Rita Waschbüsch, Mitglied im Zentralkomitee der Katholiken verlangt, dass sich der Vatikan mit seinen Fehlern auseinandersetzt: "Die können nicht machen, was sie wollen".Interview: GEORG LÖWISCH

"Ich sehe meine Kirche nicht als verbockt und verbohrt an." Bild: dpa
taz: Frau Waschbüsch, der Vatikan hat Sie häufig enttäuscht, etwa in der Frage, ob es eine katholische Beratung für Frauen geben soll, die über Abtreibung nachdenken. Verzweifeln Sie nicht an Ihrer Kirche, wenn der Papst den Bischof Williamson rehabilitiert, der den Holocaust leugnet?
Rita Waschbüsch: Ich bin nicht in Gefahr, in die innere Immigration zu gehen. Ich bin mitten in meiner Kirche. Nachdem der Papst die Dinge richtig gestellt hat und Williamson aufgefordert hat zu widerrufen, ist diese schwerwiegende Kapitel so klar, dass man schauen kann, wie es vernünftig weiter geht.
Wie groß ist der Schaden unter den Gläubigen?
Natürlich war das ein Schock. Aber der Streit um die Rehabilitation der Bischöfe hat auch sein Gutes: Die Diskussion, die nun um die Rückkehr der Lefebvre-Leute stattfinden wird, wäre so nicht gekommen. Jetzt geht's erst richtig los. Die Verantwortlichen im Vatikan müssen sich damit auseinandersetzen, dass sie völlig daneben lagen. Dieser frische Wind ist gut.
Der Vorfall zeigt doch wie verbohrt der Vatikan agiert.
Ich sehe meine Kirche nicht als verbockt und verbohrt an. Aber ecclesia semper reformanda, Kirche muss immer in Bewegung bleiben und sich reformieren. In einer Weltkirche muss man dafür sorgen, dass nicht Rückwärtsgewandtes stattfindet. Dafür sind alle verantwortlich, da darf man sich auf keinen Fall abwenden. Für mich ist der Vorfall der Hinweis: Ich muss mich einbringen. Nicht austreten, sondern heftig für Reformen eintreten!
Und dann macht der Papst wieder, was er will.
Falsch. Die können nicht machen, was sie wollen. Das merken Sie an der Klarstellung, die ja in dieser Deutlichkeit etwas Sensationelles für den Vatikan ist. Mich motiviert das: Der Wirbel um die Lefebvre-Leute ist überaus heilsam.
Wiegt das den Schaden auf?
Um Himmels Willen nein, keineswegs. Ich gehöre seit Jahren dem christlisch-jüdischen Gesprächskreis des Zentralkomitees der Katholiken an. Was der verrückte Williamsen angerichtet hat, ist eine Katastrophe. Ich habe schon persönliche Gespräche geführt, in der nächsten Mittwoch trifft sich auch der Gesprächskreis in Bonn. Aber zur Bewertung gehört auch, dass der Fall letztlich die Lefebvrianer in die öffentliche, kirchliche Diskussion rückt. Das ist gut. INTERVIEW: GEORG LÖWISCH
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Leserkommentare
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