Frischer Wind im Kollegium oder elitäre Karrierehäscher: Die Jungakademiker von "Teach First" hospitieren erst in Brennpunktschulen - ehe sie auf Topjobs weiterziehen.von Severine Weber
Zu meiner Zeit hiess das erst ABM, dann 1 € - Job, als ich als Naturwissenschaftlerin außerschulische Bildungsarbeit mit sozial Benachteiligten machen durfte und war alles andere als prestigeträchtig. Chemie in der Suppenschüssel statt im Elite-Schülerlabor. Und karrierefördernd schon gar nicht mit den Bezeichnungen im Lebenslauf. Jetzt gibst mehr PR und Geld und schon ists ein Sprungbrett.
17.06.2010 03:45 Uhr
von Matthias Eichenseer:
Top Absolventen aus Geisteswissenschaften gibts wie Sand am Meer, in diesen Kuschelfächern werden ja massenhaft gute Noten verschenkt alles andere wäre ja unsozial.
So nun haben die Herren Philosophen und Soziologen aber komplett am Arbeitsmarkt vorbeistudiert und finden keinen Job. Da ist man doch ganz gut geparkt für 2 Jahre bei 1700 Euro pro Monat, immerhin massig mehr als andere Geisteswissenschaftler als Praktikanten verdienen. Das ganze hübscht natürlich auch den Lebenslauf auf. Bei irgendwelchen Einrichtungen der Sozialindustrie die 100% vom Staat gesponsert werden kommt man nachher dann schon unter.
Wer bringt eigentlich das Geld für die Sache auf? Da könnte man auch richtige Lehrer dafür bezahlen.
16.06.2010 22:47 Uhr
von Hetti Petti:
Was sollte man denken, wenn man die Liste der Förderer anschaut?
Deutsche Lufthansa AG McKinsey & Company METRO GROUP Microsoft Deutschland etc.
Das sagt alles!
16.06.2010 14:05 Uhr
von Hans-Jürgen Heusel:
Die finanziellen Mittel für die Bildung sind begrenzt. Wenn man Teach-First-Fellows davon mit 2-Jahres-Verträgen versieht, warum zwingt man dann voll ausgebildeten Lehrkräften auf 1 Jahr befristete Verträge auf?! Es gibt ja zz. noch welche. Durchaus sind engagierte und zur Weiterbildung bereite Quereinsteiger willkommen. Aber wozu brauchen wir eine private Einrichtung, die uns für 2 Jahre Leute schickt mit dem Gestus "Mit einem bisschen Phantasie zeigen wir euch, wie man es besser machen kann."? T-F-Fellows erteilen in Berlin keinen Unterricht eigenständig. Insofern können sie weder Lehrkräfte verdrängen noch ersetzen. Leider verrät die Autorin nicht, wer ihr diese Behauptung geflüstert hat. Die GEW-Berlin behauptet nicht solchen Unsinn. Sie blockieren "lediglich" finanzielle Mittel. Die GEW-Berlin hätte aber Fellows nennen können, die bereits ihren Job quittiert haben. 63 Fellows werden den Lehrkräftemangel der nächsten Jahre kaum mildern - sie sind aber ein weiterer Schritt in Richtung auf Privatisierung des Bildungswesens. Hans-Jürgen Heusel, GEW-Bezirksleitung Tempelhof-Schöneberg
16.06.2010 11:33 Uhr
von uiop:
Den Kommentar von Detlef Wulf finde ich nach allem nicht ganz von der Hand zu weisen: Wieso glaubt man denn, diejenigen, denen man eine Benachteiligung zuschreibt, würden davon profitieren, dass man sich für sie aufopfert, ihnen "hilft" ('Helfersyndrom' – schon mal gehört?). Und dass dazu eine Qualifikation in irgendeinem beliebigen Fach mit Prestige – Hauptsache nichts mit Lehramt – hilfreich ist?
Es könnte ja auch ganz anders sein: Diese so genannten Benachteiligten sprechen fließend Türkisch, Kurdisch, Persisch, Pashto, Albanisch, Arabisch, Twi und so weiter – und kaum ein Lehrer kann sie fachlich angemessen betreuen, kann ihnen da fachlich etwas bieten.
Ich glaube, so ein Praktikum könnte interessant sein, wenn man die Schulen, meinetwegen dann auch per Praktikum, mehr in Kontakt mit LinguistInnen, IranistInnen, TurkologInnen, AfrikanistInnen usw. brächte. Diese Leute könnten Projekte veranstalten in persischer Literatur, Sprachkontrast, Codeswitching, Typologie, Morphosyntax, linguistischer Feldforschung im Stadtteil und und und.
Das wäre eine Förderung, die ohne benachteiligende Zuschreibungen auskäme.
16.06.2010 08:47 Uhr
von Conrado:
Zunaechst einmal, Experimente sind meiner Meinung nach immer willkommen, und Berichterstattung ueber sie, damit man etwas draus lernen kann. Oder eben nicht. Zu Schmidt's interessanten Thesen: Englisch ist nur dann ein Herrschaftsinstrument, wenn es die da oben sprechen, wir aber nicht. Also Lernen! Nebenbei ist es recht einfach fuer uns Deutsche. Schon deshalb ist Lernen wohl besser als ignorieren. Zum ueben gleich mal eine Definition von Snob auf Englisch aus dem Internet: One who tends to patronize, rebuff, or ignore people regarded as social inferiors and imitate, admire, or seek association with people regarded as social superiors. Was wird klar daraus? - Das diejenigen, die bei Teach First mitmachen, wohl eher keine Snobs sind. Sie machen naemlich genau das Gegenteil von Zurueckstossen oder Ignorieren von sozial Schwaecheren.
16.06.2010 08:03 Uhr
von Detlef Wulff:
Ihren Kommentar hier
Die Zukunftswerkstatt an unserer Schule hat sich mit der Ausweitung der TeachFirst-Idee beschäftigt.
Wir denken da bei OperateFirst an Hochschulabsolventen der Philosophie, die mit 38 Stunden pro Woche ins Krankenhaus gehen, davon 15 Stunden eigenverantwortlich operieren und dabei all die überflüssigen Nieren-, Gallensteine und Blinddärme entfernt oder bei FlyFirst an Hochschul-absolventen der Politikwissenschaft, die 38 Stunden pro Woche fliegen, davon 15 Stunden eigenverantwortlich. Als besonderes Projekt fliegen die Rentner und Pensionäre im Herbst nach Mallorca; das bringt Luft in die Renten- und Pensionskassen.
16.06.2010 07:44 Uhr
von Aaa:
Selten so einen Unfug gelesen, wie im Kommentar von Schmidt. Da hat jemand nicht verstanden, dass Internationalisierung auch Wissens- und Meinungsaustausch im positiven Sinne meinen kann.
Der Artikel ist ziemlich dämlich. Denn: Es ist nicht Schuld derjenigen, die sich da -für ein nicht gerade fürstliches Gehalt- engagieren, dass in D die Herkunft darüber bestimmt, welchen Bildungsabschluss man erreichen kann.
16.06.2010 02:58 Uhr
von english:
stimmt! und mathematik muss erst recht weg, die verdammten kapitalisten rechnen schließlich den ganzen tag!
15.06.2010 22:31 Uhr
von uiop:
Liebe taz,
warum eigentlich benutzt ihr (in diesem Artikel, aber auch schon in anderen) dieses Wort ‘Migrationshintergrund’ so selbstverständlich als Synonym für 'potenzieller Problemfall'? Meiner Auffassung nach handelt sich ein um ein Unwort (es hätte schon längst zum Unwort des Jahrzehnts gewählt werden müssen) und einen höchst denunziativen Begriff, denn anscheinend gilt ja wohl:
(1) Wenn jemand einen so genannten Migrationshintergrund hat und es trotzdem schafft – bemerkenswert. (2) Wenn eine Schule einen hohen so genannten Migrantenanteil hat – heftig (und klingt bei euch in dem Zusammenhang auch fast schon wie "zu 50% verseucht" – wer sich man da noch reintraut, so ungefähr). (3) Wenn ein Lehrer (oder Fellow oder wer auch immer) sich an so einer heftigen Schule aufopfert (wo er doch eigentlich das Recht hätte, blonde Kinder zu unterrichten) – Respekt. Und so weiter.
Es nervt. Aus einer eingewanderten Familie zu kommen beinhaltet ja wohl hoffentlich keinen ansteckenden Virus, auch kein Verbrechergen und auch kein Bildungsdesinteresse. Mit der Arbeiterfamilie übrigens genau das gleiche (Rassismus richtet sich historisch ohnehin gegen beide).
Das sind ganz normale Kids. Und wenn ihr Anteil so hoch ist, dann zeigt uns das erst recht, wie normal. Das, was sie vielleicht von den Hintergrundlosen unterscheidet, ist am Ehesten noch ihr weiterer Horizont, ihre Sprachkenntnisse, ihre interkulturelle Bildung (von wegen "bildungsfern"), ihre Flexibilität. Insofern sollte es eher als ein Privileg gesehen werden, diese Kids zu unterrichten, und nicht als Aufopferung.
In diesem Sinne würde ich von der taz immer noch erwarten, dass sie es schafft, sich einem gedankenlosen Mainstream-Sprachgebrauch zu widersetzen.
15.06.2010 20:37 Uhr
von Hardy Funk:
Alter was? Schmidt, auf welchem Planeten lebst du denn? Was ist deine Lösung? Gar keine Sprache lernen, oder.. dänisch..? Schonmal in den USA gewesen, oder in England? Schonmal mit Leuten aus anderen Ländern auf Englisch unterhalten? Woher dieser Hass?
Aber zum Thema: ich glaube nicht, dass diese Leute Snobs sind. Wenn das Leute sind, die danach Führungspositionen bekommen etc., ist 1700 € nicht sehr viel. Noch ein "anecdotal evidence": Ich studiere selber Lehramt und bekomme erstaunlich viel Zuspruch von anderen Studenten, vor allem Informatikern, Biologen (weniger von Kunststudenten, zum Beispiel), sehr viele dieser Leute sagen, dass sie diesen Beruf sehr wichtig finden und haben ganz konkrete Meinungen zum Thema..
Ich glaube, die GEW ist etwas besorgt, dass a) es so wirkt, als könne jeder Lehrer werden, als bräuchte man nicht diese aufwendige universitäre Ausbildung, oder b) in Zukunft weniger ausgebildete Lehrer eingestellt werden und dafür mehr "billigere" Fellows..
Aber wie Stefan schon meinte, ich finde es gar nicht so wichtig, was die Leute sich evtl.(auch) mit diesem Job versprechen, solange es den Kindern etwas nützt, und den Fellows.. Richtige Elite-Snobs können es aber gar nicht sein, die würden nie darauf kommen, in Brennpunktschulen zu helfen, nach deren Logik sind diese Kinder und Familien ja schließlich alle selbst für ihre Lage verantwortlich..
Finde es etwas blöd, dass die Taz so eine gute Sache unter sonem blöden polarisierenden Titel verkauft..
15.06.2010 19:32 Uhr
von abc123:
Nach der Beschreibung scheinen die Fellows nicht in "Topjobs" (was soll das eigentlich sein?) zu streben, sondern eher in den Bildungsbereich.
Darauf weisen die bisher gesammelten (Berufs-) Erfahrungen in internationalen workcamps und als Museumsführer für Schulklassen hin.
Da ist es durchaus sinnvoll, diesen Leuten eine ausführliche Möglichkeit zu geben, den Lehrerberuf kennenzulernen. Dass dieses zweijährige "Praktikum" mit 1700 € brutto vergütet wird, ist auch o.k. Reichtümer kann man damit nicht ansammeln, aber man muss auch nichts zuschießen, um diese Erfahrung zu machen.
Nur, gleichzeitig dienen diese fellows als Lohndrücker. Warum soll ein Lehrer eine AG durchführen, Förderunterricht in Englisch erteilen, mit den Schülern einen Ausflug zur Uni machen, wenn es auch ein fellow machen kann?
All´ diese kleinen und nicht ganz so kleinen Dinge, die auch zum Schulalltag gehören, werden an die deutlich günstigeren fellows "ausgelagert".
Wer gewinnt hier eigentlich? So sehen die Lehrer, dass es Leute gibt, die ihren Job für deutlich weniger Geld machen und fordern keine Lohnerhöhung oder gar Weihnachts- oder Urlaubsgeld.
Und die fellows lernen, sich schon einmal an die sinkenden Löhne im Bildungsbereich zu gewöhnen.
15.06.2010 16:31 Uhr
von dietah:
Ist das jetzt die neue Nummer um das Excellenz Prädikatsexamen, windelweich mit soft skills umhüllend, für die Führungsebene empfehlend, aufzuwerten?
Na ja vielleicht hilfts ja was. Alle mal besser als internationale Kommilitonen mit deutscher Besserwisserei in Vorlesungen zu quälen.
Eventuell bleibt an den Karriere Plastikpuppen was Menschliches hängen und die Kinder erhaschen ein Blick auf die Welt da draußen.
15.06.2010 16:19 Uhr
von Schmidt:
"Snobs" ist treffend. Jedenfalls für diejenigen, deren Eifer sich darauf konzentriert, Englisch weltweit zu verbreiten.
Aus demselben Grund, weshalb früher im Osten Russisch gelehrt wurde: es ist die Sprache der Herrschenden und ihrer hilfreichen Untertanen.
Daran ist auch zu erkennen, was nicht selten "hochqualifiziert" bedeutet: die Regeln der Herrschenden möglichst perfekt zu verinnerlichen.
Englisch gehört aus Schulen ebenso verbannt wie Religion.
15.06.2010 15:37 Uhr
von Stefan Petzold:
Helfer oder Snobs war die Frage der Überschrift. Plakativ könnte man vielleicht von "helfenden Snobs" sprechen. 1700 Euro brutto ist für Uni-Absolventen nicht viel, absolut betrachtet aber mehr, als mancher im Einzelhandel verdient, so dass man eigentlich kaum eine ehrenamtliche Komponente oder eine besondere Aufopferung entdecken mag. Dennoch, den Schulkindern bringt es genauso etwas wie den Jungakademikern. Insofern - was spricht dagegen?
Leserkommentare
18.06.2010 09:20 Uhr
von diplom_hartzi:
Zu meiner Zeit hiess das erst ABM, dann 1 € - Job, als ich als Naturwissenschaftlerin außerschulische Bildungsarbeit mit sozial Benachteiligten machen durfte und war alles andere als prestigeträchtig. Chemie in der Suppenschüssel statt im Elite-Schülerlabor. Und karrierefördernd schon gar nicht mit den Bezeichnungen im Lebenslauf. Jetzt gibst mehr PR und Geld und schon ists ein Sprungbrett.
17.06.2010 03:45 Uhr
von Matthias Eichenseer:
Top Absolventen aus Geisteswissenschaften gibts wie Sand am Meer, in diesen Kuschelfächern werden ja massenhaft gute Noten verschenkt alles andere wäre ja unsozial.
So nun haben die Herren Philosophen und Soziologen aber komplett am Arbeitsmarkt vorbeistudiert und finden keinen Job. Da ist man doch ganz gut geparkt für 2 Jahre bei 1700 Euro pro Monat, immerhin massig mehr als andere Geisteswissenschaftler als Praktikanten verdienen. Das ganze hübscht natürlich auch den Lebenslauf auf. Bei irgendwelchen Einrichtungen der Sozialindustrie die 100% vom Staat gesponsert werden kommt man nachher dann schon unter.
Wer bringt eigentlich das Geld für die Sache auf? Da könnte man auch richtige Lehrer dafür bezahlen.
16.06.2010 22:47 Uhr
von Hetti Petti:
Was sollte man denken, wenn man die Liste der Förderer anschaut?
Deutsche Lufthansa AG
McKinsey & Company
METRO GROUP
Microsoft Deutschland
etc.
Das sagt alles!
16.06.2010 14:05 Uhr
von Hans-Jürgen Heusel:
Die finanziellen Mittel für die Bildung sind begrenzt. Wenn man Teach-First-Fellows davon mit 2-Jahres-Verträgen versieht, warum zwingt man dann voll ausgebildeten Lehrkräften auf 1 Jahr befristete Verträge auf?! Es gibt ja zz. noch welche.
Durchaus sind engagierte und zur Weiterbildung bereite Quereinsteiger willkommen. Aber wozu brauchen wir eine private Einrichtung, die uns für 2 Jahre Leute schickt mit dem Gestus "Mit einem bisschen Phantasie zeigen wir euch, wie man es besser machen kann."?
T-F-Fellows erteilen in Berlin keinen Unterricht eigenständig. Insofern können sie weder Lehrkräfte verdrängen noch ersetzen. Leider verrät die Autorin nicht, wer ihr diese Behauptung geflüstert hat. Die GEW-Berlin behauptet nicht solchen Unsinn. Sie blockieren "lediglich" finanzielle Mittel. Die GEW-Berlin hätte aber Fellows nennen können, die bereits ihren Job quittiert haben.
63 Fellows werden den Lehrkräftemangel der nächsten Jahre kaum mildern - sie sind aber ein weiterer Schritt in Richtung auf Privatisierung des Bildungswesens.
Hans-Jürgen Heusel, GEW-Bezirksleitung Tempelhof-Schöneberg
16.06.2010 11:33 Uhr
von uiop:
Den Kommentar von Detlef Wulf finde ich nach allem nicht ganz von der Hand zu weisen: Wieso glaubt man denn, diejenigen, denen man eine Benachteiligung zuschreibt, würden davon profitieren, dass man sich für sie aufopfert, ihnen "hilft" ('Helfersyndrom' – schon mal gehört?). Und dass dazu eine Qualifikation in irgendeinem beliebigen Fach mit Prestige – Hauptsache nichts mit Lehramt – hilfreich ist?
Es könnte ja auch ganz anders sein: Diese so genannten Benachteiligten sprechen fließend Türkisch, Kurdisch, Persisch, Pashto, Albanisch, Arabisch, Twi und so weiter – und kaum ein Lehrer kann sie fachlich angemessen betreuen, kann ihnen da fachlich etwas bieten.
Ich glaube, so ein Praktikum könnte interessant sein, wenn man die Schulen, meinetwegen dann auch per Praktikum, mehr in Kontakt mit LinguistInnen, IranistInnen, TurkologInnen, AfrikanistInnen usw. brächte. Diese Leute könnten Projekte veranstalten in persischer Literatur, Sprachkontrast, Codeswitching, Typologie, Morphosyntax, linguistischer Feldforschung im Stadtteil und und und.
Das wäre eine Förderung, die ohne benachteiligende Zuschreibungen auskäme.
16.06.2010 08:47 Uhr
von Conrado:
Zunaechst einmal, Experimente sind meiner Meinung nach immer willkommen, und Berichterstattung ueber sie, damit man etwas draus lernen kann. Oder eben nicht.
Zu Schmidt's interessanten Thesen: Englisch ist nur dann ein Herrschaftsinstrument, wenn es die da oben sprechen, wir aber nicht. Also Lernen! Nebenbei ist es recht einfach fuer uns Deutsche. Schon deshalb ist Lernen wohl besser als ignorieren.
Zum ueben gleich mal eine Definition von Snob auf Englisch aus dem Internet: One who tends to patronize, rebuff, or ignore people regarded as social inferiors and imitate, admire, or seek association with people regarded as social superiors.
Was wird klar daraus? - Das diejenigen, die bei Teach First mitmachen, wohl eher keine Snobs sind. Sie machen naemlich genau das Gegenteil von Zurueckstossen oder Ignorieren von sozial Schwaecheren.
16.06.2010 08:03 Uhr
von Detlef Wulff:
Ihren Kommentar hier
Die Zukunftswerkstatt an unserer Schule hat sich mit der Ausweitung der TeachFirst-Idee beschäftigt.
Wir denken da bei OperateFirst an Hochschulabsolventen der Philosophie, die mit 38 Stunden pro Woche ins Krankenhaus gehen, davon 15 Stunden eigenverantwortlich operieren und dabei all die überflüssigen Nieren-, Gallensteine und Blinddärme entfernt oder bei FlyFirst an Hochschul-absolventen der Politikwissenschaft, die 38 Stunden pro Woche fliegen, davon 15 Stunden eigenverantwortlich. Als besonderes Projekt fliegen die Rentner und Pensionäre im Herbst nach Mallorca; das bringt Luft in die Renten- und Pensionskassen.
16.06.2010 07:44 Uhr
von Aaa:
Selten so einen Unfug gelesen, wie im Kommentar von Schmidt. Da hat jemand nicht verstanden, dass Internationalisierung auch Wissens- und Meinungsaustausch im positiven Sinne meinen kann.
Der Artikel ist ziemlich dämlich. Denn:
Es ist nicht Schuld derjenigen, die sich da -für ein nicht gerade fürstliches Gehalt- engagieren, dass in D die Herkunft darüber bestimmt, welchen Bildungsabschluss man erreichen kann.
16.06.2010 02:58 Uhr
von english:
stimmt!
und mathematik muss erst recht weg, die verdammten kapitalisten rechnen schließlich den ganzen tag!
15.06.2010 22:31 Uhr
von uiop:
Liebe taz,
warum eigentlich benutzt ihr (in diesem Artikel, aber auch schon in anderen) dieses Wort ‘Migrationshintergrund’ so selbstverständlich als Synonym für 'potenzieller Problemfall'? Meiner Auffassung nach handelt sich ein um ein Unwort (es hätte schon längst zum Unwort des Jahrzehnts gewählt werden müssen) und einen höchst denunziativen Begriff, denn anscheinend gilt ja wohl:
(1) Wenn jemand einen so genannten Migrationshintergrund hat und es trotzdem schafft – bemerkenswert.
(2) Wenn eine Schule einen hohen so genannten Migrantenanteil hat – heftig (und klingt bei euch in dem Zusammenhang auch fast schon wie "zu 50% verseucht" – wer sich man da noch reintraut, so ungefähr).
(3) Wenn ein Lehrer (oder Fellow oder wer auch immer) sich an so einer heftigen Schule aufopfert (wo er doch eigentlich das Recht hätte, blonde Kinder zu unterrichten) – Respekt. Und so weiter.
Es nervt. Aus einer eingewanderten Familie zu kommen beinhaltet ja wohl hoffentlich keinen ansteckenden Virus, auch kein Verbrechergen und auch kein Bildungsdesinteresse. Mit der Arbeiterfamilie übrigens genau das gleiche (Rassismus richtet sich historisch ohnehin gegen beide).
Das sind ganz normale Kids. Und wenn ihr Anteil so hoch ist, dann zeigt uns das erst recht, wie normal. Das, was sie vielleicht von den Hintergrundlosen unterscheidet, ist am Ehesten noch ihr weiterer Horizont, ihre Sprachkenntnisse, ihre interkulturelle Bildung (von wegen "bildungsfern"), ihre Flexibilität. Insofern sollte es eher als ein Privileg gesehen werden, diese Kids zu unterrichten, und nicht als Aufopferung.
In diesem Sinne würde ich von der taz immer noch erwarten, dass sie es schafft, sich einem gedankenlosen Mainstream-Sprachgebrauch zu widersetzen.
15.06.2010 20:37 Uhr
von Hardy Funk:
Alter was? Schmidt, auf welchem Planeten lebst du denn? Was ist deine Lösung? Gar keine Sprache lernen, oder.. dänisch..? Schonmal in den USA gewesen, oder in England? Schonmal mit Leuten aus anderen Ländern auf Englisch unterhalten? Woher dieser Hass?
Aber zum Thema: ich glaube nicht, dass diese Leute Snobs sind. Wenn das Leute sind, die danach Führungspositionen bekommen etc., ist 1700 € nicht sehr viel. Noch ein "anecdotal evidence": Ich studiere selber Lehramt und bekomme erstaunlich viel Zuspruch von anderen Studenten, vor allem Informatikern, Biologen (weniger von Kunststudenten, zum Beispiel), sehr viele dieser Leute sagen, dass sie diesen Beruf sehr wichtig finden und haben ganz konkrete Meinungen zum Thema..
Ich glaube, die GEW ist etwas besorgt, dass a) es so wirkt, als könne jeder Lehrer werden, als bräuchte man nicht diese aufwendige universitäre Ausbildung, oder b) in Zukunft weniger ausgebildete Lehrer eingestellt werden und dafür mehr "billigere" Fellows..
Aber wie Stefan schon meinte, ich finde es gar nicht so wichtig, was die Leute sich evtl.(auch) mit diesem Job versprechen, solange es den Kindern etwas nützt, und den Fellows.. Richtige Elite-Snobs können es aber gar nicht sein, die würden nie darauf kommen, in Brennpunktschulen zu helfen, nach deren Logik sind diese Kinder und Familien ja schließlich alle selbst für ihre Lage verantwortlich..
Finde es etwas blöd, dass die Taz so eine gute Sache unter sonem blöden polarisierenden Titel verkauft..
15.06.2010 19:32 Uhr
von abc123:
Nach der Beschreibung scheinen die Fellows nicht in "Topjobs" (was soll das eigentlich sein?) zu streben, sondern eher in den Bildungsbereich.
Darauf weisen die bisher gesammelten (Berufs-) Erfahrungen in internationalen workcamps und als Museumsführer für Schulklassen hin.
Da ist es durchaus sinnvoll, diesen Leuten eine ausführliche Möglichkeit zu geben, den Lehrerberuf kennenzulernen. Dass dieses zweijährige "Praktikum" mit 1700 € brutto vergütet wird, ist auch o.k. Reichtümer kann man damit nicht ansammeln, aber man muss auch nichts zuschießen, um diese Erfahrung zu machen.
Nur, gleichzeitig dienen diese fellows als Lohndrücker. Warum soll ein Lehrer eine AG durchführen, Förderunterricht in Englisch erteilen, mit den Schülern einen Ausflug zur Uni machen, wenn es auch ein fellow machen kann?
All´ diese kleinen und nicht ganz so kleinen Dinge, die auch zum Schulalltag gehören, werden an die deutlich günstigeren fellows "ausgelagert".
Wer gewinnt hier eigentlich?
So sehen die Lehrer, dass es Leute gibt, die ihren Job für deutlich weniger Geld machen und fordern keine Lohnerhöhung oder gar Weihnachts- oder Urlaubsgeld.
Und die fellows lernen, sich schon einmal an die sinkenden Löhne im Bildungsbereich zu gewöhnen.
15.06.2010 16:31 Uhr
von dietah:
Ist das jetzt die neue Nummer um das Excellenz Prädikatsexamen, windelweich mit soft skills umhüllend, für die Führungsebene empfehlend, aufzuwerten?
Na ja vielleicht hilfts ja was. Alle mal besser als internationale Kommilitonen mit deutscher Besserwisserei in Vorlesungen zu quälen.
Eventuell bleibt an den Karriere Plastikpuppen was Menschliches hängen und die Kinder erhaschen ein Blick auf die Welt da draußen.
15.06.2010 16:19 Uhr
von Schmidt:
"Snobs" ist treffend.
Jedenfalls für diejenigen, deren Eifer sich darauf konzentriert, Englisch weltweit zu verbreiten.
Aus demselben Grund, weshalb früher im Osten Russisch gelehrt wurde: es ist die Sprache der Herrschenden und ihrer hilfreichen Untertanen.
Daran ist auch zu erkennen, was nicht selten "hochqualifiziert" bedeutet: die Regeln der Herrschenden möglichst perfekt zu verinnerlichen.
Englisch gehört aus Schulen ebenso verbannt wie Religion.
15.06.2010 15:37 Uhr
von Stefan Petzold:
Helfer oder Snobs war die Frage der Überschrift. Plakativ könnte man vielleicht von "helfenden Snobs" sprechen.
1700 Euro brutto ist für Uni-Absolventen nicht viel, absolut betrachtet aber mehr, als mancher im Einzelhandel verdient, so dass man eigentlich kaum eine ehrenamtliche Komponente oder eine besondere Aufopferung entdecken mag. Dennoch, den Schulkindern bringt es genauso etwas wie den Jungakademikern. Insofern - was spricht dagegen?