Mütter beklagen, dass das Fehlen von Kitaplätzen ihre Rückkehr in den Job behindert - und sie deshalb auch nur Teilzeit arbeiten. Die meisten Väter beziehen Elterngeld weiter nur für zwei Monate.von NICOLE JANZ
BERLIN tazVäter beziehen nach wie vor deutlich kürzer Elterngeld als Mütter. Rund drei von vier Vätern, deren Elterngeldbezug zwischen April und Juni 2009 endete, betreuten nur zwei Monate ihre Kinder. Das teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag mit. Nur acht Prozent der Väter nahmen zwölf Monate Elterngeld in Anspruch.
Die Hauptlast bei der Kinderbetreuung nach der Geburt tragen damit immer noch die Frauen. Neun von zehn Müttern bezogen Elterngeld für zwölf Monate. Immerhin ist die Zahl der Männer, die die Kinderbetreuung teilweise übernehmen, insgesamt gestiegen: Im zweiten Quartal 2009 haben rund 35.000 Väter den Bezug von Elterngeld beendet - 29 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.
Der Großteil der Mütter, die Elterngeld bekommen, will danach möglichst schnell zurück in den Beruf. Allerdings scheitert diese Wunschvorstellung meist daran, dass die Eltern keine Kita finden. Wie eine aktuelle Studie des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) zeigt, bewerten zwei Drittel der befragten Eltern die Betreuungsmöglichkeiten durch Kitas oder Tagesmütter als nicht ausreichend. Vor allem die geringe Anzahl an Plätzen für die Kinder, aber auch die Kosten für die Kitas sowie unflexible Betreuungszeiten wurden von den Eltern bemängelt. Mehr als jede zweite Frau, die ihre Unzufriedenheit angab, wurde ihrer Meinung nach dadurch in ihrem eigenen beruflichen Weg beeinflusst. Jede fünfte Mutter wäre bei einem passgenaueren Betreuungsangebot früher in den Job zurückgekehrt.
Die RWI-Studie wurde von Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) in Auftrag gegeben, es wurden rund 1.500 Eltern befragt, deren Kinder Anfang 2007 geboren wurden.
Die Studie zeigte zudem, dass durch die mangelnden Betreuungsmöglichkeiten für "eine deutliche Mehrheit" der Frauen mit Kleinkindern nur Teilzeitjobs möglich sind. Das Resümee der RWI-Studie: Das Elterngeld werde "erst im Zusammenspiel mit einer umfassenden Betreuungsinfrastruktur sowie flexibleren Arbeitszeitmodellen seine volle Wirkung entfalten".
Erst kürzlich hatte die Bertelsmann-Stiftung in ihrem "Ländermonitor Frühkindliche Bildungssysteme 2009" festgestellt, dass der Kitaausbau für Kinder unter drei Jahren "nur schleppend" vorangeht. Die alten Bundesländer müssten demnach ihr bisheriges Ausbautempo verdoppeln, wenn sie bis 2013 Plätze für jedes dritte Kind unter drei anbieten wollen - so wie es der Kitaausbauplan der Familienministerin vorsieht.
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Leserkommentare
11.02.2011 17:56 | paranoid
Also eine RWI-Studie (jene Vereinigung neoliberaler Seelenverkäufer, die gerade die Lockerung des Kündigungschutzes fordern ...
11.02.2011 17:56 | Karl
Überraschung! Ohne Kinderbetreuung lässt es sich schlecht arbeiten, schön dass sich diese Erkenntnis auch in Wissenschaft u ...
11.02.2011 17:56 | Horst Schmidt
Wieder einmal wird den Frauen unterstellt, sie wären an ihrer Karriere gehindert. In der Realität sieht es so aus, daß nich ...