WM-Vorbereitung gegen Paraguay

Ein sinnfreies Treffen auf dem Betze

Mit dem Freundschaftskick gegen Paraguay startet das deutsche Nationalteam am Mittwoch in die WM-Saison. Der Termin ist schlecht gewählt.

Will mit seinen Team „im Detail noch tiefer gehen“: Bundestrainer Joachim Löw. Bild: dpa

MAINZ taz | Ob jedem bewusst ist, an welch historischem Ort man gerade wieder zusammenkommt? Früher stand dort, wo sich direkt am Mainzer Rheinufer seit Montag der Tross der deutschen Nationalmannschaft versammelt hat, das Fort Malakoff. Die historische Befestigungsanlage ist sogar als Identifikationspunkt in das luxuriöse Hotel mit seiner imposanten Glasfront einbezogen; im 19. Jahrhundert galt das gewaltige Mauerwerk mit seinen putzigen Schießscharten als wehrhafte Trutzburg.

„Wir gegen den Rest der Welt“ könnte auch kein schlechtes Motto für Joachim Löw und seine Gefolgschaft sein, wenn die DFB-Auswahl mit dem Freundschaftsspiel gegen Paraguay (Mittwoch 20.45 Uhr/live im ZDF) die WM-Saison einläutet. Der Bundestrainer verbindet „große Hoffnungen“ mit dieser Spielzeit: „Wir wollen unsere Waffen verfeinern.“ Oder wie er besser formulierte: „Wir wollen im Detail noch tiefer gehen: die Automatismen schärfen, die Stabilität in der Defensive stärken, eine noch bessere Organisation erreichen.“

Denn die WM 2014 geht Löw mit einem Kader an, der so viel Klasse und Spielfreude wie lange nicht mehr vereint. Dumm nur, dass sich „die gute Mischung aus Routiniers, jungen Spielern und sehr hoffnungsvollen Talenten“ (Löw) zu einem etwas ungünstigen Zeitpunkt in der Landeshauptstadt von Rheinland-Pfalz versammelt hat.

Das Länderspiel selbst wird dann 82 Kilometer oder 50 Autominuten südwestlicher Richtung im ruhmreichen Fritz-Walter-Stadion von Kaiserslautern ausgetragen, wo tatsächlich schon mehr als 44.000 Tickets verkauft sind, obwohl die guten Sitzplätze bis zu 80 Euro kosten.

Lukrative Vermarktung der Legionäre

Ist dieses Freundschaftsspiel, für das Julian Draxler wegen seiner Achillessehnenverletzung abgesagt hat, wirklich so viel wert? Der Augusttermin wird bald aus dem Fifa-Rahmenkalender ersatzlos gestrichen, und das hat gute Gründe. Die meisten Nationalspieler haben bestenfalls ein Pokal- und ein Bundesligaspiel bestritten, die im Ausland beschäftigten Akteure wie die Wahl-Italiener Mario Gomez und Miroslav Klose haben noch nicht ein Pflichtspiel gemacht.

Erschwerend kommt hinzu, dass Real Madrid mit Mesut Özil und Sami Khedira, der FC Arsenal mit Per Mertesacker und Lukas Podolski und auch der FC Chelsea mit André Schürrle zum Zwecke der lukrativen Auslandsvermarktung durch die halbe Welt jetteten – ein ordentlicher Formaufbau geht eigentlich anders.

Auf all das wird der Trainer gegen die Südamerikaner Rücksicht nehmen, und so wirkt seine Forderung durchaus verständlich, dass neben den ohnehin schon feststehenden Terminen – die nächsten sind in der WM-Qualifikation die Partien gegen Österreich (6. September) und die Färöer (10. September) – auch noch Zeit für einen Kurzlehrgang gefunden werden soll. Mutmaßlich im Winter könnte das sein. Dann kann intern auch beraten werden, wie die Quartierwahl für Brasilien angegangen wird. Löw tendiert nämlich dazu, erst die Auslosung der WM-Endrunde abzuwarten und dann eine Herberge auszusuchen – „ich persönlich würde mich damit wohler fühlen“.

Es ist eben ein himmelweiter Unterschied für die Akklimatisierung, ob in Rio oder Recife, Fortaleza oder Porto Alegre gespielt wird. Oder womöglich mitten im Amazonas-Gebiet in Manaus. Wo auch immer auch die deutsche Delegation dann auf brasilianischem Boden absteigt – es darf ruhig wieder eine Trutzburg sein.

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