Sie sind Mitte 30, voll krass jugendlich und Ihnen tut der Rücken weh? Werden Sie doch erwachsen! Ein Vorabdruck aus dem Buch "Wenn ich mal groß bin".von Martin Reichert
Als überzeugter taz-Nichtleser bin ich im Internet zufällig über diesen Artikel gestolpert, der mich positiv überrascht hat. Nicht überrascht, aber amüsiert haben mich allerdings die trotzig-empörten Kommentare derjenigen, die Herr Reichert in seinem Buch so überaus treffend beschreibt und denen er erfolgreich den Spiegel vorhält. Die sind ja nicht nur nicht spießig, sondern auch noch völlig humorlos!
12.07.2008 22:54 Uhr
von nora:
Ich weiß ja nicht was ich trauriger finden soll. Das Buch oder die Kommentare dazu. Ich lach am besten über beides damit ich nicht weinen muss.
Ich finde den Rückzug ins Spießbürgertum sehr traurig den es ist meiner Meinung nach nicht mehr als die Flucht vor der Grausamkeit in der Welt und dem Verfall der Gesellschaft in der nur noch Prestige zählt, sowie der Drogenkonsum der Jugend. Der Versuch eine heile Welt aufzubauen in der man endlich den Sinn des Lebens, nämlich die Reproduktion der Art, erfüllen kann.
Wann betrachtet ihr endlich wieder den Menschen? Wann hört ihr endlich wieder auf in Geld zu denken? Wann entwickelt sich die Menschheit endlich wieder weiter? Oder ist es wahr das die Evolution außer Kraft gesetzt wurde bei der Art Mensch?
Warum stehen wir immer noch nicht alle auf der Straße und schreien? Seht ihr denn nicht wie krank diese Welt ist? Woher kommen denn die steigenden Zahlen der Psychisch erkrankten?
Aber nein. Ist in Ordnung. Was Interessiert mich die Welt wenn ich ich mich darum kümmern sollte das die Kissen farblich auf jeden Fall mit den Vorhängen harmonieren damit mein Besuch einen guten Eindruck von mit bekommt. Ist auf jeden Fall wichtiger.
Aber vielleicht hört ihr mal endlich auf zu jammern und zu schreiben und nehmt eine Hacke in die Hand und helft einem Bauern bei der Saat der immerhin dafür Verantwortlich ist das Ihr etwas zu Essen einkaufen könnt von eurem Geld das ihr ja so hart verdienen müsst.
Werdet endlich genügsam und dankbar dafür das ihr überhaupt Leben dürft und nicht wie andere jeden Tag aufs neue um euer Überleben Kämpfen müsst.
Fangt endlich an zu handeln und hört auf euch selbst zu bemitleiden.
10.07.2008 18:31 Uhr
von uwe fischer:
Hallo Martin,
da ich die von Dir erreichte Phase des Siezens schon wieder hinter mir habe, indem ich in der von Dir viel besungenen und als möglichst schnell und reibungslos zu erreichenden Endpunkt der bunten Umhängetaschengeneration, der Erwachsenenwelt nämlich, bereits angekommen bin und dir aus eigener Erfahrung glaubhaft versichern kann, dass bei Erwachsene unter Ihresgleichen auf Augenhöhe das Du durchaus nicht unüblich ist.
Es ist der Zeitpunkt im Leben, in dem man wieder ungeniert mit seiner Mutter zum Essen gehen kann oder sogar in den Urlaub fahren kann (allerdings lädt man sie ein ), ohne dass einen das Stigma des Hotel Mama ereilt.
Aber das nur als Opener. Dein Buch, Generation Umhängetasche, habe ich überflogen und stimme den meisten Statements durchaus zu. Überraschend fand ich aber die soziologischen Erkenntnisse über die Lebensweise einer verlängerten Jungend nicht. Dies ist das zwangsläufige Ergebnis und Nachhall der Erbengeneration des Wirtschaftswunders, der sich zum erstem mal in der Weltgeschichte eines breiten in allen Grundbedürfnissen abgesicherten und durch die ahnungsvollen Vorbeben des am Horizont bereits sichtbaren unvermeidlichen Abstiegs entsprechend unzufriedenen Mittelsstands erfreut. Noch nie war die Summe von Wohlstand Bildung und Sicherheit höher. Jeder Studienanfänger kann ohne größere Aufwendungen einen Wagen Fahren, der noch vor drei Generationen einem Fabrikanten zustand.
Dies sind aber nur Feststellungen von sichtbaren Tatsachen. Was mich mehr interessiert ist die Frage was aus all denen Teilen der Umhängetaschengeneration wurde, die niemals selbige trugen, da sie bereits mit Anfang 20 in den Beruf gingen. Ich meine jetzt nicht die klassischen Klein, welche ihr Leben zwischen Schrebergarten und Feuerwehrfesten zelebrieren, sondern den Teil, der die Umhängetaschenphase schlichtweg verpasst hat. Sei es weil sie zu spät dran waren, weil es Alternativen gab, oder wie auch immer.
Wie schlägt sich dies entwicklungspsychologisch im Lebenslauf nieder? Gibt es einen Entwicklungs- Rückgriff auf verpasste Lebensphasen? Metamorphiert der Mensch zu einer höheren Stufe des Daseins ? Was wird aus den Jugendlichen die nie eine Jugend hatten?
Meiner Erfahrung nach können Lebensphasen nicht wirkungsvoll ohne Schäden unterdrückt, sondern nur aufgearbeitet werden. Erst wenn der Kelch bis zum letzten Tropfen geleert ist entsteht im Kopf die Einsicht der Möglichkeit des Loslassens.
LG Uwe
03.06.2008 15:10 Uhr
von Daniel N.:
@anke: Die ätzenden Kommentare zur ironischen Selbstreflektion des Herrn Reichert sind imho vom Neid geprägt. Da schreibt einer davon, dass er es geschafft hat, sich in den bestehenden Verhältnissen einzurichten (wie auch immer) und gibt nun Empfehlungen weiter, wie man's richtig macht. Im Grunde wünscht sich doch jeder, der "spießig" und "bürgerlich" ruft, genau ein solches, weil geordnetes Dasein. Nicht nur Ausländer haben Probleme damit, sich in die Gesellschaft zu integrieren. Je mehr sich die gesellschaftliche Situation zuspitzt, desto härter wird ein Fehltritt bestraft bzw. desto schwieriger wird der Zugang zur goldenen Mitte. Eines haben viele von denen "drinnen" und denen "draußen" leider gemeinsam: sie bespucken sich gegenseitig.
02.06.2008 22:10 Uhr
von Peter v. K.:
Also echt, Henry Miller hat vorausgesagt, dass in der Zukunft Literatur aus den Tagebüchern von Schreibenden bestünde. Andy Warhol! Aber haben die damit gemeint, dass ein Spießbürger die Dokumentation der Verwirklichung, die Manifestation seiner Spießbürgerlichkeit veröffentlicht? Das Machwerk dokumentiert die Langeweile und Ideenlosigkeit einer am intellektuellen Mainstream orientierten Selbstverwirklichung. Die ist ja gar keine. Keine Spur von Individualität, keine Spur von kreativer Lebensweggestaltung. Wir sollen uns da alle wiederfinden? Nö. Finden wir nicht. Denn nicht alle gehören den sogenannten Neospießern an, die in jenem Schrieb dargestellt werden. Und, bitte mal ehrlich, wer möchte sich erniedrigen lassen durch einen "Designer" in Fragen der Wohnraumgestaltung? Grade bei Ikea? Das ist hochgradig lachhaft. Und man kann gar nicht über so einen Scheiß lachen, weil er nicht lustig ist. Er ist miefig und kleinkariert. Da beschreibt einer seine Reduktion in die Gewöhnlichkeit und will, dass andere das humorig finden. Aufgemerkt! Das geht nicht, weil es langeweilig ist. Bis zum Rülpsen langweilig. Da rechtfertigt einer sein Spießertum. Ach, geh doch in deinen Schrebergarten, da findest du Aufnahme. Warum so völlig dämliche Bücher veröffentlicht werden, ist ein Mysterium. Du merkst, du wirst ein Spießer? Dann bekenn' dich dazu oder tu was! Hat er ja getan, ohne es zu wissen. Also das Tun, nicht das Bekennen. Zum Reiern, die Progressiven, die irgendwann auch das Bürgerliche Leben progressiv nennen. Komisch, das.
02.06.2008 15:52 Uhr
von Rose M.:
Diese Form von "Schreibe" liegt derzeit im Trend und ist somit verkäuflich, womit wiederrum das Ikea-Sofa gesichert ist...was spricht dagegen mit der Unbedarftheit einer Generation Geld zu verdienen? Grundsätzlich für den, der es verdient nichts und der Rest ist eben nur neidisch ;D Ok...ich arbeite jetzt einmal weiter an meinem Buch über "Rumlungern in Neukölln"
02.06.2008 09:28 Uhr
von anke:
@Andrea F: Mag sein, dass die Welt dieses Buch nicht braucht, aber wie ich Martin Reichert kenne, hat er es auch nicht für die Welt geschrieben. Soll schon Leute gegeben haben, die hatten eine Spießer-Phobie und hätten im Traum nicht geglaubt, dass man Garten, Reihenhaus, Blagen (schreibt man die nicht mit P?) und Familienkutsche sowie die diversen Versicherungsvertreter überleben kann, wenn sie einen unerwartet überrollen - bis es ihnen jemand glaubhaft versichert hat. He, warum denn so verkniffen, Leute? Bleibt doch mal locker! Er will doch nur spielen!
01.06.2008 23:21 Uhr
von wodenn:
Klassischer Fall von "Man sollte nicht von sich auf andere schließen"... aber hyperprovokant die Lesung im Berghain und die Bionade und der Kaffe mit Milch auf italienisch und der befreundete Innenarchitekt. Respekt, Herr Autor. Und viel Spaß im Ikea-Himmel.
01.06.2008 21:43 Uhr
von anke:
... und noch ein Spruch von Oma: Getroffene Hunde bellen. Vielleicht ist es das, was der (ewigen) Jugend von heute fehlt: jegliche Fähigkeit, über sich selbst auch nur zu schmunzeln. Bin mir nicht sicher, dass ich eine Zukunft noch erleben will, die von verkniffenen Frühvergreisten gemacht wird.
01.06.2008 20:35 Uhr
von rheinelbe:
Seichter Text samt leichter Ironie fast ohne tiefergehende Reflexion. Dazu die leichtsinnige Rechtfertigung bestehender Verhältnisse, da man ja sowieso angeblich nichts machen kann: Als ob's so einfach wäre. Das verbindende Uraltthema: Wie wird man nur erwachsen? Die meisten Leute werden es doch gar nicht! Und dabei bleibt's!
01.06.2008 10:37 Uhr
von Andrea F.:
Das X-te Buch zum Thema Generation Golf kann und will einfach nicht erwachsen werden, wie immer hübsch auf lustig getrimmt, natürlich mit leicht zynisch-humoristischen Unterton und der Botschaft:
das Reihenhaus mit Garten und zwei Blagen inklusive Ikea-Einrichtung und Familienkutsche in der Einfahrt nebst Lebens-und Altersvorsorge ist das ZEICHEN DES ERWACHSENEN BÜRGERS.
Gott bewahre, bin ich angeödet!
Rubrik: Bücher, die die Welt nicht braucht.
31.05.2008 18:39 Uhr
von Christian:
Wegwerfsocken scheinen gar nicht so selten zu sein. Die Waschanleitung von PUMA-Söckchen enthält neuerdings den Hinweis "Wash when dirty". Nicht zu fassen !
31.05.2008 17:16 Uhr
von Daniel N.:
Vielen Dank für die Blumen. Eine Predigt mehr, die die Abgestürzten und Ausgebrannten meiner Generation zum ein-bißchen-sich-zusammenreißen ermuntert....im Grunde klingt es wie Kurt Beck im letzten Jahr: "Wir können nichts für euch tun, aber wir laden euch ein, bei uns mitzumachen".
31.05.2008 14:13 Uhr
von Joe:
Als Mercedes Bunz vor einigen Jahren als Erste über "urbane Penner" schrieb, war das ja noch amüsant. Heute sind diese neokonservativ angehauchten Traktate in etwa so originell wie seinerzeit Omas "Junge, du musst dir mal wieder die Haare schneiden" Sprüche. Da der Autor sich lieber mit Stilfragen beschäftigt, als den Wirtschaftsteil in der Zeitung zu lesen, ist ihm ein kleines, aber wichtiges Detail entgangen: Inzwischen sind die Einstiegsbarrieren für IRGEND EINE anständig bezahlte Festanstellung fast genauso hoch wie für einen so gennanten "Traumjob" im Medienbereich. Viele Angehörige der "Generations Umhängetasche" haben das kapiert. Und machen konsequenterweise das, worauf sie Lust haben. Die 'Karriere' als unterbezahlter, chronisch gestresster Referendar in Osnabrück überlassen sie gerne Herrn Reichert und Konsorten.
31.05.2008 13:18 Uhr
von Borja Mari:
Was für ein ätzender Artikel voller negativer Gefühle... warscheinlich zu bewölkt in Berlin?
31.05.2008 09:31 Uhr
von Randa:
Ein unterhaltsamer Text, vom Anfang, bis zur Mitte – dann die Erkenntnis, einfach alles zu lang, für das, was gesagt werden will. Schade, ich hatte nicht mehr Zeit ... muss jetzt weg.
31.05.2008 03:18 Uhr
von Millenium!:
Jaja, die neue CDU-taz, das gefällt ihr. Aber diese Art Ironie ist ja sowas von nineties...
Und was ist darin verpackt?
"Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott. Trautes Heim, Glück allein. Sei sittsam und bescheiden wie das Veilchen im Moose allein, nicht wie die stolze Rose, die immer bewundert will sein." usw., die in Fraktur gestickten Weisheiten unserer Großeltern. Wäre da nicht die eine Spitze gegen die Werber, man könnte meinen, eine INSM-Broschüre zu lesen. Adressiert an narzistisch-vereinzelte Splitterindividuen, die Thatchers Maxime verinnerlicht haben: "There is no such thing as an society". "Jeder bist seines Glückesschmied." Tschakka. Aber warum sollen da denn jetzt alle mitmachen, nur weil der Autor jetzt 34 ist? Mit 24 hat er dann wohl seinen Altersgenossen diktiert, sich riesige Sonnenbrillen und Macbooks zu besorgen, und damit dann nach Berlin zu reisen, weil das gerade das neue Riesending sei?
Vielleicht sollte man sich ja als digitale Boheme, die es Arbeit nennt, usw., eher mal darum kümmern, dass die krassen Einkommens- und Eigentumsunterschiede sich mal ändern. Also Politik. Etwas mehr Gleichmacherei vielleicht, z.b. ein Grundeinkommen. Der Kuchen, den alle backen, wird ja eher komisch verteilt. Und Finanzkrisen fallen ja auch nicht vom Himmel.
31.05.2008 02:31 Uhr
von Kata S.:
Was für ein furchtbares Kapitel! Ein frustrierter Ex-Kaffeehaus-Sitzer, der nun versucht mit Pseudolebenshilfe-Belletristik seine ach so erwachsene Ikea-Schrankwand und die Disneyfilmsammlung seiner Kinder zu finanzieren? Das braucht die Welt! Und ganz besonders die Welt der 25-40jährigen! Zahlreiche Exemplare der Generation, mit der hier abgerechnet wird, leben durchaus gut von ihrer Apple-Arbeit, eigene private Rentenvorsorge inklusive. Und dass, obwohl sie sich in Ihrer Freizeit auch gerne mal Folgen von 24 anschauen - und obwohl das Haus in der Pampa mit Audi davor, dessen Lack gerade von den schreienden Kindern der Nachbarn ruiniert wurde, nicht zwingend zur Erfüllung ihres Lebens gehören.
Warum sich von einem, der es nicht mag, Zweifel einreden lassen an einem Leben, dass gut so ist, wie es ist?!
Für das 10 Euro teure Altpapier sollte man lieber in Ruhe nach einem erfolgreich abgeschlossenen Projekt vier Mal Milchkaffee trinken gehen und sich so einen schönen Tag machen!
31.05.2008 00:28 Uhr
von Peter H.:
Über 30 oder nicht, schmelzender Mittelstand hin oder her: wer mit einem Einrichtungsberater stundenlang durch IKEA zieht und sich in dieser Zeit so gut wie eine komplette Wohnungseinrichtung zusammenklaubt, stellt sich nun wirklich ein Armutszeugnis aus.
31.05.2008 00:09 Uhr
von Nacho Z.:
Traurig so einen Artikel lesen zu müssen, der hinter rhetorischen Mätzchen vor allem eines durchblicken lässt: Verzweiflung einer in Stagnation (oder ist es schon die Dekadenz) verdaddelnden Generation in einem Land, in der alles als "Herz und Hand" gefragt sind...
Selbst schuld, wer die Zeichen der Zeit nicht erkennt...wir, die wir das schon länger bemerkt haben, haben schon seit längerem das Land verlassen...Brain Drain eben...gibt andere Gesellschaften mit mehr Hoffnung, realen Problemen, mit "Herz und Hand"...designt doch euren Abgang weiter in good old Germany...Winke, Winke!
30.05.2008 23:27 Uhr
von California Secession!:
Aw! Mr Reichert! You're trying so hard to hide it, but... You're so smug. And free from any real trouble. This is just ober corrupt. Count your blessings.
30.05.2008 14:36 Uhr
von Lukas K.:
"Die Zeugen Jehovas jedoch rechnen zwar jeden Tag mit der Apokalypse, bauen aber trotzdem einen Königreichssaal nach dem anderen. Auf soliden Fundamenten."
Grundsätzlich falsch, denn Zeugen Jehovas rechen mit keiner Apokalypse, es ist gut möglich, dass die Anbetungsstätten erhalten bleiben. Informieren, bevor man solche Dinge verbreitet, würde nicht schaden...
Leserkommentare
29.07.2008 12:15 Uhr
von jens:
Als überzeugter taz-Nichtleser bin ich im Internet zufällig über diesen Artikel gestolpert, der mich positiv überrascht hat. Nicht überrascht, aber amüsiert haben mich allerdings die trotzig-empörten Kommentare derjenigen, die Herr Reichert in seinem Buch so überaus treffend beschreibt und denen er erfolgreich den Spiegel vorhält. Die sind ja nicht nur nicht spießig, sondern auch noch völlig humorlos!
12.07.2008 22:54 Uhr
von nora:
Ich weiß ja nicht was ich trauriger finden soll. Das Buch oder die Kommentare dazu.
Ich lach am besten über beides damit ich nicht weinen muss.
Ich finde den Rückzug ins Spießbürgertum sehr traurig den es ist meiner Meinung nach nicht mehr als die Flucht vor der Grausamkeit in der Welt und dem Verfall der Gesellschaft in der nur noch Prestige zählt, sowie der Drogenkonsum der Jugend.
Der Versuch eine heile Welt aufzubauen in der man endlich den Sinn des Lebens, nämlich die Reproduktion der Art, erfüllen kann.
Wann betrachtet ihr endlich wieder den Menschen?
Wann hört ihr endlich wieder auf in Geld zu denken?
Wann entwickelt sich die Menschheit endlich wieder weiter?
Oder ist es wahr das die Evolution außer Kraft gesetzt wurde bei der Art Mensch?
Warum stehen wir immer noch nicht alle auf der Straße und schreien?
Seht ihr denn nicht wie krank diese Welt ist?
Woher kommen denn die steigenden Zahlen der Psychisch erkrankten?
Aber nein. Ist in Ordnung. Was Interessiert mich die Welt wenn ich ich mich darum kümmern sollte das die Kissen farblich auf jeden Fall mit den Vorhängen harmonieren damit mein Besuch einen guten Eindruck von mit bekommt.
Ist auf jeden Fall wichtiger.
Aber vielleicht hört ihr mal endlich auf zu jammern und zu schreiben und nehmt eine Hacke in die Hand und helft einem Bauern bei der Saat der immerhin dafür Verantwortlich ist das Ihr etwas zu Essen einkaufen könnt von eurem Geld das ihr ja so hart verdienen müsst.
Werdet endlich genügsam und dankbar dafür das ihr überhaupt Leben dürft und nicht wie andere jeden Tag aufs neue um euer Überleben Kämpfen müsst.
Fangt endlich an zu handeln und hört auf euch selbst zu bemitleiden.
10.07.2008 18:31 Uhr
von uwe fischer:
Hallo Martin,
da ich die von Dir erreichte Phase des Siezens schon wieder hinter mir habe, indem ich in der von Dir viel besungenen und als möglichst schnell und reibungslos zu erreichenden Endpunkt der bunten Umhängetaschengeneration, der Erwachsenenwelt nämlich, bereits angekommen bin und dir aus eigener Erfahrung glaubhaft versichern kann, dass bei Erwachsene unter Ihresgleichen auf Augenhöhe das Du durchaus nicht unüblich ist.
Es ist der Zeitpunkt im Leben, in dem man wieder ungeniert mit seiner Mutter zum Essen gehen kann oder sogar in den Urlaub fahren kann (allerdings lädt man sie ein ), ohne dass einen das Stigma des Hotel Mama ereilt.
Aber das nur als Opener. Dein Buch, Generation Umhängetasche, habe ich überflogen und stimme den meisten Statements durchaus zu. Überraschend fand ich aber die soziologischen Erkenntnisse über die Lebensweise einer verlängerten Jungend nicht. Dies ist das zwangsläufige Ergebnis und Nachhall der Erbengeneration des Wirtschaftswunders, der sich zum erstem mal in der Weltgeschichte eines breiten in allen Grundbedürfnissen abgesicherten und durch die ahnungsvollen Vorbeben des am Horizont bereits sichtbaren unvermeidlichen Abstiegs entsprechend unzufriedenen Mittelsstands erfreut. Noch nie war die Summe von Wohlstand Bildung und Sicherheit höher. Jeder Studienanfänger kann ohne größere Aufwendungen einen Wagen Fahren, der noch vor drei Generationen einem Fabrikanten zustand.
Dies sind aber nur Feststellungen von sichtbaren Tatsachen. Was mich mehr interessiert ist die Frage was aus all denen Teilen der Umhängetaschengeneration wurde, die niemals selbige trugen, da sie bereits mit Anfang 20 in den Beruf gingen. Ich meine jetzt nicht die klassischen Klein, welche ihr Leben zwischen Schrebergarten und Feuerwehrfesten zelebrieren, sondern den Teil, der die Umhängetaschenphase schlichtweg verpasst hat. Sei es weil sie zu spät dran waren, weil es Alternativen gab, oder wie auch immer.
Wie schlägt sich dies entwicklungspsychologisch im Lebenslauf nieder? Gibt es einen Entwicklungs- Rückgriff auf verpasste Lebensphasen? Metamorphiert der Mensch zu einer höheren Stufe des Daseins ? Was wird aus den Jugendlichen die nie eine Jugend hatten?
Meiner Erfahrung nach können Lebensphasen nicht wirkungsvoll ohne Schäden unterdrückt, sondern nur aufgearbeitet werden. Erst wenn der Kelch bis zum letzten Tropfen geleert ist entsteht im Kopf die Einsicht der Möglichkeit des Loslassens.
LG Uwe
03.06.2008 15:10 Uhr
von Daniel N.:
@anke: Die ätzenden Kommentare zur ironischen Selbstreflektion des Herrn Reichert sind imho vom Neid geprägt. Da schreibt einer davon, dass er es geschafft hat, sich in den bestehenden Verhältnissen einzurichten (wie auch immer) und gibt nun Empfehlungen weiter, wie man's richtig macht. Im Grunde wünscht sich doch jeder, der "spießig" und "bürgerlich" ruft, genau ein solches, weil geordnetes Dasein. Nicht nur Ausländer haben Probleme damit, sich in die Gesellschaft zu integrieren. Je mehr sich die gesellschaftliche Situation zuspitzt, desto härter wird ein Fehltritt bestraft bzw. desto schwieriger wird der Zugang zur goldenen Mitte. Eines haben viele von denen "drinnen" und denen "draußen" leider gemeinsam: sie bespucken sich gegenseitig.
02.06.2008 22:10 Uhr
von Peter v. K.:
Also echt, Henry Miller hat vorausgesagt, dass in der Zukunft Literatur aus den Tagebüchern von Schreibenden bestünde. Andy Warhol! Aber haben die damit gemeint, dass ein Spießbürger die Dokumentation der Verwirklichung, die Manifestation seiner Spießbürgerlichkeit veröffentlicht? Das Machwerk dokumentiert die Langeweile und Ideenlosigkeit einer am intellektuellen Mainstream orientierten Selbstverwirklichung. Die ist ja gar keine. Keine Spur von Individualität, keine Spur von kreativer Lebensweggestaltung. Wir sollen uns da alle wiederfinden? Nö. Finden wir nicht. Denn nicht alle gehören den sogenannten Neospießern an, die in jenem Schrieb dargestellt werden. Und, bitte mal ehrlich, wer möchte sich erniedrigen lassen durch einen "Designer" in Fragen der Wohnraumgestaltung? Grade bei Ikea? Das ist hochgradig lachhaft. Und man kann gar nicht über so einen Scheiß lachen, weil er nicht lustig ist. Er ist miefig und kleinkariert. Da beschreibt einer seine Reduktion in die Gewöhnlichkeit und will, dass andere das humorig finden. Aufgemerkt! Das geht nicht, weil es langeweilig ist. Bis zum Rülpsen langweilig. Da rechtfertigt einer sein Spießertum. Ach, geh doch in deinen Schrebergarten, da findest du Aufnahme.
Warum so völlig dämliche Bücher veröffentlicht werden, ist ein Mysterium.
Du merkst, du wirst ein Spießer? Dann bekenn' dich dazu oder tu was!
Hat er ja getan, ohne es zu wissen. Also das Tun, nicht das Bekennen.
Zum Reiern, die Progressiven, die irgendwann auch das Bürgerliche Leben progressiv nennen.
Komisch, das.
02.06.2008 15:52 Uhr
von Rose M.:
Diese Form von "Schreibe" liegt derzeit im Trend und ist somit verkäuflich, womit wiederrum das Ikea-Sofa gesichert ist...was spricht dagegen mit der Unbedarftheit einer Generation Geld zu verdienen? Grundsätzlich für den, der es verdient nichts und der Rest ist eben nur neidisch ;D Ok...ich arbeite jetzt einmal weiter an meinem Buch über "Rumlungern in Neukölln"
02.06.2008 09:28 Uhr
von anke:
@Andrea F: Mag sein, dass die Welt dieses Buch nicht braucht, aber wie ich Martin Reichert kenne, hat er es auch nicht für die Welt geschrieben. Soll schon Leute gegeben haben, die hatten eine Spießer-Phobie und hätten im Traum nicht geglaubt, dass man Garten, Reihenhaus, Blagen (schreibt man die nicht mit P?) und Familienkutsche sowie die diversen Versicherungsvertreter überleben kann, wenn sie einen unerwartet überrollen - bis es ihnen jemand glaubhaft versichert hat. He, warum denn so verkniffen, Leute? Bleibt doch mal locker! Er will doch nur spielen!
01.06.2008 23:21 Uhr
von wodenn:
Klassischer Fall von "Man sollte nicht von sich auf andere schließen"... aber hyperprovokant die Lesung im Berghain und die Bionade und der Kaffe mit Milch auf italienisch und der befreundete Innenarchitekt. Respekt, Herr Autor. Und viel Spaß im Ikea-Himmel.
01.06.2008 21:43 Uhr
von anke:
... und noch ein Spruch von Oma: Getroffene Hunde bellen. Vielleicht ist es das, was der (ewigen) Jugend von heute fehlt: jegliche Fähigkeit, über sich selbst auch nur zu schmunzeln. Bin mir nicht sicher, dass ich eine Zukunft noch erleben will, die von verkniffenen Frühvergreisten gemacht wird.
01.06.2008 20:35 Uhr
von rheinelbe:
Seichter Text samt leichter Ironie fast ohne tiefergehende Reflexion. Dazu die leichtsinnige Rechtfertigung bestehender Verhältnisse, da man ja sowieso angeblich nichts machen kann: Als ob's so einfach wäre. Das verbindende Uraltthema: Wie wird man nur erwachsen?
Die meisten Leute werden es doch gar nicht!
Und dabei bleibt's!
01.06.2008 10:37 Uhr
von Andrea F.:
Das X-te Buch zum Thema Generation Golf kann und will einfach nicht erwachsen werden, wie immer hübsch auf lustig getrimmt, natürlich mit leicht zynisch-humoristischen Unterton und der Botschaft:
das Reihenhaus mit Garten und zwei Blagen inklusive Ikea-Einrichtung und Familienkutsche in der Einfahrt nebst Lebens-und Altersvorsorge ist das ZEICHEN DES ERWACHSENEN BÜRGERS.
Gott bewahre, bin ich angeödet!
Rubrik: Bücher, die die Welt nicht braucht.
31.05.2008 18:39 Uhr
von Christian:
Wegwerfsocken scheinen gar nicht so selten zu sein. Die Waschanleitung von PUMA-Söckchen enthält neuerdings den Hinweis "Wash when dirty".
Nicht zu fassen !
31.05.2008 17:16 Uhr
von Daniel N.:
Vielen Dank für die Blumen. Eine Predigt mehr, die die Abgestürzten und Ausgebrannten meiner Generation zum ein-bißchen-sich-zusammenreißen ermuntert....im Grunde klingt es wie Kurt Beck im letzten Jahr: "Wir können nichts für euch tun, aber wir laden euch ein, bei uns mitzumachen".
31.05.2008 14:13 Uhr
von Joe:
Als Mercedes Bunz vor einigen Jahren als Erste über "urbane Penner" schrieb, war das ja noch amüsant. Heute sind diese neokonservativ angehauchten Traktate in etwa so originell wie seinerzeit Omas "Junge, du musst dir mal wieder die Haare schneiden" Sprüche. Da der Autor sich lieber mit Stilfragen beschäftigt, als den Wirtschaftsteil in der Zeitung zu lesen, ist ihm ein kleines, aber wichtiges Detail entgangen: Inzwischen sind die Einstiegsbarrieren für IRGEND EINE anständig bezahlte Festanstellung fast genauso hoch wie für einen so gennanten "Traumjob" im Medienbereich. Viele Angehörige der "Generations Umhängetasche" haben das kapiert. Und machen konsequenterweise das, worauf sie Lust haben. Die 'Karriere' als unterbezahlter, chronisch gestresster Referendar in Osnabrück überlassen sie gerne Herrn Reichert und Konsorten.
31.05.2008 13:18 Uhr
von Borja Mari:
Was für ein ätzender Artikel voller negativer Gefühle... warscheinlich zu bewölkt in Berlin?
31.05.2008 09:31 Uhr
von Randa:
Ein unterhaltsamer Text, vom Anfang, bis zur Mitte – dann die Erkenntnis, einfach alles zu lang, für das, was gesagt werden will. Schade, ich hatte nicht mehr Zeit ... muss jetzt weg.
31.05.2008 03:18 Uhr
von Millenium!:
Jaja, die neue CDU-taz, das gefällt ihr. Aber diese Art Ironie ist ja sowas von nineties...
Und was ist darin verpackt?
"Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott. Trautes Heim, Glück allein. Sei sittsam und bescheiden wie das Veilchen im Moose allein, nicht wie die stolze Rose, die immer bewundert will sein." usw., die in Fraktur gestickten Weisheiten unserer Großeltern. Wäre da nicht die eine Spitze gegen die Werber, man könnte meinen, eine INSM-Broschüre zu lesen. Adressiert an narzistisch-vereinzelte Splitterindividuen, die Thatchers Maxime verinnerlicht haben: "There is no such thing as an society". "Jeder bist seines Glückesschmied." Tschakka. Aber warum sollen da denn jetzt alle mitmachen, nur weil der Autor jetzt 34 ist? Mit 24 hat er dann wohl seinen Altersgenossen diktiert, sich riesige Sonnenbrillen und Macbooks zu besorgen, und damit dann nach Berlin zu reisen, weil das gerade das neue Riesending sei?
Vielleicht sollte man sich ja als digitale Boheme, die es Arbeit nennt, usw., eher mal darum kümmern, dass die krassen Einkommens- und Eigentumsunterschiede sich mal ändern. Also Politik. Etwas mehr Gleichmacherei vielleicht, z.b. ein Grundeinkommen. Der Kuchen, den alle backen, wird ja eher komisch verteilt. Und Finanzkrisen fallen ja auch nicht vom Himmel.
31.05.2008 02:31 Uhr
von Kata S.:
Was für ein furchtbares Kapitel! Ein frustrierter Ex-Kaffeehaus-Sitzer, der nun versucht mit Pseudolebenshilfe-Belletristik seine ach so erwachsene Ikea-Schrankwand und die Disneyfilmsammlung seiner Kinder zu finanzieren? Das braucht die Welt! Und ganz besonders die Welt der 25-40jährigen! Zahlreiche Exemplare der Generation, mit der hier abgerechnet wird, leben durchaus gut von ihrer Apple-Arbeit, eigene private Rentenvorsorge inklusive. Und dass, obwohl sie sich in Ihrer Freizeit auch gerne mal Folgen von 24 anschauen - und obwohl das Haus in der Pampa mit Audi davor, dessen Lack gerade von den schreienden Kindern der Nachbarn ruiniert wurde, nicht zwingend zur Erfüllung ihres Lebens gehören.
Warum sich von einem, der es nicht mag, Zweifel einreden lassen an einem Leben, dass gut so ist, wie es ist?!
Für das 10 Euro teure Altpapier sollte man lieber in Ruhe nach einem erfolgreich abgeschlossenen Projekt vier Mal Milchkaffee trinken gehen und sich so einen schönen Tag machen!
31.05.2008 00:28 Uhr
von Peter H.:
Über 30 oder nicht, schmelzender Mittelstand hin oder her: wer mit einem Einrichtungsberater stundenlang durch IKEA zieht und sich in dieser Zeit so gut wie eine komplette Wohnungseinrichtung zusammenklaubt, stellt sich nun wirklich ein Armutszeugnis aus.
31.05.2008 00:09 Uhr
von Nacho Z.:
Traurig so einen Artikel lesen zu müssen, der hinter rhetorischen Mätzchen vor allem eines durchblicken lässt: Verzweiflung einer in Stagnation (oder ist es schon die Dekadenz) verdaddelnden Generation in einem Land, in der alles als "Herz und Hand" gefragt sind...
Selbst schuld, wer die Zeichen der Zeit nicht erkennt...wir, die wir das schon länger bemerkt haben, haben schon seit längerem das Land verlassen...Brain Drain eben...gibt andere Gesellschaften mit mehr Hoffnung, realen Problemen, mit "Herz und Hand"...designt doch euren Abgang weiter in good old Germany...Winke, Winke!
30.05.2008 23:27 Uhr
von California Secession!:
Aw!
Mr Reichert!
You're trying so hard to hide it, but...
You're so smug.
And free from any real trouble.
This is just ober corrupt.
Count your blessings.
30.05.2008 14:36 Uhr
von Lukas K.:
"Die Zeugen Jehovas jedoch rechnen zwar jeden Tag mit der Apokalypse, bauen aber trotzdem einen Königreichssaal nach dem anderen. Auf soliden Fundamenten."
Grundsätzlich falsch, denn Zeugen Jehovas rechen mit keiner Apokalypse, es ist gut möglich, dass die Anbetungsstätten erhalten bleiben. Informieren, bevor man solche Dinge verbreitet, würde nicht schaden...