• 24.07.2009

US-Gesundheitsreform vertagt

"Sozialistische Medizin"

Präsident Obama streitet für eine Gesundheitsreform, denn 45 Millionen US-Bürger sind unversichert. Doch der Widerstand ist groß. Jetzt wurden die Verhandlungen in den Herbst vertagt.von Adrienne Woltersdorf

  • 22.08.2009 00:30 Uhr

    von H.Houben:

    Wenn die Lobbyisten der Versicherungswirtschaft sich in USA durchsetzen, wird ihr nächstes Ziel Europa sein. Auch unser Rentensystem wird ja seit Jahren torpediert und steht kurz vor dem Sinken, um den Konzernen fette Gewinne durch dann nötige Privatversicherungen zu bringen. Im Gesundheitssystem läuft es ähnlich.
    Wirtschaft ist für die Menschen da, nicht umgekehrt.

  • 24.07.2009 14:51 Uhr

    von plandiv:

    An Archetonic: Die USA haben auch definitiv keine soziale Marktwirtschaft, sondern einen wirtschaftsliberalen 'Mini-Staat', der sich in sehr vielen Bereichen der von uns geglaubten öffentlichen Aufgaben heraushält. Das ist definitiv nicht gut, aber kein Phänomen, dass sich nur auf die USA beschränkt.
    Die Frage ist eigentlich auch in Bezug auf Deutschland: Wieviel USA steckt mittlerweile schon in der BRD? Viele 'Reformen' im Bereich der Sozialpolitik/Agenda 2010 sind etwas veränderte Reformen nach dem Vorbild der USA, die unter anderem auch stark vom Deutschen Institut für Wirtschaft unterstützt und beworben worden sind.
    Man sollte nicht darin verfallen, in 'die' (amis) zu verfallen, sondern die Ideologie der Neoliberalismen, die vorherrschen zu hinterfragen.

  • 24.07.2009 14:14 Uhr

    von Acherontic:

    Ich bin beileibe kein Feind einer aufgeklärten, gewissen Regularien unterliegenden SOZIALEN Marktwirtschaft, aber an diesem Beispiel sieht man doch schon wieder eindeutig die pervertierten Dimensionen des amerikanischen Brachial-Kapitalismus!

    Aus diesem Grunde sehe ich mich trauriger Weise gezwungen, sowohl die erste, als auch die zweite Frage von M.Stahl zu bejaen. Anders ist das einfach nicht mehr zu erklären...

    Manchmal frage ich mich, warum die eigentlich nicht gleich ihre Regierung zu einer Aktiengesellschaft umstrukturieren! Das würde die armen Lobbyisten aus ihrem Schatten-Dasein befreien und sie müssten sich nicht mehr die lästige Mühe machen, so zu tun, als hätten sie keinen direkten Einfluss auf Politiker. Sie könnten einfach auf der Aktionärsversammlung die Vorgehensweisen beschließen, die "dem Wohle des amerikanischen Volkes am patriotischsten dienen".
    Man könnte z.B. die Menschenrechte abschaffen, oder auch nur die Appartheid wieder einführen. Man stelle sich vor, wie traumhaft das alles die Wirtschaft beleben würde!

  • 24.07.2009 13:25 Uhr

    von Manuela:

    Ich habe einen Film gesehen über Menschen, die in den USA nicht krankenversichert sind.

    Da war eine Frau, die wusste, sie hat Brustkrebs (sie hat den Knoten schlicht ertastet) und ist nicht zum Arzt gegangen, weil sie wusste, das wird die bescheidene Ausbilung ihrer Kinder gefährden (wegen anfallender Behandlungskosten).

    Nun, sie wusste, sie wird sterben. Bald. Sie wusste, ihre Kinder werden ohne Mutter aufwachsen müssen....
    Und jetzt fragt sich die Mittelklasse in den USA, was man von einer staatlichen Krankenversicherung hat? Ja, sind die denn alle närrisch? Was ist das für ein menschenverachtendes System...
    Und diese Frau hätte natürlich gerne einen Job gehabt (so wie im Artikel angedeutet), aber ich glaube, sie hätte auch gerne weitergelebt.

    Zu behaupten, die Unversicherten wollen keine Grundsatzdebatte über die Rolle des Staates, ist zynisch. Natürlich wollen sie keine Grundsatzdebatte. Sie sind zu ungebildet, um die zu verfolgen. Aber wer denkt denn ernsthaft, sie wollen keine Krankenversicherung?? Mich macht das einfach wütend!

  • 24.07.2009 12:24 Uhr

    von Al Terego:

    Herzlichen Dank für diesen Artikel.

    Offensichtlich haben die meisten Amerikaner Angst davor, dass ihr Staat ebenso "sozialistisch" wird wie die Schweiz, Großbritannien oder Singapur.

    Solange die Dualität der US Presselandschaft anhält werden sich grundlegende Tatsachen der globalen Realitäten niemals im Bewußtsein der breiten US Öffentlichkeit durchsetzen.

    Palin als erste Präsidentin wird zu immer mehr als einer skurilen Vorstellung.

    Ein Artikel über die unterschiedliche Realitätswahrnehmung der US Öffentlichkeit aufgrund der medialen Zweiteilung der Medienlandschaft wäre spannend.

  • 24.07.2009 11:34 Uhr

    von Kommentator:

    Sehr informativer, interessanter und kompakt geschriebener Artikel.

    Danke. Bitte mehr davon!

  • 24.07.2009 11:03 Uhr

    von Jackabum:

    Leider sagt Obama nicht die ganze Wahrheit.
    Fast 50% der Nichtversicherten sind nicht legal im Land.
    Man muß erst einmal 20 Mio. Menschen legalisieren,
    so daß sie auch Versicherung abschließen können.

  • 24.07.2009 10:45 Uhr

    von M. Stahl:

    Eine Krankenversicherung für alle - damit verbunden den Schutz des eigenen Lebens vor Krankheiten - halte ich für ein Menschenrecht und eine der größten Errungenschaften, die es überhaupt jemals gab. Sie ist Grundlage für alles andere.
    Zynisch könnte man sagen, es gibt weniger Arbeit für die Taliban, weil die Amis ihre Leute selbst durch Nichtbehandeln umbringen...
    Sind die Amerikaner wirklich so blöd, wie ich sie einschätze? Oder einfach nur gierig?

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