„Transformers 4“ im Kino

Roboter! Außerirdische! Und Dinos!

„Transformers 4: Ära des Untergangs“ scheint jedes denkbare Zielpublikum geradezu systematisch zu frustrieren.

Gleich verwandelt er sich in ein armes Würstchen: Mark Wahlberg als Cade Yeager in „Transformers 4“. Bild: dpa

„Für wen werden diese Filme gemacht?“, fragt sich A. O. Scott, der Filmkritiker der New York Times, in seiner Rezension zu „Transformers 4: Ära des Untergangs“. Die Antwort scheint so offensichtlich, dass man sie fast automatisch im höhnischen „Was? Das weißt du nicht?-Unterton geben will: Diese Filme, also die ersten drei Teile des „Transformer“-Franchise, haben bislang über 3 Milliarden Dollar weltweit eingespielt. Eine Zahl, die das schüchterne „für wen?“ augenblicklich mit einem brüllenden „für alle!“ beantwortet.

Wer denkt, dass sich die Frage damit erledigt hat, unterschätzt allerdings die Filmkritik. Denn A. O. Scott macht in seinem Text eine interessante Entdeckung: Sicher, man mag das ganze „Transformers“-Unternehmen für eines der am zynischsten durchkalkulierenden überhaupt halten, die genaue Betrachtung entblößt jedoch einige Widersprüche.

Für das weibliche Publikum zu sexistisch, für das kindliche zu gewalttätig und wüst, für die Erwachsenen zu dumm, für die Fantasy- und Sci-Fi-Freaks zu wenig originell, – statt jeden zu bedienen scheinen die Filme es darauf abgesehen zu haben, jedes ihrer Zielpublikumssegmente geradezu systematisch zu frustrieren.

Scott kommt in seinem Text zum Schluss, dass die „Transformers“-Filme etwas seltsam Selbstgenügsames haben: Es ist, als ob man einem kleinen Jungen bei seinen kreativ-destruktiven Fantasiespielen zusieht.

„Transformers 4: Ära des Untergangs“. Regie: Michael Bay. Mit Mark Wahlberg, Stanley Tucci u.a. USA/China 2014, 166 Min.

Noch so'n Jungsspiel

Das kommerzielle Kalkül zu „Transformers 4“ kann man tatsächlich nicht anders als sehr erwachsen bezeichnen: Der Film wird über eine Milliarde Dollar Umsatz machen. In China hat er einen neuen Rekord gebrochen und bereits mehr eingenommen als in den USA.

Dass der menschliche Cast völlig ausgewechselt wurde – die Funktion des besten Verbündeten der „Autobots“ übernimmt statt Shia LaBeouf nun Mark Wahlberg – scheint sich bezahlt zu machen, genauso wie die berechnende Idee, das letzte Drittel des Films in Hongkong spielen zu lassen und die chinesische Schauspielerin Li Bingbing zu besetzen.

Dem gegenüber steht sein „Inhalt“, das aufwändig inszenierte Jungsspiel. Nicht, dass dagegen was zu sagen wäre. Da gibt es Roboter, die sich in Autos verwandeln und mit tiefer Stimme Plattitüden über den Weltfrieden von sich geben, es gibt Außerirdische, die mit Invasion drohen, es gibt gierige Unternehmer (Stanley Tucci!), korrupte Politiker (Kelsey Grammer! Titus Welliver!) und geniale Erfinder (Wahlberg), die auch mit Schusswaffen und Fäusten umgehen können, es gibt junge Männer, die gut Auto fahren können. Und dann auch noch Dinosaurier! Die Filme stellen eine derartige Übererfüllung dar, dass sie das Konzept des „Zu-Wünschen-übrig-Lassen“ ad absurdum führen.

Halt, widerspricht das nun nicht der Behauptung, dass diese Filme systematisch frustrieren? Ja und nein, wie die Liebhaber von Schokoladentorten und anderen Suchtmitteln unter uns wissen: Das Zuviel ist das gängige Cover-up des Nie-genug.

.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben