Der Akademische Senat der Uni Bremen bestätigte am Mittwoch seine Friedensliebe. Der Bundeswehr-Zulieferer OHB kann und will dennoch stiften.von Jean-Philipp Baeck

Rund 100 Studierende demonstrierten für die Zivilklausel, dabei war auch der Akademische Senat dafür. Bild: jpb
Dem "Frieden und zivilen Zwecken" soll die Universität Bremen weiterhin verpflichtet sein. Dies wird nun auch in ihre Leitziele aufgenommen. Am Mittwoch bestätigte der Akademische Senat (AS) mit großer Mehrheit die Gültigkeit der "Zivilklausel", wie er sie 1986 formuliert hatte. 18 AS-Mitglieder stimmten dafür, drei einhielten sich. Nur der Studierenden-Vertreter des CDU-nahen RCDS stimmte dagegen. Das Ergebnis ist damit eindeutiger, als die 17:11-Stimmen, mit denen die Zivilklausel einst beschlossen wurde.
Vielleicht deshalb, weil trotz des Beschlusses die umstrittene Stiftungsprofessur der Satelliten-Firma OHB nicht vom Tisch ist. Vor der Abstimmung verkündete Uni-Rektor Wilfried Müller: OHB wolle dem Akademischen Senat alle Freiheit lassen und die Professur unabhängig vom Ergebnis der Debatte finanzieren.
In einem Interview im Juni hatte der OHB Vorstands-Vorsitzende Marco Fuchs dies noch anders dargestellt: "Entweder die Uni ändert ihre Zivilklausel, oder wir lassen die Professur sein", war der Satz, der die Diskussion erst so richtig in Gang brachte.
"Der Kontext der Militärpolitik hat sich grundsätzlich verändert", leitete Müller nun die AS-Debatte ein und erntete schon mit dieser Andeutung Protestpfiffe. Denn über 100 Studierende waren mit Transparenten, Trommeln und Trillerpfeifen in den Sitzungsraum eingezogen. Dessen Wände waren von FriedensaktivistInnen dekoriert worden: "Kriegsforschung ist mordsleicht: Hirn aus, abnicken" stand dort in rosa. Ähnliche Parolen waren auf dem ganzen Campus versprüht worden. Wesentlich weniger kontrovers war dann jedoch die Debatte: KeineR der ProfessorInnen sprach sich für die Abschaffung der Klausel aus. Im Gegenteil: Der Informatiker Ralf Streibl nannte sie "ein Merkmal der Universität, das man auch nach außen tragen kann." Der Physiker Jens Falta legte vertretend für die Fachbereichs-Dekane einen Vorschlag zur Abstimmung vor. Darin allerdings war noch von einer Forschung für "friedliche Zwecke" die Rede. Studierenden-Vertreter Sören Böhrnsen protestierte: Rüstungsforschung sei dadurch nicht ausgeschlossen, Militäreinsätze würden oft als Friedenseinsätze verstanden. Sie einigten sich auf die weitergehenden Variante: "Die Uni fühlt sich dem Frieden und zivilen Zwecken verpflichtet", soll nun auch in den Leitzielen die Richtung für akademischen Entscheidungen vorgeben.
Dies aber ist nur ein moralischer Appell, kein Gesetz. Der Streit, ob OHB eine Professur stiften darf ist damit noch nicht beigelegt. Für Asta-Vertreter Sören Böhrnsen ist OHB ein Rüstungsunternehmen, weil dessen Satelliten von der Bundeswehr und zur Grenzsicherung Europas militärisch genutzt werden. Er sagt deshalb: "Das Geld von OHB steht gegen die Zivilklausel."
Für Uni-Rektor Wilfried Müller hingegen hat die gestrige Entscheidung zur Zivilklausel keine Konsequenzen für die Stiftungsprofessur: "Es geht um reine Grundlagenforschung im tiefen Weltall, letztlich um Gravitations-Physik." Über die AS-Entscheidung zeigte er sich zufrieden: "Es ist das, was ich mir gewünscht habe."
Bauwagenplatz Zomia zieht nun doch auf das Brammergelände an der Max-Brauer-Allee. Grüne setzen sich damit gegen den SPD-Koalitionspartner durch. von Kai Von Appen

Im Windkanal des Luftfahrtpioniers Henrich Focke hat dessen Erbin dem Betreiber-Verein fristlos gekündigt. Die Zukunft des Denkmals ist ungewiss. von Jean-Philipp Baeck

Die Hamburger Band Bitte Lächeln besteht aus behinderten und nichtbehinderten Musikern und hat einigen Erfolg. Nichtbehinderte Zuschauer zu den Konzerten zu bekommen, bleibt schwierig. von Birk Grüling

Er singt, schüttelt Hände und kann bis zwei zählen. Joachim Gauck wird der Super-Präsi. Ganz bestimmt.

Von de Gaulle bis Mbeki - die schönsten Präsidentenrücktritte der Welt.

Das war's... Fast! Die Berlinale 2012 geht am Sonntag zu Ende. Und wieder waren alle da – die üblichen und die unüblichen Stars, nervige und ehemalige Polit-Prominenz, kreischende und buhende Fans, demonstrierende und andere Bären.

Egal ob in Ost-, West-, Südeuropa oder in Kaschmir – überall ist es kalt. Verdammt kalt. Für viele Menschen ist das dramatisch und sogar lebensgefährlich. Aber die Kälte bringt auch Schönes und Erfreuliches.


Leserkommentare
25.01.2012 23:50 | Hans Kuminall
Vielen Dank für die kritische Begleitung und Intervention der taz Bremen in Sachen Zivilklausel! ...