Twitters neuer Kurzvideodienst

Zu viel #porn bei Vine

Knapp eine Woche ist Twitters Sechs-Sekunden-Videodienst Vine alt – und hat schon ein Pornoproblem. Nun könnte Apple den Dienst sperren.

Sieht so unschuldig aus, aber hat es faustdick hinter den Ohren: Vine.  Bild: Vine

Die Produktion von frischgepresstem Orangensaft, das ständige Gähnen des Haushundes, das Toben von Kindern im Schnee, Momentaufnahmen im wahrsten Sinne des Wortes, teils mit kurzen, schnellen Schnitten versehen – die Clips, die es bei Vine zu sehen gibt, entbehren nicht einer gewissen Faszination.

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Der Dienst, den der Online-Riese Twitter im vergangenen Oktober kaufte, ohne dass er offiziell gestartet war, stellt die Videoisierung des Kurznachrichtendienstes dar. Statt 140-Zeichen-Botschaften oder einzelnen Bildern lassen sich damit seit knapp einer Woche sechs Sekunden lange Filmchen in die Welt senden. Diese werden wiederum mit einer kostenlosen iPhone-App und der im Smartphone eingebauten Kamera produziert und hochgeladen. Erlernt ist die Bedienung der Anwendung innerhalb weniger Minuten.

„Wie bei Tweets inspiriert die Kürze der Videos Kreativität“, heißt es auf Twitters offiziellem Blog zum Start des Angebots. Vine wird direkt bei Twitter eingebaut, so dass man die Clips sofort im Web zu sehen bekommt. Entsprechend schnell wurde das Angebot von den Nutzern auch angenommen, was Vinepeek, ein unregulierter Blick in den gesamten Bilderstrom von Vine, gut demonstriert.

Schnell zu erkennen ist aber auch, dass es mittels Vine inzwischen auch allerlei Freizügiges auf Twitter zu sehen gibt. Unter entsprechenden Tags, die man über die Vine-App aufrufen kann, fand sich schon nach wenigen Tagen Pornographisches. Peinlicherweise schaffte es einer der Hardcore-Clips sogar am Montag in die „Von der Redaktion empfohlen“-Rubrik, die jeder Neunutzer als erstes vorgesetzt bekommt. „Menschliches Versagen“ sei das gewesen, kommentierte ein Twitter-Sprecher.

Fehlendes Warnschild

Bei einem Test der App zeigte sich zudem, dass nicht alle der kurzen Sex-Clips mit einem passenden Warnschild („Dieses Posting könnte heikle Inhalte enthalten“) versehen sind, das bei potenziell problematischen Filmchen eigentlich vor den eigentlichen Start eines Videos geschaltet werden sollte. Stattdessen liefen sie oft einfach sofort an.

Twitter selbst verbietet in seinen Benutzungsregeln sexuell explizite Inhalte zwar nicht – Eltern müssen hier selbst aufpassen – was den Dienst Medienberichten zufolge bei Pornodarstellern beliebter macht als Facebook, wo entsprechende Darstellungen oft sofort weggefiltert werden.

Neben dem Imageproblem von Vine als "Porno-Dienst" könnte Twitter aber anderweitig Ärger mit dem neuen Videoangebot drohen: Durch Apple. Der iPhone-Hersteller zögert nämlich nicht lange, wenn es darum geht, nackte Tatsachen aus seinem App-Store zu kegeln. Das durften in Deutschland vor Jahren bereits die Bild und  der Stern erleben, bei denen weibliche Brüste auf dem digitalen Cover zu sehen waren.

Die Apple-Axt

Erst vor wenigen Tagen strich Apple zudem die Foto-App 500px ohne weitere Nachfrage aus dem Angebot, weil sich unter Naturfotos und Porträts auch Nacktbilder gemogelt haben sollen. Auch Viddy, eine Vine relativ ähnliche Video-Anwendung, bekam schon einmal die Apple-Axt zu spüren.

Da der iPhone-Hersteller offiziell mit Twitter zusammenarbeitet (so kann man auf einem iPhone in den Systemeinstellungen einen Twitter-Account hinterlegen), dürfte es vor einer möglichen Abschaltung der Vine-App zumindest Gespräche zwischen den beiden Firmen geben.

Und eine erste Reaktion zeigte Twitter ebenfalls: Wie die US-Technologie-Newsseite The Verge meldet, führen seit der Nacht zu Dienstag die augenscheinlichsten Hashtags wie #porn, #boobs, #sex und #booty ins Leere. Das wird die Nutzer aber wohl kaum davon abzuhalten, nackte Inhalte mit kreativen Varianten zu taggen – und zu finden.

 

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