• 12.08.2010

Telekom-Unternehmen und Kabelanbieter

Netzneutralität in Deutschland bedroht

Google fing an – nun stellen auch deutsche Unternehmen die Netzneutralität aktiv infrage. Oppositionspolitiker und Netzaktivisten haben deswegen eine Petition gestartet.von Julia Seeliger

  • 12.08.2010 23:56 Uhr

    von Anony:

    @Lutz Falkenburg
    Es ist richtig, dass die Netzneutralität in der Form, wie viele es darstellen gar nicht existiert.
    Aber heißt das, dass wir zusehen sollen, wie geldgierige Provider das Netz Schritt für Schritt zerstören?
    Ich denke nicht.
    Gerade WEIL, schon jetzt die Netzneutralität eingeschränkt ist, ist es an der Zeit, diese wieder zu stärken, oder zumindest dafür zu sorgen, dass sie nicht noch weiter zerlegt wird.
    Auch stimme ich zu, dass es auf Bundesebene keinen Sinn macht.
    Und wenn eine ideale, netzweite Lösung nicht realisierbar ist, sollten wir doch eine europaweite Vorreiter-Regelung anstreben.
    Aber vor allem müssen wir darüber reden!
    Der von Google klug gewählte Zeitpunkt der Verizon-Vereinbahrung, während dem anrollenden Street-View-Start, hat dazu geführt, dass die Dabatte in den Medien zu kurz gekommen ist.
    Die Politiker schimpfen über Street-View anstatt, über die Netzneutralität zu diskutieren.
    Es sollte andersherum sein.

    Hier bei der taz ist das Verhältnismäßig gut.
    Aber auch hier sind von den letzten 10 Netz-Themen
    5 über Street-View, 1 über Netzneutralität, und eins über beides.

  • 12.08.2010 20:53 Uhr

    von Ein männlicher Mann:

    @Lutz Falkenburg:

    Bezüglich Mobilfunk: Die Bandbreiten in Mobilfunknetzen sind begrenzt (shared media vs. P2P/switched) insofern wird es in absehbarer Zeit nicht die Bandbreiten wie in kabelgestützten Netzen geben. Wenn die Provider vieleicht Femtozellen in die Router einbauen wird sich das zumindest in Ballungsräumen ändern.

    Die Peerings zwischen den Providern werden mit entsprechenden Konfigurationen zum Austausch der Routen gesteuert, schauen Sie sich doch einfach die Bedingungen von großen Peeringpoints an, dann bekommen Sie einen Eindruck wie das läuft.

    VOIP-Netze lässt man in eigenen MPLS-VPN laufen in dem ich keine Internet Adressen route. Denn nur in einem eigenen VPN kann ich den Jitter, Bandbreiten und die Laufzeiten vernünftig kontrollieren wie es für qualitativ hochwertiges VOIP benötigt wird. Schauen Sie sich doch einfach mal an wie die Telekom IPTV implementiert hat: Ein eigenes VLAN für die IPTV Pakete. Oder wie Alice sein VOIP implementiert hat: Als eigenes VCI, die wahrscheinlich, sobald die die Pakete aus dem Telekom Netz fallen im einem MPLS-VPN im Netz von ALice/Telefonica weiter transportiert werden.

    Diese Netze laufen über die selben Kabel wie das Internet, sind aber eigene Netze die mit dem Internet erstmal wenig zu tun haben.

  • 12.08.2010 17:15 Uhr

    von Stefan:

    Ich habe die Petition heute unterschrieben.

    Jeder der regelmässig das Internet nutzt sollte sich darüber informieren was Netzneutralität bedeutet und dann wird er/sie auch unterschreiben.

  • 12.08.2010 14:30 Uhr

    von Ralf Josephy:

    Nun auch das Thema Netzneutralität verursacht Kosten. Darauf weist die Wirtschaft zu Recht hin, denn wir haben uns vom Anfangsweg des Internets getrennt und das Internet von den Universitäten weg hin zur Privatwirtschaft bewegt.

    Der Schlüssel für die Netzneutralität ist nach meiner Meinung jedoch darin zu sehen, dass beliebige Aktivisten Ihre Darstellungen auch über privatwirtschaftliche Wege vertreiben können, ohne dass sie viel Geld bezahlen. Netzneutralität muss für niemanden teuer sein, ist aber für einzelne Hart IV Empfänger unbezahlbar. Dieser Wunsch kann nur staatlich reguliert werden. Das kostet Steuergelder und wenn nur die Meinung verbreitet wird, dass mehr Hart IV Geld fliessen soll.

  • 12.08.2010 14:05 Uhr

    von Lutz Falkenburg:

    Netzneutralität? Wo gibt es die? Nirgends. Schon immer wurde per Priority Peering, Throtteling etc. das Netz gezielt gesteuert. Nicht immer zu dem Zweck allen Nutzern gleichmäßig viel Internet zu vergeben. Mit IPv6 wird sich dort zusätzliches einiges Ändern weil die Unart mehrere Devices hinter einer IP zu verstecken wegfällt (Stichwort NAT).

    Die Verfügbarkeit von DSL Bandbreiten werden zum Beispiel von der Telekom in gewissen Gebieten nicht anhand der Entfernung zum DSlam angegeben sondern schlicht und ergreifend nach verfügbarem Uplink. Kaufen nun aber mehrere Kunden in diesem Gebiet DSL höhere Bandbreiten bzw. fragen es an, kann die Telekom den Uplink ausbauen und plötzlich erhalten Kunden DSL denen man vorher sagte, sie sitzen zu weit weg, bla. Wie bitte soll das auch anders gehen? Der Staat hat den Ausbau des Internets schlicht verpennt (alle mir bekannten Versuche darüber zu reden scheiterten ala “Internet? Das ist doch dieses BTX-Ding von der Post, das ist doch alles staatlich - ca. 1996). Also nahmen viele Individualisten und damals noch kleine Firmen es selbst in die Hand und erweiterten das Internet - also das, was es damals gab (Stichwort: Xlink, NTG, KPN/Qwest…)

    Also im B2B Bereich bzw. zwischen Providern gab es so etwas wie Netzneutralität nie. Ganz im Gegenteil: Es gibt immer noch aus Zeiten der KPN/Qwest aka Xlink Euroringe Vereinbarung über priorisiertes Peering bzw. Routing/Tagging/QOS/whatever - ohne diese Vereinbarung wären z.B. große internationale VPN/VOIP-Projekte gar nicht erst möglich. Ist mir schon klar, dass die Telekom da gerne was ändern würde, denn der BTX-Anbieter kann da häufig nicht mitspielen ;-)

    Was soll sich für uns Endkunden denn ändern? Dass ich zukünftig für werbefreie HD-Videos bei Youtube Geld zahlen muss ansonsten bleibt mir nur die non HD Variante mit 35 sekunden Werbeblock? Wie schrecklich. Im Moment steuern wir doch vielmehr auf die Variante zu, dass man IMMER Werbung ertragen muss und darüber hinaus HD nicht wirklich HD ist. Und im mobilen Bereich?! Netzneutralität? Lachhaft, Mobilfunkprovider untersagen das Nutzen von VOIP als Skype, SIP und klemmen den Kunden auf ISDN-Geschwindigkeit runter, wenn er bei seiner FLATRATE(!) mehr als x GB Traffik macht.

    Noch eines, das Internt ist nicht ganz so homogen, wie es sich hier vielleicht einige vorstellen. Grundsätzlich ist jeder von uns Teil des ganzen. Beispiel: Kleine Firma X bestellt Breitbandanbinung bei der Telekom/ARCOR/QSC/LAMDANET/etc. und holt sich eine Genehmigung zum verfunken eines Nahegelegenen Ortes (keine Seltenheit, da, wo ich herkomme). Schon erweitert sich hier das Internet auf nicht kontrollierbare Weise. Worauf ich hinweisen will, niemandem gehört DAS Internet nicht mal die Staaten können an Ihren Grenzen Pakete kontrollieren, ergo ist es sinnlos eine deutsche Regelung herbei zu führen. Der richtige Ansatz wäre meines Erachtens nach über die ICANN, die aber (wie das Internet selbst) ein Haufen nicht steuerbarer Individuen ist. Schön wäre, gerade im Zeitalter “keiner fragt aber alle antworten” man könnte unsere/eure/alle deutschen Aktivitäten zu diesem Thema sammeln. Dies könnte zum Beispiel eine Aufgabe der Politik sein, das Bereitstellen einer Plattform.

    Kurzum, hier ist über ein Reizwort ein Thema aufgerufen worden, was zum einen gesellschaftlich für einige Zeitgenossen extrem wichtig zu sein scheint und zum anderen nicht näher definiert ist. Jeder fabuliert davon, dass sich etwas an etwas ändern könne, was es aber in der Art vorher gar nicht gab wenn man denn wüsste worüber man genau redet ;-)

    Vielleicht sollten sich die digital Naives mal auf eine Definition/ihre Definition von Netzneutralität einigen, damit jeder weiß worum es zu streiten gilt.

    Grüße!

  • 12.08.2010 13:38 Uhr

    von onny:

    Preisbarrieren im Internet dienen nur jenen Providern, die ein regulierten und gedrosselten Internetzugang möglichst günstig an eine breite Masse verkaufen wollen. Dabei zerstören sie jegliche demokratische Prinzipien, die das WWW gerade für uns so wertvoll machen.
    Nur eine europaweite Regelung für Netzneutralität in allen Bereichen schützt das für unsere Gesellschaft so wichtige, freie Netz!

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