"ich habe mehr als einmal in meinem leben erlebt, dass eine frau zuerst deutlich nein gesagt hat, sich dann aber durch worte und zärtliche berührungen doch verführen lies und es für beide schön war"
und
"man gilt sozusagen als Freiwild,dem womöglich noch unterstellt wird,dass ihm das doch Spass gemacht hat"
sind häufig lediglich zwei verschiedene wahrnehmungs-, oder aber auch darstellungsweisen der selben situation. sobald der potentielle sexualpartner, ob nun m oder w, ein deutliches "nein" von sich gibt, ist es so oder so vielleicht klüger, auf den sex zu verzichten, und die eigenen verführungskünste für ein anderes mal bzw. für jemand aufzuheben, der sich sicher ist, das auch wirklich zu wollen und auch danach nicht das gefühl haben muss, es sei etwas gegen den eigenen willen aufgenötigt worden.
wenn ich jemanden erst gross überzeugen muss, geht mir ehrlich gesagt auch die lust verloren.
06.09.2010 14:20 Uhr
von einefrau:
@einmann verführung ist doch etwas grundlegend anderes als eine plötzliche überwältigung der frau. ich denke, was es frauen oft schwer macht eigene empfindungen und bedürfnisse wahrzunehmen und zu deuten ist ihr anerzogenes, falsches harmoniebedürfnis. männer können eingeschnappt bis aggressiv auf ablehnung von sex reagieren. die angst der frau vor liebesentzug (bspw. in form von eisigem schweigen) mag da eine rolle spielen, sich dann doch noch auf sex einzulassen, obwohl sie gerade anderes beschäftigt. tatsächlich hat jede 4. - 6. frau in ihrer kindheit sexuellen missbrauch erfahren. eine brutale grenzverletzung, meist von wichtigen männlichen bezugspersonen verübt, wodurch die entwicklung eines gesunden körperlichen bewusstseins, eines erfüllten sexuallebens verhindert oder mindestens verzögert wird. verknüpft mit einer daraus resultierenden selbstwertproblematik kann das dann bis zur sexuellen verwahrlosung gehen, der eigene körper wird objektiviert, sexuelle begegnungen sind flüchtig und flach, befriedigung ist nicht das ziel, sondern (unbewusst) selbstbestrafung und -erniedrigung. die light-version: wahl von groben, sehr eifersüchtigen oder besitzergreifenden partnern, vergewaltigung wird nicht als vergewaltigung erkannt bzw. empfunden und wahrgenommen, ein zur-wehr-setzen ist - wie in der kindheit - nicht möglich. (der aspekt kindlicher sexueller erfahrungen fehlt mir in diesem artikel. da liegt oft der schlüssel für das schweigen der opfer oder auch für die übergriffe der täter.)
ja, lieber einmann, sex als ausdruck von liebe halte ich auch für "das wahre". wenn dann noch wache aufmerksamkeit da ist für die bedürfnisse des/der anderen ist das wohl ein ziemlich "guter weg in schwierigem gelände".
04.09.2010 14:07 Uhr
von Meier & Pöhlmann:
@ der Jean
In dem von ihnen zitierten Text wird niemand persönlich der Täterschaft bezichtigt. Folglich kann auch keine Missachtung der Unschuldsvermutung vor liegen.
Bitte missbrauchen Sie den Begriff Unschuldsvermutung nicht, um eine Diskussion über das Thema einzuschränken.
04.09.2010 07:20 Uhr
von MissNorris:
@ der Jean:Ja,klar,weil Frauen ja scharenweise Schlange stehen vor'm Polizeipräsidium und sich mit Freude einem bestenfalls peinlichem,oft verletzendem Verhör auszusetzen,nur um unschuldige,anständige Männer zu ruinieren.//sarkasmus off//
03.09.2010 17:36 Uhr
von einmann:
auch auf die gefahr hin, dass ich schriftlich prügel beziehe: es gibt zwischen frauen und männern nicht nur schwarz und weiß. ich habe mehr als einmal in meinem leben erlebt, dass eine frau zuerst deutlich nein gesagt hat, sich dann aber durch worte und zärtliche berührungen doch verführen lies und es für beide schön war, auch im nachhinein ohne vorwürfe von seiten der frauen. wenn ich aber den artikel richtig verstehe, hätte ich es nach einer klaren ansage gar nicht mehr versuchen dürfen. eigentlich ist von frau in solch einer situation eindeutigkeit gefordert. so eindeutig kommt es aber nicht immer rüber. und dann ist vom mann besondere sensibilität gefordert. mann muss sich die frage ernsthaft stellen und beantworten: will frau eigentlich auch und tut nur so, als ob nicht - oder möchte frau wirklich nicht und mann würde ihr weh tun, wenn auch vielleicht "nur" psychisch, selbst wenn frau sich körperlich gar nicht wehrt. es gibt eine grauzone, die nur verantwortungsbewusst und vor allem liebevoll ausgefüllt werden kann. man versucht ja im leben auch anderes, aber mein resümee ist: sex geht nur mit liebe. das muss nicht immer völlige monogamie sein. aber ich brauche eine starke emotionale verbindung, keine one night stands. und wenn ich eine frau liebe, wenn ich ihr verbunden bin, will ich ihr nicht weh tun, sondern sie glücklich machen. dann verzichte ich lieber aus liebe auf sex, den ich gern hätte, als die frau unglücklich zu machen und zu sehen. vielleicht ist das ein guter weg in schwierigem gelände?
03.09.2010 17:17 Uhr
von jakob:
Bei den meisten Vergewaltigungen wird eine Konstellation Aussage gegen Aussage vorliegen. Die einzige Möglichkeit, die Verurteilungsquote von Männern hier zu erhöhen, dürfte sein, der Aussage von Frauen vor Gericht mehr Gewicht zuzugestehen... Wollen wir das?
Ich persönlich jedenfalls würde mich freuen, wenn meiner Aussage vor Gericht nicht weniger zählt als die einer Frau...
Denn eines muss klar sein: wenn mehr Männer wegen Vergewaltigung verurteilt werden, dann deswegen weil der Nachweis erleichtert wird, und dann werden zwangsläufig mehr Männer zu Unrecht verurteilt.
Und bei allem Mitleid mit den Opfern: wenn jemandem Unrecht widerfährt, das nicht nachgewiesen werden kann, so sollte es dafür keine rechtlichen Sanktionen geben... Jede Verurteilung muss nachvollziehbar und einigermaßen zweifelsfrei sein; eine Verurteilung aufgrund einer nicht nachweisbaren Anschuldigung ist falsch.
03.09.2010 15:37 Uhr
von WilderWusel:
Wenn so eine Tat an einem begangen wurde hat man meist noch Sätze aus der Kindheit im Hinterkopf ( so eine Schande, man zeigt doch nicht den eigenen Mann an usw.); dadurch hat man erstmal eine Hemmschwelle,die ein rechtliches Vorgehen verhindert.Subtil wirkt auch,dass man/frau im Falle einer Anzeige zum Nestbeschmutzer erklärt wird oder einem nicht geglaubt wird. Gerade in ländlichen Gegenden,wo jeder jeden kennt ist man danach dem Spott ausgesetzt oder andere Männer nehmen sich Rechte raus,die sie sich sonst nicht rausnehmen würden, man gilt sozusagen als Freiwild,dem womöglich noch unterstellt wird,dass ihm das doch Spass gemacht hat. Schön,dass die Frau die Kurve gekriegt hat und fähig war,ein neues Leben anzufangen.
03.09.2010 14:39 Uhr
von der Jean:
"In Stuttgart beispielsweise wurde 2009 in 100 angezeigten Vergewaltigungsfällen 34-mal Anklage erhoben, 28 Verfahren wurden eröffnet, 23 Täter wurden verurteilt. Vier Männer wurden freigesprochen. Nur 13 Prozent der Täter in Deutschland werden laut EU-Studie verurteilt."
Bei solchen Zahlen ist (gerade mit Blick auf die Unschuldsvermutung) vorsicht geboten: Täter ist nur der, der auch verurteilt wird. In nur 13% der Fälle kommt es zu einer Verurteilung. Mehr heißt das nicht.
Leserkommentare
07.09.2010 11:54 Uhr
von Johnny Odenwald:
"ich habe mehr als einmal in meinem leben erlebt, dass eine frau zuerst deutlich nein gesagt hat, sich dann aber durch worte und zärtliche berührungen doch verführen lies und es für beide schön war"
und
"man gilt sozusagen als Freiwild,dem womöglich noch unterstellt wird,dass ihm das doch Spass gemacht hat"
sind häufig lediglich zwei verschiedene wahrnehmungs-, oder aber auch darstellungsweisen der selben situation.
sobald der potentielle sexualpartner, ob nun m oder w, ein deutliches "nein" von sich gibt, ist es so oder so vielleicht klüger, auf den sex zu verzichten, und die eigenen verführungskünste für ein anderes mal bzw. für jemand aufzuheben, der sich sicher ist, das auch wirklich zu wollen und auch danach nicht das gefühl haben muss, es sei etwas gegen den eigenen willen aufgenötigt worden.
wenn ich jemanden erst gross überzeugen muss, geht mir ehrlich gesagt auch die lust verloren.
06.09.2010 14:20 Uhr
von einefrau:
@einmann
verführung ist doch etwas grundlegend anderes als eine plötzliche überwältigung der frau.
ich denke, was es frauen oft schwer macht eigene empfindungen und bedürfnisse wahrzunehmen und zu deuten ist ihr anerzogenes, falsches harmoniebedürfnis. männer können eingeschnappt bis aggressiv auf ablehnung von sex reagieren. die angst der frau vor liebesentzug (bspw. in form von eisigem schweigen) mag da eine rolle spielen, sich dann doch noch auf sex einzulassen, obwohl sie gerade anderes beschäftigt. tatsächlich hat jede 4. - 6. frau in ihrer kindheit sexuellen missbrauch erfahren. eine brutale grenzverletzung, meist von wichtigen männlichen bezugspersonen verübt, wodurch die entwicklung eines gesunden körperlichen bewusstseins, eines erfüllten sexuallebens verhindert oder mindestens verzögert wird. verknüpft mit einer daraus resultierenden selbstwertproblematik kann das dann bis zur sexuellen verwahrlosung gehen, der eigene körper wird objektiviert, sexuelle begegnungen sind flüchtig und flach, befriedigung ist nicht das ziel, sondern (unbewusst) selbstbestrafung und -erniedrigung. die light-version: wahl von groben, sehr eifersüchtigen oder besitzergreifenden partnern, vergewaltigung wird nicht als vergewaltigung erkannt bzw. empfunden und wahrgenommen, ein zur-wehr-setzen ist - wie in der kindheit - nicht möglich. (der aspekt kindlicher sexueller erfahrungen fehlt mir in diesem artikel. da liegt oft der schlüssel für das schweigen der opfer oder auch für die übergriffe der täter.)
ja, lieber einmann, sex als ausdruck von liebe halte ich auch für "das wahre". wenn dann noch wache aufmerksamkeit da ist für die bedürfnisse des/der anderen ist das wohl ein ziemlich "guter weg in schwierigem gelände".
04.09.2010 14:07 Uhr
von Meier & Pöhlmann:
@ der Jean
In dem von ihnen zitierten Text wird niemand persönlich der Täterschaft bezichtigt. Folglich kann auch keine Missachtung der Unschuldsvermutung vor liegen.
Bitte missbrauchen Sie den Begriff Unschuldsvermutung nicht, um eine Diskussion über das Thema einzuschränken.
04.09.2010 07:20 Uhr
von MissNorris:
@ der Jean:Ja,klar,weil Frauen ja scharenweise Schlange stehen vor'm Polizeipräsidium und sich mit Freude einem bestenfalls peinlichem,oft verletzendem Verhör auszusetzen,nur um unschuldige,anständige Männer zu ruinieren.//sarkasmus off//
03.09.2010 17:36 Uhr
von einmann:
auch auf die gefahr hin, dass ich schriftlich prügel beziehe: es gibt zwischen frauen und männern nicht nur schwarz und weiß. ich habe mehr als einmal in meinem leben erlebt, dass eine frau zuerst deutlich nein gesagt hat, sich dann aber durch worte und zärtliche berührungen doch verführen lies und es für beide schön war, auch im nachhinein ohne vorwürfe von seiten der frauen. wenn ich aber den artikel richtig verstehe, hätte ich es nach einer klaren ansage gar nicht mehr versuchen dürfen. eigentlich ist von frau in solch einer situation eindeutigkeit gefordert. so eindeutig kommt es aber nicht immer rüber. und dann ist vom mann besondere sensibilität gefordert. mann muss sich die frage ernsthaft stellen und beantworten: will frau eigentlich auch und tut nur so, als ob nicht - oder möchte frau wirklich nicht und mann würde ihr weh tun, wenn auch vielleicht "nur" psychisch, selbst wenn frau sich körperlich gar nicht wehrt. es gibt eine grauzone, die nur verantwortungsbewusst und vor allem liebevoll ausgefüllt werden kann. man versucht ja im leben auch anderes, aber mein resümee ist: sex geht nur mit liebe. das muss nicht immer völlige monogamie sein. aber ich brauche eine starke emotionale verbindung, keine one night stands. und wenn ich eine frau liebe, wenn ich ihr verbunden bin, will ich ihr nicht weh tun, sondern sie glücklich machen. dann verzichte ich lieber aus liebe auf sex, den ich gern hätte, als die frau unglücklich zu machen und zu sehen. vielleicht ist das ein guter weg in schwierigem gelände?
03.09.2010 17:17 Uhr
von jakob:
Bei den meisten Vergewaltigungen wird eine Konstellation Aussage gegen Aussage vorliegen. Die einzige Möglichkeit, die Verurteilungsquote von Männern hier zu erhöhen, dürfte sein, der Aussage von Frauen vor Gericht mehr Gewicht zuzugestehen... Wollen wir das?
Ich persönlich jedenfalls würde mich freuen, wenn meiner Aussage vor Gericht nicht weniger zählt als die einer Frau...
Denn eines muss klar sein: wenn mehr Männer wegen Vergewaltigung verurteilt werden, dann deswegen weil der Nachweis erleichtert wird, und dann werden zwangsläufig mehr Männer zu Unrecht verurteilt.
Und bei allem Mitleid mit den Opfern: wenn jemandem Unrecht widerfährt, das nicht nachgewiesen werden kann, so sollte es dafür keine rechtlichen Sanktionen geben... Jede Verurteilung muss nachvollziehbar und einigermaßen zweifelsfrei sein; eine Verurteilung aufgrund einer nicht nachweisbaren Anschuldigung ist falsch.
03.09.2010 15:37 Uhr
von WilderWusel:
Wenn so eine Tat an einem begangen wurde hat man meist noch Sätze aus der Kindheit im Hinterkopf ( so eine Schande, man zeigt doch nicht den eigenen Mann an usw.); dadurch hat man erstmal eine Hemmschwelle,die ein rechtliches Vorgehen verhindert.Subtil wirkt auch,dass man/frau im Falle einer Anzeige zum Nestbeschmutzer erklärt wird oder einem nicht geglaubt wird. Gerade in ländlichen Gegenden,wo jeder jeden kennt ist man danach dem Spott ausgesetzt oder andere Männer nehmen sich Rechte raus,die sie sich sonst nicht rausnehmen würden, man gilt sozusagen als Freiwild,dem womöglich noch unterstellt wird,dass ihm das doch Spass gemacht hat.
Schön,dass die Frau die Kurve gekriegt hat und fähig war,ein neues Leben anzufangen.
03.09.2010 14:39 Uhr
von der Jean:
"In Stuttgart beispielsweise wurde 2009 in 100 angezeigten Vergewaltigungsfällen 34-mal Anklage erhoben, 28 Verfahren wurden eröffnet, 23 Täter wurden verurteilt. Vier Männer wurden freigesprochen. Nur 13 Prozent der Täter in Deutschland werden laut EU-Studie verurteilt."
Bei solchen Zahlen ist (gerade mit Blick auf die Unschuldsvermutung) vorsicht geboten: Täter ist nur der, der auch verurteilt wird. In nur 13% der Fälle kommt es zu einer Verurteilung. Mehr heißt das nicht.