Umstrittene Verkaufspläne
Ehemalige Schule soll kein Eigentum werden
Linke Aktivisten besetzen kurzfristig eine frühere Schule in Weißensee. Die will der Liegenschaftsfonds an den Meistbietenden verkaufen - ohne soziale Kriterien einzubeziehen.von PETER NOWAK
Leserkommentare
12.05.2011 09:42 Uhr
von Friedrichshainer:
"Danach soll im Erdgeschoss ein Kunstraum und Treffpunkt für die Nachbarschaft eingerichtet werden. Auch den Garten hinter dem Haus wollen sie gemeinschaftlich bearbeiten."
Das Gerede von "offen für alle", "gemeinschaftlich" u.s.w. ist doch nichts weiter als pure Heuchelei. Solche Häuser werden am Ende ein Szenetreff, zu dem nur ein enger Kreis von Gleichgesinnten Zugang hat. Ich laufe seit Jahren täglich zweimal mit Anzug und Krawatte auf dem Weg zur Arbeit und zurück am sogenannten Dorfplatz (Rigaer/Ecke Liebigstr.) vorbei und werde jedes mal schräg angeguckt, Abends mit steigendem Alkoholpegel auch gerne mal mit einem dummen Spruch beglückt. Noch nie wurde ich gefragt, ob ich nichtmal auf ein Bierchen oder Gespräch reinkommen will, obwohl ich ein bekanntes Gesicht und offensichtlich ein Nachbar bin. Wenn in solchen Häusern schon die Arbeitskleidung eines Menschen ausreicht, um solche Reaktionen hervorzurufen, weiß ich genau, was man dort unter Offenheit versteht.
11.05.2011 22:59 Uhr
von @Besetzt:
In einem Punkt hast du recht, bei den meisten anderen fehlt dir offenbar die nötige Hintergrundinfo.
Das wichtigste zuerst: Die Musikschule existiert weiter, lediglich an einem neuen Standort (Bizetstraße) mit Platz für 900 Schüler. Also keine Sorge um die HarzIV Kinder, die dürfen weiter Flöte lernen. Das alte Gebäude war schlicht und einfach zu baufällig.
Richtig ist: der Staat ist kein Unternehmer. Er nimmt kein Geld aus Produktionsmitteln ein. Er ist nichts weiter als ein Umverteiler, nimmt Geld von Leuten, die Einkommen erzielen oder Waren konsumieren und erfüllt damit seine gesellschaftlichen Aufträge (mehr oder weniger gut). Das dafür hier und da mal eine Immobilie gehalten werden muss, ist notwendiges Mittel und kein Selbstzweck.
Beschäftige dich mal mit Wirtschaftlichkeitsrechnung im Bezug auf den Aufwand für Instandsetzung, Erhalt und Unterhalt einer solchen Immobilie und der Option, den Verkaufserlös an anderer Stelle in Infrastruktur zu investieren.
Was das Privateigentum und Kohle verdienen angeht, ist der Immobilienmarkt in Deutschland überschätzt. Die Leute, die dort eine Wohnung bauen wollen, müssen vor allem erstmal viel Kohle ausgeben. Wahrscheinlich ist das Primärziel, einen Platz zum Wohnen zu haben. Wenn sie Glück haben, ist der Wert der Wohnung nach Abzug aller Erhaltungs- und Kreditkosten in 20 Jahren ein paar Prozent höher als heute. Aber wer Kohle verdienen will, der zockt besser an die Börse oder gründet ein Unternehmen.
Dass nur einige wenige etwas davon haben, dass neue Wohnungen gebaut werden, ist (absichtlich?) kurz gedacht. Jede zusätzliche Wohnung ist positiv für die Angebot/Nachfrage-Bilanz am Wohnungsmarkt. Handwerker bekommen Aufträge. Berlin bekommt 4,5% Grunderwerbsteuer etc.
PS: Falls die Besetzer eine gemeinnützige Musikschule oder Kita dort betreiben und da ehrenamtlich arbeiten wollen, findet das Projekt natürlich meine volle Unterstützung!!
11.05.2011 16:45 Uhr
von Besetzt...:
Du hast auf keinen fall unrecht mit der These der Staat braucht Geld!
Doch wie wird das Geld erwirtschaften? Da würde ich vielleicht noch mal anders vorgehen, denn ich meine wie ist das denn bitte: Also (natürlich ist der Staat kein Unternehme, und darf es auch nie werden) wenn ein unternehmen seine Produktionsmittel (Häuser und Mieteinnahmen)verkauft, wie will es dann noch Geld einnehmen??
Sicher du sprichst von Kitas aber was ist bitte mit Schulen? War es nicht eine Schule? Ja eine Musikschule und nun frag mal die eine oder andere Hatz IV beziehende Familie die sich nun dank der unglaublichen Großzügigkeit der Regierung durch das Bildungspaket einmal im Monat ihre Kinder in die Musikschule schicken dürfen, dort hätte vielleicht eine solche entstehen können. Nun wird sie verkauft und nicht renoviert! Nun wird es zu Privatbesitz von Leuten die damit nur Kohle verdiene möchten! Nun haben nur einige wenige etwas davon keine neue Gemeinnützige Musikschule, keine Kita…
und dann wird über den ?sozialen Wohnungsbau? Philosophiert...
Sei renitent!
Sei unkommerziell!
Sei Besetzer_in!
TU WAT!
Sei Berlin!!
11.05.2011 10:26 Uhr
von Claudi:
Was soll daran unsozial sein, wenn der Lifo gesellschaftliches Eigentum zum höchstmöglichen Preis verkauft um so die höchstmögliche Summe Geld der Gesellschaft zur Verfügung zu stellen. Die Stadt (=wir) braucht dringend Geld, überall fehlt es (Kitas, Straßen ...). Das bekommt man nicht, indem die Stadt ihre Immobilien verschenkt.
Und wenn sich junge Familien in Eigeninitiative Wohnraum schaffen wollen, ist das wohl auch kaum weniger sozial als ein Partyraum für "Orphs".