Vor der Demo am Sonntag

Der Verteidiger Israels

Benjamin Krüger geht zur Pro-Israel-Demo, weil er zeigen will, dass Juden und Israelis in Deutschland nicht alleine sind. Proteste sind angekündigt. Krüger hofft, dass nichts passiert.von ANJA MAIER

Benjamin Krüger wird hingehen. Er wird sich am Sonntagnachmittag auf den Weg zum Breitscheidplatz machen, um dort seine Solidarität mit Israel zu demonstrieren. Er, der Deutsche, wird sich unter die Teilnehmer mischen, tausend werden erwartet. Einer wird er sein: Benjamin Krüger aus Neukölln.

Während die Weltöffentlichkeit fassungslos auf die Toten und Verletzten im Gazastreifen schaut, während in Berlin fast täglich aufgebrachte Palästinenser gegen Israel demonstrieren, werben die Initiatoren der Demonstration in Charlottenburg für Israels Recht auf Selbstverteidigung. "Legitim und kein Verbrechen" sei der Krieg in Gaza, steht in dem Demo-Aufruf der Jüdischen Gemeinde, der Fotografin Sharon Adler sowie von Avi Efroni, den Betreiber der Website derberliton.de. Die Hamas trage "die Verantwortung für das Leid auf beiden Seiten".

Eine Haltung, die man provokant nennen kann in der aufgeheizten Stimmung dieser Tage. Und mutig. Denn kaum war der Aufruf zur Pro-Israel-Demo öffentlich, wurden die Namen und Privatadressen der Initiatoren steckbriefgleich bei Studi.VZ veröffentlicht. Die Jüdische Gemeinde wandte sich an den Staatsschutz (die taz berichtete).

Benjamin Krüger will zeigen, dass Juden, Israelis in Deutschland nicht allein sind. Dass sie ein Recht auf freie Meinungsäußerung haben wie jeder andere auch. Ja, sagt er, die Position der Initiatoren sei "mutig", aber es sei höchste Zeit, der antiisraelischen Stimmungsmache in Berlin etwas entgegenzusetzen. Am letzten Wochenende hat der 26-Jährige erlebt, wie am Pariser Platz Palästinenser gegen den Krieg im Gazastreifen demonstrierten. "Das war unterirdisch", sagt er, "da wurde ,Tod Israel!' gerufen, Olmert mit Hitler verglichen. Das delegitimiert solche Proteste."

Krüger kennt Israel gut. Während seines Sozialpädagogikstudiums, mit 21 Jahren, hat er in einem Tel Aviver Krankenhaus ein Praktikum gemacht. Er betreute dort Amputierte, von denen manche durch Attentate Arme oder Beine verloren hatten. Er hat mit Schoah-Überlebenden gesprochen, die Gedenkstätte Jad Vaschem besucht. Danach wusste er, was es mit der besonderen Verantwortung der Deutschen gegenüber dem jüdischen Staat auf sich hat. Als er nach Berlin zurückkehrte, trat er in die PDS ein, im Mai 2007 gründete er mit anderen jungen Linken "BAK Shalom".

Der Bundesarbeitskreis bezeichnet sich auf seiner Website als "Plattform gegen Antisemitismus, Antizionismus, Antiamerikanismus und regressiven Antikapitalismus". Das ist schönstes Bewegungssprech, Benjamin Krüger sagt es einfacher: "Antizionistische, auch antisemitische Verhaltensmuster und Auffassungen haben Tradition in der Linken. Aber die Welt ist komplizierter geworden." Natürlich sei der Krieg in Gaza "scheiße, ein militärischer Einsatz ist immer das Schlechteste". Aber die Romantisierung des palästinensischen Widerstandes sei auch falsch, "die Hamas ist schließlich eine Terrororganisation".

Dass bei der Invasion der israelischen Armee zahllose Zivilisten sterben, dass in den Angehörigen der Bewohner des Gazastreifens hilflose Wut hochkocht, "das kann ich nachvollziehen". Aber die Schuld dafür sieht er bei der Hamas, die sich hinter den Zivilisten verstecke und auf die sich die Palästinenser dummerweise eingelassen hätten. Hier, an der Hoffnungslosigkeit der Menschen, die seit drei Wochen gezwungen sind, im Kriegsgebiet auszuharren, sieht er auch "eine Verantwortung Israels".

Er hofft, das dieser Krieg bald beendet wird, dass das Sterben aufhört. Dass es seit Mittwoch dreistündige Kampfpausen gibt, um die eingeschlossenen Menschen mit dem Nötigsten zu versorgen, empfindet er als Erfolg der Diplomatie. "Jetzt muss es um eine Zukunft gehen", sagt er, "um eine Option nach Hamas."

Deshalb und für Israels Recht auf Selbstverteidigung wird er am Sonntag zum Breitscheidplatz fahren. Dass auch Gegendemonstranten kommen werden, weiß er. Er hofft aber, "dass nichts passiert".

Damals in Israel ist er einmal mit dem Bus von Tel Aviv quer durch die Negev-Wüste ans Rote Meer gereist. Kurz vor Eilat wurde das Fahrzeug umgeleitet, es hatte einen Anschlag gegeben - auf den Bus, der nur eine Stunde zuvor losgefahren war.

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