"Notleidende Banken" ist das Unwort des Jahres 2008. Es stellt Ursachen und Folgen der Finanzkrise auf den Kopf, sagt die Jury. Und es verhindert eine dringende notwendige Sachdiskussion.von Jette Gindner
Von "notleidenden Papieren", Risiken, Wechseln und Krediten spricht die Finanzbranche (siehe alte Lexika) seit weit über hundert Jahren, neu ist also nur die analoge Übertragung auf Banken. Etwas zu "leiden" bedeutet nur, daß es einem geschieht, nicht daß dieses Geschehen mit Leid verbunden ist. Anders ist das beim "Leiden" ohne Objekt. "Not" oder "Notstand" ist ein Zustand, in dem die Existenz nicht aus eigener Kraft gesichert werden kann, vgl. englisch "need" = Not, aber auch "etwas brauchen" im Sinne von "nötig haben". Dies bezieht man zwar im modernen Sprachgebrauch meist auf Menschen, doch sind andere Bezüge durchaus möglich und gebräuchlich, s. o. Mit Qual, Schmerzen etc. hat die Not rein von der Bedeutung her nichts zu tun. Die Jury hat mit den "notleidenden Banken" also aus den richtigen Gründen das falsche Unwort gewählt. Vielleicht wäre die fürchterliche Beschönigungsphrase von den "in Schieflage geratenen" Banken und Konzernen die bessere Wahl gewesen. Übrigens wurde das Wort "notleidend" durch die Rechtschreibreform 1996 aus der deutschen Sprache getilgt und war nur noch in Verbindung mit Krediten u. ä. zulässig. Erst seit 2006 findet es sich (warum auch immer) wieder im "Duden".
20.01.2009 11:59 Uhr
von Pater Braun:
"Damit habe der ehemalige Bundespräsident Roman Herzog das Schreckbild eines Staates gemalt, in der 'die Alten die Jungen ausplündern'." Ist der Statt mittlerweile zur Frau geworden?
Leserkommentare
24.01.2009 17:26 Uhr
von Michael Sailer:
Von "notleidenden Papieren", Risiken, Wechseln und Krediten spricht die Finanzbranche (siehe alte Lexika) seit weit über hundert Jahren, neu ist also nur die analoge Übertragung auf Banken.
Etwas zu "leiden" bedeutet nur, daß es einem geschieht, nicht daß dieses Geschehen mit Leid verbunden ist. Anders ist das beim "Leiden" ohne Objekt.
"Not" oder "Notstand" ist ein Zustand, in dem die Existenz nicht aus eigener Kraft gesichert werden kann, vgl. englisch "need" = Not, aber auch "etwas brauchen" im Sinne von "nötig haben". Dies bezieht man zwar im modernen Sprachgebrauch meist auf Menschen, doch sind andere Bezüge durchaus möglich und gebräuchlich, s. o. Mit Qual, Schmerzen etc. hat die Not rein von der Bedeutung her nichts zu tun.
Die Jury hat mit den "notleidenden Banken" also aus den richtigen Gründen das falsche Unwort gewählt. Vielleicht wäre die fürchterliche Beschönigungsphrase von den "in Schieflage geratenen" Banken und Konzernen die bessere Wahl gewesen.
Übrigens wurde das Wort "notleidend" durch die Rechtschreibreform 1996 aus der deutschen Sprache getilgt und war nur noch in Verbindung mit Krediten u. ä. zulässig. Erst seit 2006 findet es sich (warum auch immer) wieder im "Duden".
20.01.2009 11:59 Uhr
von Pater Braun:
"Damit habe der ehemalige Bundespräsident Roman Herzog das Schreckbild eines Staates gemalt, in der 'die Alten die Jungen ausplündern'." Ist der Statt mittlerweile zur Frau geworden?