Nach dem Amoklauf von Winnenden fanden der Miniblogdienst Twitter und die klassischen Medien zueinander. Allerdings ist diese neue Allianz nicht immer eine besonders glückliche.von Benjamin Laufer
Natürlich ist es in aller Munde. Das Geschehniss in Winnenden. Aufzuwärmen ist nichts mehr. Alles haben die Medien verbraten. Was über den jungen Kurznachrichten-Dienst Twitter in die Welt losgelassen wurde, wurde von jedem halbgaren Möchtegern-Journalisten aufnommen und als die Neuigkeit, die neuste Entwicklung, die Wahrheit verpackt und fand irgendwie zum Leid aller den Weg in sämtliche seriös anmutenden Nachrichtenportale. Zu Teilen sogar in die aktuellen Ausgaben der täglich erscheinenden Zeitungen. Gespickt mit Halbwahrheiten und falschen Fakten mutet die Medienwelt heute um einiges unglaubwürdiger und unseriöser an, als es noch zu Beginn der Woche der Fall war. Die Einerseits wünschenswerte Entwicklung de "Publish-Yourself"-Web 2.0-Trends wird durch die Unzahl spekulativer Botschaften zur Falle für Schnellschuss-Journalisten, die sich über jedes weitere veröffentlichte Zeichen wahrscheinlich ein höheres Honorar erhoffen. Was als Exklusivmeldung anmutet, ist in der heutigen Zeit so unglaubwürdig wie nicht einmal die Mundpropaganda des späten Mittelalters war. Das liegt an den unzähligen Falschmeldungen, die eben auf diese spekulativen Kurzmeldungen aufbauen. Durch die Entwicklung der Medienwelt hat die Informationsflut imens an Tempo zugenommen. Eine Nachricht gilt schon nach einer Stunde als nicht mehr aktuell. Deshalb stürzt man sich wie die Aßgeier auf jedes Fetzchen, das irgendwo aus der Ecke eines schrecklichen Vorfalls stammen könnte und verwurstet es als neue Meldung. Dirigiert durch die Sensationsgeilheit der Boulevardpresse schauckeln sich diese Meldungen dann so weit in die Höhe, dass niemand mehr weiß was eigentlich passiert ist. Und weil niemand weiß was vorgeht, schreibt er beim nächstbesten Nachrichtenportal ab. Dass dieses die ursprüngliche Nichtnachricht aber von einem unbeteiligten, verängstigten Menschen am Bahnhof, der das zuvor getwittert hatte, abgeschrieben hat, weiß keiner mehr, und hat auch niemanden mehr zu interessieren, denn man hat ja eine neue Zeile zu tippen. Das Schlimmste daran ist, dass seriöse Zeitungen wie die Zeit und der Süddeutsche (beispielsweise) auf den Zug der Sensationsgeilheit aufspringen, und vom eigentlichen Journalismus nichts mehr übrig bleibt. Wenn das so weiter geht, will ich nicht zu dieser Sippe dazu gehören, als angehender Journalist und Journalismus-Student.
12.03.2009 19:00 Uhr
von Björn:
Ich stelle mir des Öfteren die Frage, ob die Berichterstattung via Twitter mit all ihren Schnellschlüssen, Spekulationen und Falschmeldungen wirklich so schlimm ist. Schließlich ist der Dienst dafür gedacht, ungeprüft, zeitnah und persönlich Neuigkeiten zu verbreiten. So ist Twitter nun mal. Und wenn sich jetzt einige "seriöse" Medien dieser Berichterstattung anschließen, ist plötzlich der gesamte Journalismus in Gefahr. Vielleicht ist Twitter manchmal pietätlos, unangemessen und unwahr. Das war er vielleicht schon immer... nur weil jetzt Journalisten den Dienst nutzen und ihn beobachten, geht die Diskussion los... ein bisschen traurig. Am Besten wäre natürlich die Medien würden sich da raus halten und die armen Twitterer in Ruhe lassen. Genau wie beim Internet überhaupt. Da gab es ja auch erst mal die Behauptung, der Journalismus würde zu Grunde gehen, wenn Internetquellen benutzt würden. Liegt vielleicht auch am Alter... Aber es muss ja niemand: Als anständige Journalisten könnt ihr ja auch ne Woche in der Bibliothek zu dem Thema recherchieren und dann einen Bericht drucken. Ich lese den dann aber nicht. Bis dahin bin ich schon bestens über Twitter informiert, schließlich wird da ja auch vermeldet, welche Dinge nun der Wahrheit entsprachen und welche nicht. Mit ein oder zwei Lügen kann ich auch im Nachhinein leben. Das passiert mir bei gut recherchierten klassischen Artikeln nämlich auch.
Leserkommentare
12.03.2009 19:33 Uhr
von Matthias Roman Schneider:
Natürlich ist es in aller Munde. Das Geschehniss in Winnenden. Aufzuwärmen ist nichts mehr. Alles haben die Medien verbraten. Was über den jungen Kurznachrichten-Dienst Twitter in die Welt losgelassen wurde, wurde von jedem halbgaren Möchtegern-Journalisten aufnommen und als die Neuigkeit, die neuste Entwicklung, die Wahrheit verpackt und fand irgendwie zum Leid aller den Weg in sämtliche seriös anmutenden Nachrichtenportale. Zu Teilen sogar in die aktuellen Ausgaben der täglich erscheinenden Zeitungen.
Gespickt mit Halbwahrheiten und falschen Fakten mutet die Medienwelt heute um einiges unglaubwürdiger und unseriöser an, als es noch zu Beginn der Woche der Fall war. Die Einerseits wünschenswerte Entwicklung de "Publish-Yourself"-Web 2.0-Trends wird durch die Unzahl spekulativer Botschaften zur Falle für Schnellschuss-Journalisten, die sich über jedes weitere veröffentlichte Zeichen wahrscheinlich ein höheres Honorar erhoffen. Was als Exklusivmeldung anmutet, ist in der heutigen Zeit so unglaubwürdig wie nicht einmal die Mundpropaganda des späten Mittelalters war. Das liegt an den unzähligen Falschmeldungen, die eben auf diese spekulativen Kurzmeldungen aufbauen. Durch die Entwicklung der Medienwelt hat die Informationsflut imens an Tempo zugenommen. Eine Nachricht gilt schon nach einer Stunde als nicht mehr aktuell. Deshalb stürzt man sich wie die Aßgeier auf jedes Fetzchen, das irgendwo aus der Ecke eines schrecklichen Vorfalls stammen könnte und verwurstet es als neue Meldung. Dirigiert durch die Sensationsgeilheit der Boulevardpresse schauckeln sich diese Meldungen dann so weit in die Höhe, dass niemand mehr weiß was eigentlich passiert ist. Und weil niemand weiß was vorgeht, schreibt er beim nächstbesten Nachrichtenportal ab. Dass dieses die ursprüngliche Nichtnachricht aber von einem unbeteiligten, verängstigten Menschen am Bahnhof, der das zuvor getwittert hatte, abgeschrieben hat, weiß keiner mehr, und hat auch niemanden mehr zu interessieren, denn man hat ja eine neue Zeile zu tippen.
Das Schlimmste daran ist, dass seriöse Zeitungen wie die Zeit und der Süddeutsche (beispielsweise) auf den Zug der Sensationsgeilheit aufspringen, und vom eigentlichen Journalismus nichts mehr übrig bleibt. Wenn das so weiter geht, will ich nicht zu dieser Sippe dazu gehören, als angehender Journalist und Journalismus-Student.
12.03.2009 19:00 Uhr
von Björn:
Ich stelle mir des Öfteren die Frage, ob die Berichterstattung via Twitter mit all ihren Schnellschlüssen, Spekulationen und Falschmeldungen wirklich so schlimm ist. Schließlich ist der Dienst dafür gedacht, ungeprüft, zeitnah und persönlich Neuigkeiten zu verbreiten. So ist Twitter nun mal. Und wenn sich jetzt einige "seriöse" Medien dieser Berichterstattung anschließen, ist plötzlich der gesamte Journalismus in Gefahr. Vielleicht ist Twitter manchmal pietätlos, unangemessen und unwahr. Das war er vielleicht schon immer... nur weil jetzt Journalisten den Dienst nutzen und ihn beobachten, geht die Diskussion los... ein bisschen traurig. Am Besten wäre natürlich die Medien würden sich da raus halten und die armen Twitterer in Ruhe lassen. Genau wie beim Internet überhaupt. Da gab es ja auch erst mal die Behauptung, der Journalismus würde zu Grunde gehen, wenn Internetquellen benutzt würden. Liegt vielleicht auch am Alter... Aber es muss ja niemand: Als anständige Journalisten könnt ihr ja auch ne Woche in der Bibliothek zu dem Thema recherchieren und dann einen Bericht drucken. Ich lese den dann aber nicht. Bis dahin bin ich schon bestens über Twitter informiert, schließlich wird da ja auch vermeldet, welche Dinge nun der Wahrheit entsprachen und welche nicht. Mit ein oder zwei Lügen kann ich auch im Nachhinein leben. Das passiert mir bei gut recherchierten klassischen Artikeln nämlich auch.