Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) verblüfft bei der Suche nach einem Nachfolger für den Finanzsenator. Ulrich Nußbaum, einen Bremer Millionär, hatte keiner auf der Rechnung.von . STEFAN ALBERTI

Der neue Mann aus Bremerhaven: Ulrich Nußbaum Bild: dpa
Erst kam der seit Jahren gleiche Leibwächter in den Saal, dann Klaus Wowereit (SPD), der Regierende Bürgermeister. Der dritte Mann aber, knapp einsneunzig groß, schlank, dunkler Teint, um den es offensichtlich gehen sollte bei dieser kurzfristig angesetzten Pressekonferenz, sorgte erst mal für fragende Gesichter: "Wer ist denn das?", stießen sich Journalistenkollegen gegenseitig an. Ulrich Nußbaum, den früheren Bremer Finanzsenator, hatte niemand wirklich auf der Rechnung als Nachfolger für Thilo Sarrazin (SPD).
Bei Wowereit war die Schadenfreude regelrecht greifbar, alle im Dunkeln gelassen zu haben. Er hatte entschieden, mit im Spiel war nur noch SPD-Partei- und Fraktionschef Michael Müller. Wowereit profitierte dabei von einer Verfassungsänderung im März 2006: Seither kann der Regierende Bürgermeister ohne Parlamentsmehrheit entlassen und ernennen, wen er will.
Dass Berlin nun zehn Wochen lang einen offiziellen Finanzsenator und einen Schattenminister hat - Sarrazins neuer Posten bei der Bundesbank wird erst zum 1. Mai frei - ist für Wowereit kein Problem. Sarrazin als "lame duck", der nichts mehr zu melden hat? "Jeder, der Thilo Sarrazin kennt, weiß, dass der Begriff ,lame duck' im Zusammenhang mit ihm völig unpassend ist."
Eine Stunde nach diesem Auftritt im Roten Rathaus präsentierte Wowereit Nußbaum den Koalitionsfraktionen im Abgeordnetenhaus. Beide hatten erst am Vormittag von der Entscheidung erfahren.
Dort kam der Neue gut an. Wechselweise als "sympathisch", "offen" und "angenehm" beschrieben ihn Abgeordnete anschließend. Bei der Linksfraktion war die Stimmung derart gelöst, dass Landeschef Klaus Lederer dem parteilosen Nußbaum witzelnd anbot, er könne doch auch bei ihnen Mitglied werden. Punkte sammelte Nußbaum damit, dass er sich von Sarrazins Sprücheklopferei auf Kosten sozial Schwacher distanzierte. "Sie können einen stilsicheren Umgang mit ärmeren Bevölkerungsgruppen erwarten", formulierte Nußbaum nach Teilnehmerangaben.
Deutlicher skeptischer zeigte sich die Opposition. Die Grünen spielten auf die Bremer Haushaltsmisere an: "Ihm eilt nicht der Ruf voraus, ein konsequenter Haushaltssanierer zu sein." Gleiches war von der FDP zu hören. Für die CDU zeugt es immerhin von Selbstbewusstsein, ohne SPD-Parteibuch in die Berliner Landespolitik einzusteigen.
STEFAN ALBERTI
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