• 17.06.2008

Townhouse-Boom in Berlin-Prenzlauer Berg

Ein Bio-Bullerbü ohne Alte

In Berlins Lifestyle-Bezirk schaffen Investoren Wohnungen für eine kaufkräftige Zielgruppe - wie das Grundstück Marthashof. Das stört nicht nur Autonome.von Johannes Gernert

  • 03.02.2009 17:22 Uhr

    von klabusterbärchen:

    liebe leute.

    prenzelberg ist schon ewig durchtränkt von sogenannten yuppies, die hier auch ohne stofanel ein - wohn selber hier - normales zusammenleben mit den leuten haben, die uns yuppies nennen, nur weil wir normal verdienen und nicht altertümlich am fliessband, sondern in irgendwelchen lofts, wir halbwegs neue oder - ganz schlimm - ganz alte autos fahren .. von daher ist das jetzt mal nicht so weltverändernd, wenn da so ein ding hochgezogen wird.

    regt euch lieber über die ganzen erste welt touristen auf, die tagtäglich vor unseren türen rumlungern und uns das letzte brötchen beim bäcker vor der nase wegkaufen .. und wegen denen wir von morgens bis abends jammermusik von strassenmusikanten ertragen müssen.

    genau deswegen ziehen wir hier nämlich weg, nicht weil uns die kinderwagen hier aufn sack gehen oder zuviele yuppies hier wohnen ... muaaaaah.


  • 19.06.2008 13:00 Uhr

    von muhinkel:

    ich bin einer dieser investoren in der schwedter str. 41-43( www.kastaniengaerten.de )und muss doch als langjähriger taz leser herrn gernert, dem redateur für diesen artikel, eine ausgesprochen schlechte recherche testieren. achzehn jahre vor unserem baubeginn stand auf unserem grundstück ein übler autohändler,hier durften wir meterweise sondermüll austauschen und entsorgen und davor waren es über 40 jahre baulücken ( heißt bombenlücken ) und davor wohnten dort familien in ihren geschoßwohnungen mit seitenflügeln und zT sehr schlechten lichtverhältnissen. warum fragt herr gernert nicht mal diese 20 " fuck yuppies " familien, die bereits unsere kunden geworden sind und wie lange sie schon im kiez wohnen und mit welchen wünschen und erwartungen sie in ihr neues zuhause im sommer 2009 einziehen werden. die stadt besteht nicht nur aus sozialwissenschaftlern und der bedarf an barierefreien,altersgerechten, hellen, ökologisch sinnvollen neubauten scheint den gewachsenen ansprüchen gerecht zu werden. mfg

  • 17.06.2008 18:03 Uhr

    von M. Homeier:

    Also ich finde "Fuck Yuppies" ist ein super Slogan. Hat Substanz und trifft es genau. Zuviel Diplomatie ist unangebracht. Kommt im Marketing ja auch zu kurz. Leuten die dort Wohnungen anmieten ist nicht mehr zu helfen...sie haben nichts verstanden...Glück lässt sich nicht kaufen. Nur die Illusion davon - hält aber nicht lang. Das einzige Problem ist wahrscheinlich das sich die Yuppies eben nicht mehr als solche erkennen, sondern als verantwortungsvolle, umweltbewusste Topverdiener mit Hang zur Exzentrik, oder sowas...Die Anmietung oder der Erwerb einer solchen Wohnung ist dann aber doch der Beweis für´s schlichte Yuppietum. Da fällt mir noch ein - Super wäre auch z.B. den Koksdealern mal neue Perspektiven und Ausweitung des Kundenkreises anzudenken und eine Empfehlung für das neue Betriebsgelände auszusprechen...So 100% organic fair trade coca...passt doch gut ins Konzept oder?

  • 17.06.2008 14:35 Uhr

    von anke:

    Nina Pauer beklagt in der aktuellen taz stellvertretend für die Mittzwanziger ihres (gewiss ausgesprochen weiten) Bekanntenkreises die Unmöglichkeit einer Abgrenzung gegenüber ihren alt-68-er Traumeltern. "Das wahre eigene Leben", behauptet sie, sei "schließlich nur durch einen großen Rebellionsschlag zu erreichen". So haben es die Eltern sie gelehrt, so hat sie es verinnerlicht. Und wem, fragt man sich, nutzt nun die ganze gute Kinderstube? Richtig, möchte man sich antworten: Der sogenannten gesamtgesellschaftlichen Stabilität. Erfolg ist eben, wenn man die Zeiten überdauert.

  • 17.06.2008 10:24 Uhr

    von derherold:

    Es gibt kein richtiges Leben im falschen.
    Zynisch gesprochen geht es ja gar nicht darum, daß "Leute verdrängt" werden - das wurden sie zu allen Zeiten - sondern, daß diejenigen, die das tun, mit Sicherheit ein gutes Gefühl haben.
    ME geht es nicht um Stadtsoziologie oder das Beschreiben einer "Gentrifzierung", sondern um die Frage nach dem (polit. ?) Bewußtsein derjenigen, die Teil dieser Entwicklung sind.
    Bei Stofanel und anderen Spekuvestoren kann ich ja noch einen Renditeantrieb erkennen aber was treibt einen zukünftigen Bewohner dazu, objektiv das zu tun, was er subjektiv für falsch halten muß ?
    ... wenn ich als Immobilienmakler das schon sagen muß ...

  • 17.06.2008 09:46 Uhr

    von Michael:

    Im Gegenteil, die Darstellung scheint vielleicht oberflächlich, doch ist sie es nicht. Schönzureden hilft nichts. Menschen, die Situationen als so politisch erkennen, wie sie wirklich sind, sind de facto heutzutage Exoten. Und wer sich anhört, was auf Demonstrationen alles abgelassen wird - mit Sicherheit auch der ein oder andere vernünftige Slogan; trotzdem handelt es sich dabei meist um Evente. Wie auch sonst?
    Ich habe selbst bis vor zwei Jahren im Prenzlberg gelebt (am Kollwitzplatz) und finde die Darstellung durchaus gelungen bzw. nachvollziehbar.

  • 17.06.2008 01:23 Uhr

    von Bark Wind:

    Erstmal stimme ich Caro weitgehend zu. Dann kommt mir aber beim Stichwort Bullerbü die folgende Idee: Wie wär's mal mit einer echten Bio-Stadtentwicklung, statt diesem pseudo-bio Yuppieschnickschnack, nämlich: Die Dachgeschoße als Gewächshäuser für Obst u. Gemüse (um-/aus-/neu-)bauen, die Innenhöfe mit Haselnuss-, Blaubeeren- u.a. Sträuchern bepflanzen und einige Erdgeschoß/Parterre-Wohnungen als ausreichend mit Tageslicht durchflutete Stallungen für "artgerechte" (v.a. Freilauf- nicht Boxen-)Haltung für - je nach Gebäudegröße - 3 oder 4 Milchkühe oder 5 oder 6 Schafe und dazu noch ein paar Hühner. Auf Misthaufen sollte man aber m.E. in Wohnbereichsumfeld lieber verzichten. Alles als Genossenschaft der Bewohnenden natürlich - und alte Hauseigentümer werden einfach enteignet und bekommen als Entschädigung für jede Wohnung eine Legehenne. Das Konzept würde übrigens Tausende Tonnen Verpackungsmüll und viel Energie sparen, da Milch, Eier, Obst u. Gemüse nicht mehr von weit her transportiert werden müssten.

    Berbullerbülin statt Beryuppilin!

  • 16.06.2008 17:44 Uhr

    von Eric Cartman:

    Dann kann Frau Maier ja wieder aus dem Speckgürtel in den Ausgehbezirk ziehen.
    Mitten ins Grüne, mitten in die Szene!
    Für linke Besserverdiener praktisch die Quadratur des Kreises!

  • 16.06.2008 17:01 Uhr

    von caro:

    Danke für den Artikel - meines Erachtens gibt es viel zu wenig Auseinandersetzung mit dem Themenkomplex "Gentrifizierung" in den Medien.

    Aber auch dieser Artikel geht nur wenig inhaltlich in die Tiefe. Vor allem der letzte Abschnitt stellt den Menschen, der das "alles politisch" sieht so als süßen Exoten hin. Und die Demonstranten werden auch nur inhaltsleer dargestellt (sicher gab es doch mehr Inhaltliches als "Fuck Yuppies" über die Lautsprecher zu hören und auf den Transparenten zu lesen!). Gerade Prenzlauer Berg bietet doch ein Superbeispiel, um die Verdrängung konkret zu machen. Warum werden die Menschen nicht näher benannt (außer einer anonymen Zahl von 80% der vorherigen Bevölkerung, die mensch sich selbst ausrechnen muss), die da verdrängt worden sind? Warum wird keine Kritik daran geübt, dass die Leute, die ihren Kaffee-Latte über ihrem Mac-Laptop trinken so gänzlich politisch ignorant nicht über die Verdrängung nachdenken?

    Ganz konkret hat doch Andrej Holm die Veränderungen in Prenzlauer Berg stadtsoziologisch untersucht - das wäre doch ein Ansatz für fundierte Recherche.

    Hier noch was zum Anschauen zum Thema:
    http://blogs.taz.de/streetart/2008/05/30/pipi-gegen-yuppies/
    http://blogs.taz.de/streetart/2008/04/16/spekulanten-raus-aus-kreuzberg/


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