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Europas giftigste Zockerinstrumente

Der grüne EU-Abgordnete Sven Giegold hat gemeinsam mit der NGO Share einen Internet-Wettbewerb gestartet. Gesucht werden gefährliche Finanzprodukte.

Seit der Eurokrise läuft die Debatte, welche Finanzprodukte verboten werden sollten. Doch bisher hat sich fast nichts getan. Bild: dpa

BERLIN taz | Was sind die gefährlichsten Finanzprodukte in Europa? Diese Diskussion beschäftigt neuerdings nicht nur die Spezialisten der Bankaufsicht. Auch Verbraucher können sich jetzt beteiligen. Der grüne Europaabgeordnete Sven Giegold hat zusammen mit den Nichtregierungsorganisationen Share und Weed einen Internet-Wettbewerb ausgelobt.

Die ersten Vorschläge stehen schon auf der Seite, und die Palette der eingereichten Problemfälle ist denkbar breit. Manche Teilnehmer haben hochspezialisierte Produkte vorgeschlagen wie den „EUSIPA Product Type: Warrant (2100)“, den etwa die Schweizer Großbank UBS vertreibt. Dahinter verbergen sich Derivate, mit denen auf Aktienkurse spekuliert wird.

Andere Einreicher halten sich gar nicht erst mit konkreten Finanzangeboten auf, sondern wollen gleich ganze Produktkategorien abschaffen wie etwa die Riesterrente oder die geschlossenen Schiffsfonds. Seit der Finanzkrise läuft die Debatte, welche Produkte verboten werden sollten. Doch bisher hat sich fast nichts getan.

In der EU wurden nur die ungedeckten Leerverkäufe von Aktien, Anleihen und Kreditausfallversichungen untersagt. Bei diesen ungedeckten Leerverkäufen hat der Verkäufer die Papiere noch nicht einmal geliehen, die er veräußert. Ohne Kosten lässt sich also unbegrenzt spekulieren – was die Kurse sehr stark beeinflussen kann.

Neue Kontrollorgane

Die Aufsichtsbehörden hätten durchaus die Macht, noch weitere Produkte vom Markt zu nehmen. 2011 wurden drei neue europäische Kontrollorgane geschaffen: die Esma für Märkte, Börsen und Investmentfonds, die EBA für Banken und die //eiopa.europa.eu/:Eiopa für Versicherungen. Zudem wird in diesem Jahr die EU-Finanzmarktrichtlinie MiFID verschärft, so dass unter anderem der Hochfrequenzhandel und die Spekulation mit Rohstoffen eingeschränkt werden könnten.

„Der Internet-Wettbewerb soll die Fantasie und Tatkraft der Behörden anregen, schädliche Produkte auch wirklich zu verbieten“, sagt Giegold. Das „Gewinner“-Produkt soll den zuständigen Behörden öffentlich präsentiert werden, so der Plan. Vorschläge werden bis zum 15. Februar angenommen und bis zum 25. Februar von einer Jury bewertet. Die endgültige Abstimmung findet im Internet bis zum 3. März statt. Der Gewinner wird am 4. März präsentiert. Zusammen mit Sven Giegold wird er nach Paris fahren, um dem Chef der Finanzaufsicht Esma persönlich zu erklären, warum das Zockerinstrument vom Markt verschwinden sollte.

Anmerkung der Redaktion: Ulrike Herrmann ist Jury-Mitglied des Wettbewerbs: „Europa sucht das gefährlichste Finanzprodukt“.

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