- und hergekarre und wenn die Tagesmutter mal krank ist? Das ist kein Zustand, aber angeblich soll ja alles besser werden...

    @Lea: Deine persönlichen Ressentiments gegen Frau von der Leyen in allen Ehren, aber Sie ist diejenige die den Ausbau von Krippenplätzen überhaupt erst auf die politische Agenda gebracht hat. Leider dauert die Umsetzung in Ländern und Gemeinden noch an... Im Übrigen: Wenn ich die Zeit hätte ein genossenschaftliches Kinderbetreuungsprojekt auf die Beine zu stellen, bräuchte ich keine Kinderbetreuung, dann hätte ich ja die Zeit.

  • 27.08.2009 22:01 Uhr

    von Jeanette P.:

    "Der Großteil der Mütter, die Elterngeld bekommen, will danach möglichst schnell zurück in den Beruf" ???
    Wozu also überhaupt Kinder bekommen, die behindern doch nur bei der Karriere...
    Leider verlieren die Familien mehr und mehr die Kernkompetenzen von Beziehungsfähigkeit und Erziehungskompetenz. Meine Kolleginnen in den neuen Bundesländern wollen auch alle "möglichst schnell zurück in den Beruf". Was sollen sie auch mit ihren Kindern zu Hause anfangen? - haben sie doch selbst ihre Mütter nur als Abwesende erlebt.

  • 27.08.2009 20:39 Uhr

    von Horst Schmidt:

    Wieder einmal wird den Frauen unterstellt, sie wären an ihrer Karriere gehindert. In der Realität sieht es so aus, daß nicht wenige Frauen überhaupt nicht mehr in Vollzeit arbeiten möchten, wenn ein Kind da ist.

  • 27.08.2009 19:31 Uhr

    von Nanu:

    Nur ein Detail: Für Einjährige ist die Kita auch nicht der Ort der Wahl. Kitas nehmen nämlich keine Kinder unter 3 Jahren auf. Kinderkrippen machen das. Also, wenn man es genau nimmt, wäre es kein Wunder, wenn Eltern keine Betreuung fänden, wenn sie an der falschen Stelle suchen. Ich nehme aber mal stark an, dass es sich hier wieder einmal um ein Zeugnis schlampiger Recherchearbeit handelt.
    Ja, Kinderkrippen sind rar. Andererseits sind Kinder mit einem Jahr noch so mutterfixiert, dass ernsthaft darüber nachgedacht werden muss, ob eine Vollzeittätigkeit als Hauptbezugsperson(=Mutter) wirklich erstrebenswert ist. Die seelische Gesundheit meines Kindes ist mir in so einem Fall wichtiger (und nicht mit Geld aufzuwiegen). Allerdings ist meine Meinung nicht repräsentativ, denn ich habe einen anderen Kulturkreis. Bei uns gibt man die Kinder und die Alten nicht weg. "Wir" kümmern uns selbst, dann wird sich auch um "uns" gekümmert. Im Großteil der Welt wird das so gehandhabt. Nur hier in Deutschland nicht.

  • 27.08.2009 16:22 Uhr

    von Lea Blumenthal:

    Schade, dass die Hausadresse von Ursula von der Leyen nicht im Artikel angegeben ist. Dann nämlich könnten die Eltern ihre Kinder dort für ein paar Stunden hinbringen, in die fürsorglichen Hände einer sehr erfahrenen vielfachen Mutter.

    Oder lieber doch nicht. Dann würden die Kleinen von der scheinheilgen Ursula katholisch indoktriniert. Dass ist keinem Kind zumutbar.

    Vielleicht machen die Leute besser Selbsthilfe, gründen genossenschaftliche Kindergärten, wie die Arbeiter vor über 100 Jahren genossenschaftliche Siedlungen auf die Beine gestellt haben oder die 68er vor 30 Jahren die taz.

    Alles schwierig. Dennoch hat es geklappt.

    Aber das untertänige Glauben und Hoffen, dass Politiker irgendwann irgendetwas Sinnvolles zustande bringen, ist völlig sinnlos und dumm.

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