• 23.03.2010

Von Ruanda nach Deutschland und zurück

Der falsche Flüchtling

Innocent Irankunda bat um Asyl in Deutschland, wurde abgeschoben und sitzt jetzt in Kigali im Knast. Der Fall hat Menschenrechtler erbost. Doch die Wahrheit kann komplizierter sein.von S. Schlindwein

  • 29.03.2010 23:26 Uhr

    von Johanna:

    Was möchte uns die Autorin mit dem Text sagen? Gut, es ist ganz interessant, so einen Hergang nachvollziehen zu können (dabei hilft der Artikel allerdings nicht wirklich). Aber soll das heißen, Irankunda hat das deutsche Asylrecht, oder besser, den deutschen Staat betrogen, weil er falsche Angaben gemacht hat? Wenn das überhaupt so ist. Und ist das etwa neu, dass Flüchtlinge / Migranten / Migrationswillige falsche Angaben machen? Ist das verwerflich? Ich empfinde es nicht als verwerflich. Wenn die Einreise anders nicht möglich ist, Leben in Deutschland für einen Menschen aus Ruanda, warum nicht? Er hat ja immerhin nicht fälschlich behauptet, gefoltert und geknechtet worden zu sein. Dann hätte man vielleicht über (fehlende) Moral sprechen können. Aber so? Ich weiß nicht, zu welchem Zweck dieser Artikel geschrieben wurde und was er beim Leser bewirken möchte. Das, was ich glaube, was ich nach Lektüre des Textes denken soll - es ist richtig, dass Irankunda ausgewiesen wurde - finde ich traurig.

  • 29.03.2010 04:19 Uhr

    von brinkmeier:

    Warum habe ich beim Lesen des Artikels "Falscher Flüchtling" ein ungutes Gefühl?

    Weil es für mich relativ einfach ist in andere Länder zu reisen?
    Weil mir im Ausland schon einmal eine Arbeit angeboten wurde und ich die Gelegenheit wahrgenommen habe, dort etwas mehr als in Deutschland zu verdienen?
    Dabei ging es mir in Deutschland gar nicht schlecht.

    Innocent Irankunda ist in einem Land aufgewachsen, in dem das Leben kompliziert ist. Er hat vermutlich Papiere gefältscht, um in Deutschland leben und arbeiten zu können und ist dafür mit vier Jahren Haft bestraft worden.
    Das ist tragisch.

    Die Autorin nimmt für sich das Privileg in Anspruch im Ausland leben und arbeiten zu können. Der Artikel vermittelt den Eindruck, dass so ein Privileg schon seine Richtigkeit hat. Das finde ich herzlos.

  • 27.03.2010 04:34 Uhr

    von Jorge Videira:

    Welcher Supereuropäer redet da von falschen Lösungen und babbelt von Verrat? Ist der Mitglied in der NPD? Oder arbeitet der für die Ausländerbehörde in einer Stadt mit CDU-Mehrheit? Er sollte erst einmal selber nach Afrika gehen, bevor er so einen kolonialen Nonsens von sich gibt.

    Wenn man eine Lebenserwartung von 40 Jahren hat und vor Hunger stirbt, macht es wohl keinen Unterschied, ob man ein "echter" Flüchtling ist(also vom politischen Feind umgebracht werden kann) oder ein angeblich "unechter" (der dann vor Hunger und Krankheit sterben kann). Man kann sich nur wundern, welcher Leser so etwas schreibt (und dazu noch in der TAZ).

    Im Übrigen hat uns Afrikaner nie jemand gefragt, wie wir unsere Grenzen haben wollten und mit wem wir in einem Staat zusammen leben wollten; das haben die Europäer über unsere Köpfe hinweg getan. Genauso wie sie uns jetzt in neo-kolonialer Art erzählen wollen, wo wir zu leben haben und was für uns und unser Allgemeinwesen besser ist.

  • 25.03.2010 11:22 Uhr

    von Suuna:

    @tribunusplebis:
    Animistische Tutsi? Und wenn sie animistisch sind, sind sie dann Atheisten?
    Ich denke, die meisten sind Katholiken. Auch im Prinzip egal, während dem Genozid haben sich die großen Religionen, einmal abgesehen der islamischen Gemeinden, alle nicht gerade rühmlich verhalten. Allerdings gab es auch auf Protestantischer und Pfingstkirchler-Seite Opfer. Einen Zusammenhang zu dieser Geschichte herzustellen ergibt keinen Sinn.

    Und ob es dir Spaß macht zu helfen ist auch zweitrangig. Man kann zu dem Thema sicher eine kritische Rolle einnehmen, aber deine Argumentation ist allzu einfach. Wenn es nur eine Frage des Willens und der Vaterlandstreue wäre ...

  • 24.03.2010 15:36 Uhr

    von Kai Weber:

    Der Autor setzt sich überhaupt nicht mit der Frage auseinander, warum Irankunda einen Sachverhalt - Dokumentenfälschung - zugibt, der nach deutscher Aktenlage objektiv nicht zutrifft: Es wurden keine gefälschten Dokumente im Asylverfahren oder gegenüber sonstigen Behörden vorgelegt. Insofern ist der Artikel schlecht recherchiert und sehr ärgerlich. Offenkundig ist der Autor auf die ruandische Propaganda hereingefallen. Dass auch Irankunda die offizielle Version der ruandischen Regierung bestätigt, mag seinen Grund auch darin finden, dass Irankunda unter Druck gesetzt wurde und schlicht Angst hat.

  • 24.03.2010 15:35 Uhr

    von Jorge Videira:

    Was Luca sagt ist richtig: der Begriff "falscher Flüchtling" ist der Terminologie der Mainstream- und Boulevardpresse entnommen.

  • 24.03.2010 14:52 Uhr

    von tribunusplebis:

    Wundert mich nicht, daß die Evangelikalen da ihre schmutzigen Finger drin haben, immer haben sie zusammen mit anderen christlichen Konfessionen schon den Völkermord an den animistischen Tutsis unterstützt und als heiligen Krieg gegen den Atheismus verklärt. Da wundert es nicht, wenn sie
    versuchen Opfer ihrer Indoktrination als Helfer und Unterstützung für den Versuch sich in den säkularisierten Ländern einzunisten in die erste
    Welt holen.

    @Luca
    Weil die Flucht bedeutet, daß man die anderen im Stich läßt und sich zu fein ist den schweren Weg zu gehen, sich durchzukämpfen und zu behaupten, sei es nun allein oder zusammen mit anderen. Migration ohne Regeln und Grundlangen bringt nichts als Probleme und nutzt in erster jenen Menschen, die sich am liebsten wie Parasiten benehmen, unabhängig wer mit welcher Hautfarbe oder Religion wohin flieht.

    Unsere Ressourcen langen nicht für 12 Milliarden Menschen, woher nimmt man nur solchen Unsinn. 12 Milliarden Menschen bedeuten, daß selbst in Europa oder den USA der Wohlstand auf präindustrielles Niveau fallen würde. Die Erde kann keine 12 Milliarden Menschen auf dem Niveau der ersten Welt ernähren.

    @Jorge Videira
    Nein, es wäre richtig, wenn die Afrikaner die Entwicklungshilfe nehmen würden und dazu verwenden würden sich von religiösen Extremisten zu lösen und ihre Staaten aufzubauen. Weg mit den Altlasten und her mit dem Willen mit ein wenig Hilfe anderer seine Probleme selbst zu lösen. Die Flucht ist feige und Verrat am eigenen Volk, am eigenen Kontinent und an der gesamten Menschheit.

    Flucht kann und darf nicht die Lösung für Afrika sein, wer flieht belastet andere, denn kaum einer der Flüchtlinge bringt etwas mit, das er dem Ziel seiner Flucht als Gabe des Dankes überlassen kann.

    Afrika kann sich nur selbst retten und verwandeln, man kann Afrika dabei unterstützen, aber solange Aberglauben und Religion bzw. religiöser Extremismus, überalterte kulturelle Relikte und Vorstellungen, instabile Regierungen, gierige Regierungen und co nicht verschwinden und jeder meint, er könne nur glücklich werden, wenn er den Rest Afrikas in der Scheiße sitzen läßt und in der ersten Welt den armen Flüchtling spielt und den Afrikanern, die in der Lage waren sich zu integrieren bzw. etwas zu erreichen die Schau stiehlt.

    Flucht ist in diesem Fall reiner Egoismus und Verrat. Zudem führen solch verlogene Flüchtlinge dazu, daß Asylbewerber, die sich wirklich vor Verfolgung und Repressalien in Sicherheit bringen wollen, als Lügner und Betrüger abgestempelt werden, immerhin kommen auf jeden echten Asylbewerber hunderte Leute, die mit Lug und Trug
    die Milde und Barmherzigkeit anderer ausnutzen wollen. Es macht keinen Spaß zu helfen und freigiebig zu sein, wenn man nur ausgenutzt, belogen und betrogen wird.

    Weder Indien, Südamerika, China, Japan, Indonesien und co wären heute das, was sie sind, wenn sie nicht
    den Willen gehabt hätten sich zu entwickeln. Nicht einmal Europa wäre das, was es heute ist, wenn nicht der Wille gewesen wäre sich selbst aus dem Mist zu ziehen und Veränderungen zuzulassen und durchzuführen.

  • 24.03.2010 10:03 Uhr

    von luca:

    Was ist falsch daran, von einem besseren Leben in einem anderen Land zu träumen? Warum sollte ein anderes Recht für Menschen gelten, die jenseits einer Grenze geboren wurden? Es ist genug für alle da, die Nahrungsmittelproduktion würde bereits heute für 12 Milliarden Menschen reichen!! Grenzen auf für alle!!!

  • 23.03.2010 23:23 Uhr

    von Jorge Videira:

    Jeder, der lange in Afrika gelebt hat, weiß, wie viel Unwahrheiten gutgläubige Journalisten aufgrund ideologischer Voreingenommenheit schreiben können. Hoffentlich ist die/der TAZ-SchreiberIn nicht auf die Propaganda der herrschenden Clique in Ruanda hereingefallen, denn: Zeugenaussagen kann man in Afrika nach Belieben orchestrieren. Es wäre daher gerechter,gegen die restriktive europäische Flüchtlingspolitik zu schreiben, die uns Afrikaner nur sehr begrenzte Möglichkeiten zur Immigration bietet.

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