Die Entscheidung über den Standort für die Stadionwache ist vertagt. Zeit und Kosten laufen dem FC St. Pauli davon. von Marco Carini

84 Quadratmeter fehlen: Die alte Domwache, an deren Stelle eine neue entstehen soll. Bild: Hendrik Doose
Wird die neue Polizeiwache, von der aus die Einsätze während der Ligapartien des FC St. Pauli koordiniert werden, im oder neben dem Millerntorstadion untergebracht? Diese Frage, die seit Monaten die Fans bewegt, sollte bis Ende des Jahres geklärt sein. Nur dann, so die gemeinsame Ansage von Rathaus und Club, sei eine externe Lösung noch machbar.
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Nun aber heißt es: Entscheidung vertagt. „Der Ball liegt bei den Behörden“, sagt Clubpräsident Stefan Orth, während die Sprecherin der Innenbehörde, Swantje Glismann, kontert: „St. Pauli hat noch nicht alle Hausaufgaben erledigt.“
Nach Fanprotesten hatte die Vereinsführung des FC St. Pauli versucht, aus ihrer früheren Zusage des Clubs an die Stadt noch herauszukommen, nach der eine moderne Stadionwache in der neuen Gegentribüne Platz finden sollte. Innensenator Michael Neumann (SPD) stimmte schließlich einem externen Neubau für die Einsatzzentrale auf dem Gelände der heutigen Domwache auf dem Heiligengeistfeld zu.
Neumanns Bedingung: Der Verein müsse den Neubau komplett bezahlen und bis Ende 2013 fertigstellen.
Trotz Mehrkosten in Höhe von 1,2 bis 1,5 Millionen Euro stimmte auch die Clubführung diesem Kompromiss zu, betonte aber, bis Ende 2012 müsse eine Entscheidung fallen, da die Planungs- und Bauzeit rund ein Jahr betrage.
Dass dies nicht geschah, liegt für Clubpräsident Orth vor allem daran, dass das Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos) unterstellte Domreferat bislang 84 Quadratmeter Domfläche nicht rausrückt, die für einen Neubau gebraucht würden. „Sollte dies nicht passieren, ist eine externe Wache leider nicht umsetzbar“, so Orths klare Schuldzuweisung.
Auch über wichtige Finanzdetails hätten die Behörden, die zuletzt Ende vergangener Woche gemeinsam über dem Thema brüteten, noch nicht entschieden. So sei noch unklar, sagt St.-Pauli-Geschäftsführer Michael Meeske, ob der Verein das Baugelände per Erbpacht „zum symbolischen Preis“ erhalte oder zum Marktpreis, was das Projekt noch einmal verteuern würde.
Ob diese beiden Fragen vergangene Woche in der behördlichen Arbeitsgruppe entschieden wurden, teilte die federführende Innenbehörde nicht mit. Sie spielt stattdessen den Ball an den Club zurück: Bei dessen ersten Wachenplanungen sei „vieles nicht bedacht worden“, so Swantje Glismann, weshalb Staatsrat Volker Schiek Meeske vor kurzem erst mal einen „Merkzettel“ mit den behördlichen Anforderungen an den Neubau zugesandt habe.
So müssten etwa das in der alten Domwache untergebrachte Rote Kreuz und der Toilettenaufsteller „Sani“ ebenfalls im Neubau Platz finden, neben der auf gut 400 Quadratmeter erweiterten Wache. Die aktuellen Pläne des Vereins seien „nicht realisierungsreif“, so Glismann.
Gleichzeitig betont die Sprecherin, dass Innensenator Neumann trotz des Zeitdrucks „nicht mit Ultimaten“ gegenüber dem Verein arbeite und ebenfalls weiterhin eine externe Lösung anstrebe. Durch notwendige Nachbesserungen dürften die tatsächlichen Baukosten dafür allerdings „die veranschlagten 1,5 Millionen Euro übersteigen“.
Steigen die Baukosten erheblich, muss der FC St. Pauli auch seine Finanzierungspläne überarbeiten, die bereits fertig in der Schublade liegen. Auf der Jahreshauptversammlung des Clubs hatte die Mitgliedermehrheit Ende November einem Präsidiumsantrag zugestimmt, nach dem die Vereinsbeiträge für die über 17.000 Mitglieder pro Monat um gut 20 Cent steigen und auch die Ticketpreise ab der kommenden Saison erhöht werden, um daraus die Wache zu finanzieren. Nun aber besteht die Gefahr, dass die Fans stärker zur Kasse gebeten werden als bislang geplant.
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