Zentrale Fragen zum Gesetzentwurf bleiben beim Bund-Länder-Treffen offen. Die SPD-Bundestagsfraktion übt scharfe Kritik am "Gorleben-Findungsgesetz". von Malte Kreutzfeldt

Atomkraftgegner bilden ein X vor dem Brandenburger Tor. Bild: dpa
BERLIN taz | Bei den Gesprächen der zuständigen Minister aus Bund und Ländern über ein neues Suchverfahren für ein Atommüllendlager hat es am Donnerstag in zentralen Streitfragen keine Einigung gegeben. Zwar sprachen sowohl Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) als auch die rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerin Eveline Lemke (Grüne) anschließend von Fortschritten und lobten die Atmosphäre als konstruktiv.
Die Frage, welche Rolle der umstrittene Salzstock in Gorleben im weiteren Prozess spielen soll, wurde aber in eine Arbeitsgruppe ausgelagert. Bekräftigt wurde, dass er nicht vorab ausgeschlossen werden soll. Niedersachsens Umweltminister Stefan Birkner (FDP) stellte zudem klar, dass er nicht – wie von der Union teilweise gewünscht – als Referenzstandort feststehe, sondern jederzeit anhand der festzulegenden Kriterien aus dem Verfahren ausscheiden kann.
Die Streitfrage, an welcher Stelle im Verfahren und durch wen diese Kriterien festgelegt werden sollen, blieb ungelöst. Auch die künftige Behördenstruktur werde noch weiter erörtert, sagte Röttgen.
Keine Einigung gab es über die Forderung nach einem sofortigen Bau- und Erkundungsstopp in Gorleben, sowie über ein Ende für die "vorläufige Sicherheitsanalyse", die vor allem von der Atomlobby nahestehenden Personen und Institutionen durchgeführt wird.
Einig war sich die Runde nach Angaben der Teilnehmer, dass die Öffentlichkeitsbeteiligung im Verfahren deutlich ausgeweitet werden soll.
Scharfe Kritik am vorliegenden Gesetzentwurf hatte zuvor die SPD-Bundestagsfraktion geübt. Das Gesetz wirke wie ein "Gorleben-Findungsgesetz", kritisierte die Abgeordnete Ute Vogt. Die SPD drängt darauf, gleich zu Beginn des Verfahrens Kriterien zu formulieren, die den aus ihrer Sicht ungeeigneten Standort Gorleben ausschließen. Zudem fürchtet die Partei, dass beim gewählten Verfahren die Kosten der Endlagersuche am Ende beim Steuerzahler hängen bleiben. Dies wies Röttgen zurück.
Vor den Bund-Länder-Gesprächen protestierten über 100 Atomkraftgegner verschiedener Organisation in Berlin. Sie forderten, Gorleben wegen der erwiesenen geologischen Mängel komplett aus dem Verfahren herauszunehmen.
Erst zu den Aktivisten, dann mit SPD-Chef Gabriel an den Bohrknopf: Bei seinem Besuch in der Asse kündigt Umweltminister Altmaier eine Beschleunigung des Verfahrens an. von Malte Kreutzfeldt

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Der Live-Ticker zum Castortransport 2011 zum Nachlesen auf taz.de.
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Am 30. Mai 2011 hat die schwarz-gelbe Koalition ihren Atomkurs radikal verändert. Bis dahin galt der Ausstieg aus dem rot-grünen Atomausstieg, die deutschen AKW sollten bis nach 2030 laufen - also im Schnitt zwölf Jahre länger als mit dem rot-grünen Atomkonsens.
Nun heißt es: Die acht ältesten deutschen AKW bleiben abgeschaltet, die restlichen laufen zum großen Teil bis 2021 oder 2022 weiter. Nach der Atomkatastrophe in Fukushima kippte die Stimmung auch unter den Unionswählern gegen die Atomkraft, die wichtige Wahl in Baden-Württemberg ging für Merkel verloren.
Deshalb nun die Umkehr. Im Eiltempo werden nun Atomgesetz und andere Energiegesetze umgeschrieben. Auch das Genehmigungsrecht für Stromleitungen soll vereinfacht werden. Das Eiltempo soll alle überrumpeln: die Energiekonzerne und ihre Abgeordnetenfreunde ebenso wie die Anti-Atom-Bewegung und die Regierungen der Bundesländer.
Wie die Anti-Atom-Bewegung reagiert; wie das Energiesparen bei Elektrogeräten, der Industrie und den Gebäuden berücksichtigt wird, was auf Mieter und Hausbesitzer zukommt; wie der Verbraucher sich für die Energiewende motiviert - die taz berichtet in diesem Schwerpunkt darüber.
Kita-Ausbau, Betreuungsgeld, Flexi-Quote - nix klappt bei der Familienministerin. Keine Schnute ziehen, Frau Schröder. taz.de hat Vorschläge für andere Aktivitäten.

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