Frankfurt am Main beginnt, Passivhäuser zu bauen, in denen Wohnungen für einkommensschwache BürgerInnen entstehen. Eine Win-Win-Situation.von Jennifer Knäbe & Katharina Tron

Von wegen Platte: Sozialwohnungen werden umweltfreundlich. Bild: 3format / "photocase"
Energiesparende Passivhäuser werden bisher vor allem von umweltbewussten Privatleuten bewohnt. Die Vorteile der Energiesparhäuser erkennen jetzt auch einige Kommunen. So rüstet die etwa Frankfurt am Main auf und baut Sozialwohnungen für einkommensschwache Bürger in Passivhäusern. Städte wie Hamburg und Kassel haben diesen Trend noch früher erkannt.
In Frankfurt wird es insgesamt 52 dieser energiesparenden Wohnungen geben. Den Anstoß für dieses neue Wohnprojekt gab die städtische Aktienbaugesellschaft für kleine Wohnungen Frankfurt Holding mit ihrer Tochter FAAG. Diese Organisationen haben bereits einige Kindergärten und Schulen in Frankfurt in der Passivbauweise gebaut.
Die Mieter des im Sommer 2011 fertigwerdenden Passivhauses sparen bis zu 90 Prozent der Heizkosten. Das Prinzip der Häuser erklärt ABG-Chef Frank Junker am Beispiel des Prinzips einer Thermoskanne: Die Passivhäuser sind luftdichte Gebäude, durch die keine Wärme nach außen dringen kann. Damit aber trotzdem eine Luftzirkulation entstehen kann, saugt ein modernes Lüftungssystem warme, gebrauchte Luft ab und führt über Wärmetauscher temperierte und gefilterte Frischluft zu. Die Wärme in den Räumen entsteht passiv. Daher stammt auch der Name „Passivhaus“. Das Haus nutzt sowohl die Wärme, die durch Sonneneinstrahlung entsteht, als auch die der Haushaltsgeräte in den Wohnungen.
Die Häuser sind zwar in der Bauweise teurer als ein normales Haus, bieten aber trotzdem viele Vorteile. Zum einen durch die gesparten Heizkosten, aber auch durch den verringerten CO2 Ausstoß. Einziehen dürfen nur diejenigen, die einen Wohnberechtigungsschein haben. Diesen bekommen Bürger, deren Jahres-Einkommen eine bestimmte Grenze nicht übersteigt. Diese liegt im Durchschnitt bei 12.000 Euro für einen Einpersonenhaushalt. Die Bürger in Frankfurt zahlen, wie in normalen Sozialwohnungen auch, nur fünf Euro pro Quadratmeter Wohnfläche. Den Rest bezahlt die Stadt. Es ist also eine Win-Win Situation für die Mieter, die Stadt Frankfurt, deren Ziel es ist den Kohlendioxid-Ausstoß zu senken, und die Umwelt.
Neu ist die Idee mit den Sozialwohnungen in Passivhäusern nicht. Bereits 1998 wurden in Kassel die bundesweit ersten vierzig Wohneinheiten in Passivhäusern vom Land Hessen und der Stadt Kassel als öffentlicher Wohnungsbau gefördert. Einige Bewohner der Sozialwohnungen haben sich bewusst für das Leben in den Passivhäusern entschieden.
Erfahrungen der Bewohner
Christian Inder wohnt in einer dieser Wohnungen und spart mehr als 50 Prozent der Heizkosten, die er früher bezahlt hat. Die Mieter der Sozialwohnungen in Kassel bekommen ohnehin keinen Heizzuschuss von der Stadt. So sparen sie also in ihre eigene Tasche.
Besonders wenn mehrere Menschen in der Wohnung sind, merke man, wie schnell sich die Räume aufheizen, sagt Christian Inder. Trotzdem sei dann frische Luft vorhanden. Negativ findet er, dass die Lüftung oft sehr laut ist und er eigentlich keine Fenster öffnen darf. Über die Belüftungsanlage kann man auch die Wärme in den Räumen regeln, aber selbst im Winter stellt er die Heizung nicht auf volle Leistung. Es sei durch die Sonne und die Elektrogeräte warm genug.
Besonders für Raucher, wie Bewohnerin Carola Lindemann es ist, haben die Passivwohnungen Vorteile. Der Rauch ziehe viel schneller aus der Wohnung als in normalen Wohnungen, erzählt sie. Die Lüftung ist zwar ab und zu etwas laut, dafür aber dringe durch die hohe Dämmung kaum Außenlärm nach innen. Insgesamt sind sich die Bewohner sicher, dass das Leben in einem Passivhaus mehr Vorteile bringt als Nachteile.
Neben Kassel und in Kürze Frankfurt am Main verfügt der Hamburger Stadtteil Horn seit 2004 über zwei Passivhäuser mit 17 Sozialwohnungen. Die Heizungsanlagen dieser Gebäude der Siedlungsaktien Gesellschaft Hamburg (kurz SAGA) stoßen im Vergleich zu konventionell beheizten Gebäuden nur ein Drittel des klimaschädlichen Kohlendioxids aus.
Kassel, Hamburg und Frankfurt gelten mit ihren Wohnprojekten auch für andere Städte als Vorbilder. Die Stadt Frankfurt am Main möchte künftig alle Sozialwohnungen energiesparend bauen. Ein großer Schritt in die richtige Richtung.
Im Schweden findet man umweltbewusste Humustoiletten sogar in Hotels. In Deutschland dagegen sind alternative Toilettenmodelle im öffentlichen Raum noch nicht denkbar. von Jan-Niklas Jäger

Viele Griechen können sich ihr Nationalgetränk nicht mehr leisten, Ouzo-Hersteller kämpfen gegen die Pleite. Und das, wo ein guter Schnaps wichtiger ist als je zuvor. von Jannis Papadimitriou

Kita-Ausbau, Betreuungsgeld, Flexi-Quote - nix klappt bei der Familienministerin. Keine Schnute ziehen, Frau Schröder. taz.de hat Vorschläge für andere Aktivitäten.

Echte Stars, begeisterte Fans, prima Shopping-Tipps - wir freuen uns auf die Fußball-Europameisterschaft.

Starre Rituale, öde Debatten, ein Haus der Langeweile? Nicht in der Ukraine! Hier werden Parlamentsdebatten noch mit Leidenschaft, Herzblut und handfesten Argumenten geführt!

Weltraumtouristen, Satelliten und Versorgungsflüge zur ISS – die Raumfahrt wird privatisiert und kommerzialisiert.


Leserkommentare
02.08.2010 20:29 | Jonas Röhrig
@Lisa: ...
30.07.2010 16:43 | Wilfried Wille
Begriffen???? ...
30.07.2010 11:40 | Lisa
Man sollte lieber die Leute fördern die sowas selbst bezahlen müssen. Wenn ich Hartzi wäre ist es doch egal wieviel ich ver ...