• 22.01.2010

Stromanbieter tarnt Werbeaktion als Demo

Kunstschnee gegen den Klimawandel

Ein Stromunternehmen will sich auf dem Berliner Markt etablieren. Und tarnt seine erste Werbeaktion als Demonstration.von L. Strothmann & L. Sander

  • 31.01.2010 04:17 Uhr

    von weltwanderer:

    Weil auch Utopia erwähnt wird: Interessant finde ich, dass offenbar viele Utopistinnen und Utopisten selbst durchaus nicht naiv oder unaufgeklärt sind, was Ökostromanbieter angeht, und EWS, Naturstrom und Greenpeace Energy favorisieren, wie z.B. die Diskussion hier zeigt: http://www.utopia.de/gutefragen/fragen/envacom-ein-echter-okostromanbieter

  • 31.01.2010 03:43 Uhr

    von emiliozapatista:

    Meine Meinung liegt ungefähr zwischen der von Devils Advocat und Kai Heddergott.

    Etwas näher an letzterem. Trotzdem werde ich bei einem der wenigen 'echten' Ökostromanbieter bleiben, die - in Prozent ihres Umsatezs - am meisten in den Ausbau erneuerbarer Energien investieren und keinen einzigen Cent an Unternehmen wie Eon abführen, vgl. http://www.atomausstiegselbermachen.de .

  • 30.01.2010 11:23 Uhr

    von Wallpaper:

    Also prinzipiell find ich die Aktion gut. Wenn jmd - ne Einzelperson oder auch grosses Unternehmen - was konstruktives macht, das uns zum nachdenken bringt, dann find ich das erstmals positiv. Was ich aber nicht verstehe - warum kann man das nicht klar aussprechen das sich das um Entega handelt? Ich denke das ist der Knackpunkt an der Sache und hier wirds schmierig. Sowas geht immer nach hinten los, denn der User (in allen sozialen Networks) oder Konsument will nicht getrickst werden. Einfach offen sagen, denn kann sich jeder frei entscheiden ob er/sie da teilnehmen will oder nicht.
    Werden trotzdem Leute kommen und hinterher gibts keine bösen Überraschungen.

  • 29.01.2010 11:25 Uhr

    von ginera:

    Es gibt eine Sache, die verstehe ich an Menschen nicht: Wird nichts getan, dann wird sich darüber aufgeregt. Wird etwas getan, dann wird sich auch aufgeregt. Dann wird noch in der hintersten Schublade nach Dingen gesucht, die entsprechende Aktion verunglimpfen soll. Warum maßen wir uns an, alles zu kritisieren, ohne irgendeinen konkreten Gegenvorschlag in der Tasche zu haben, oder ein Konzept, wie man es besser machen kann? Mir ist lieber, dass ein Unternehmen solche Aktionen fährt und damit die Menschen zum Nachdenken anregt, als das nichts passiert. Soll es sein Unternehmen damit doch bewerben. Um nichts anderes geht es doch auf dieser Erde: Wie stelle ich mich und mein Anliegen am besten dar. Das gilt gleichermaßen für Politik, Wirtschaft, Presse natürlich und Menschen wie "du" und "ich". Wenn dabei etwas Positives herauskommt, umso besser. Hört auf mit eurer Selbstgerechtigkeit und unternehmt selbst etwas, statt nur zu kritisieren.

  • 27.01.2010 15:51 Uhr

    von Katrin:

    Wenn die bei der Aktion wenigstens den ganzen Schnee verwendet hätten, der die Nebenstraßen zu Buckelpisten macht.
    Mir kam die Sache von Anfang an irgendwie dümmlich vor. Wir können uns vor Schnee nicht retten, frieren uns den A... ab während wir wahlweise auf die Bahn warten oder unser Auto freihacken (Krankenwagen und Postautos sind auch Autos! Und Briefträger Fahrradfahrer!) und da wird berufsjugendlich von Schneemännern gefaselt anstatt einfach mal weiter den Eisbären als Motiv zu nutzen, denn der würde zur Zeit sicher gern uns tauschen (und Knut lebt im Tierpark endlich mal artgerecht)
    Dem Umweltschutz ist da wohl eher ein (Eis-)bärendienst erwiesen worden...

  • 27.01.2010 15:47 Uhr

    von Kai Heddergott:

    Die kritische Auseinandersetzung mit der Aktion an sich ist löblich, generelles Misstrauen bei Kommunikationsmaßnahmen zum komplexen Themenfeld "Energie / Klimawandel" angebracht - doch die hier geäußerte Kritik schießt meines Erachtens am Ziel vorbei. Ein Energieriese wie RWE hat mit der plump-dreisten Idee des Energie-Riesen-Spot Greenwashing vom Feinsten betreiben, Entega geht da pfiffiger ans Werk – und hat mitnichten die Demo "getarnt", das mag sich vielleicht vor Ort so dargestellt haben. Aber zentraler Bestandteil der Kampagne scheint die Präsentation und Dokumentation im Virtuellen zu sein und im Jahre 2010 sollte jede/r Redakteur/in an seine/ihre an sich löbliche Recherche vor Ort eine im Internet an die Seite stellen. Denn dann hätte man schon vor dem Event selbst feststellen können, wer hinter dem ganzen steckt. Unter entega.de/denkanstoesse wird ganz klar herausgestellt, wer das initiiert hat. Bereits am 19. Dezember wurde die entsprechende Facebook-Seite gestartet - auch hier wird klar kommuniziert, dass entega der Treiber ist. Überdies: Man räumt als Produzent ja selbst ein, dass noch nicht alles im grünen Bereich ist - aber eben die Leute mit Aktionen wie der Demo für die Sache gewinnen will. Da mag die CO2-Bilanz der Aktion fragwürdig sein - die Aktion als solche sollte das aber nicht in dem geschehenen Maße diskreditieren. Aber der bereits in den Kommentaren erfolgte Hinweis auf die "reine Lehre" trifft es vermutlich wohl: Durch die Vereinnahmung des Begriffs "Demo" sind wohl gewachsene Befindlichkeiten und Ansprüche auf die Auslegungshoheit berührt worden. Ich finde: lieber eine "Demo" eines Stromanbieters mit unterstützenswerter Zielsetzung als gar keine Maßnahmen.

  • 26.01.2010 15:56 Uhr

    von schnuppsi:

    lieber herr blankenhorn: wieviel muss man denn bitteschön recherchieren, um sich später nicht dem vorwurf "man habe etwas aus einer laune dahin geschludert"aussetzen zu müssen.
    ich muss sagen, ich selbst habe habe es zugelassen, dass in unserem laden das plakat für die angebliche "DEMO" an die eingangstür gehangen wurde, da es uns mit dem hinweis "das ist ne demo gegen den klimawandel" aufs auge gedrückt wurde - nicht mit dem hinweis, es ist eine werbeaktion eines neuen stromanbieters. so weit kommt das noch, dass man für jedes vermeintlich gute-zweck-plakat den wahren absender recherchieren muss, entega selbst sagte mir bis dato nichts. schleichwerbung, nein danke, mir ist es im nachhinein peinlich, dass dieser nepp von uns auch noch unfreiwillig beworben wurde. wiederschaun und danke, liebe taz, fürs dahinschludern.

  • 26.01.2010 14:05 Uhr

    von Sebastian Köck:

    Zum weiterlesen: http://www.wir-klimaretter.de/wahl-hintergr-mainmenu-442/74-wirtschaft/5068-bezahlte-schneemaenner-demonstrieren-lassen

  • 26.01.2010 13:51 Uhr

    von Devils Advocat :

    Die Kommentare sind mir zu positiv. Scheint fast, als ob Entega / Ralf Schmerberg oder die Agentur hier Boden gut machen wollen.

    Nein, das ist keine "klimafreundliche" Aktion.
    Kunstschnee in dieser Menge zu verteilen nur damit ein Werbeevent stattfinden kann (wahrscheinlich sind die TV Zeiten schon gebucht) ist schon krass, wenn man sich gleichzeitig den Umweltschutz auf die Fahne schreiben möchte. Das entlarvt auch die laute Werbe- und PR-Maschinerie als reine "GReen Washing" Aktion und bloße Farce.

    Wenn die weiteren Aktionen ähnlich doppelzüngig gelagert sind wünsche ich Entega keinen Erfolg. Jeder kann relativ einfach selber etwas für sauberen Strom machen. Einfach zu einem Öko-Stromanbieter wechseln (www.atomausstiegselbermachen.de).

    Der zweite Punkt trifft tiefer. Wie hier vorsätzlich Menschen getäuscht und Mißbraucht werden ist eine neue Stufe der medialen und werbetechnischen Gehirnwäsche. Hier heisst es aufpassen und rechtzeitig die Täter zu entlarven, die unter dem Deckmäntelchen des Gutmenschentums nichts als Profit, Rentabilität und Egomanie verfolgen. Gut so TAZ und weiter so.


  • 25.01.2010 11:14 Uhr

    von Nicolas Blankenhorn:

    Mir als Stromverbraucher ist es recht, wenn die Anbieter anfangen sich Gedanken zu machen. Besser als weiter aus Profitgier und Renditezielen die erreicht werden wollen immer wieder die Laufzeiten von Atomkraftwerken zu verlängern. Für die grossen Stromanbieter eine Riesengewinnspanne: Relativ geringe Kosten stehen riesigen Umsätzen gegenüber was sich dann in astronomischen Gewinnen widerspiegelt. Der TAZ -Beitrag versucht zwar kritisch daher zu kommen, jedoch finde ich es nicht konstruktiv einfach gegen einen Stromkonzern zu wettern, ohne konkrete Vorwürfe machen zu können. Den Teufel an die Wand zu malen finde ich altmodisch, das ist ein krasses Gut-Böse-Denkschema das in diesem Zusammenhang nicht mehr angebracht ist, mir fehlt hier die differenziertes Denken. Es kommt mir so vor, als sei dieser Artikel aus einer Laune dahingeschludert worden - nicht wirklich recherchiert und sehr polarisierend ohne eine bessere Lösung anzubieten. Meiner Meinung nach sollte ein Umdenken stattfinden - auf gesamtgesellschaftlicher Ebene und eben konsequent. Wie bei einer Therapie denke ich aber, dass viele kleine Schritte nötig sind, um am Ende zu einem grossen Schritt werden. Auch die Pressevertreter müssen sich diesem Umdenkprozess anschliessen - denn im Kern geht es um die Frage: Wie gehen wir in Zukunft mit unseren Ressourcen um? Mir wäre es lieber wenn alle herkömmlichen Energieanbieter auf der ganzen Welt anfangen würden ernsthaft über solche Themen nachzudenken und dann auch entsprechend zu handeln. Dann finde ich es auch ok, damit sein Image zu gestalten. Andernfalls können wir auch noch in 20 Jahren wie in den Achtzigern gegen Atomstrom protestieren, am Ende ändert sich leider nicht viel...

  • 25.01.2010 11:01 Uhr

    von Sanníe:

    Ralf Schmerberg - der Fanta4-Regisseur. Sind denn alle käuflich?

  • 24.01.2010 10:28 Uhr

    von Pater Brown:

    "... etwa die Hälfte der 800.000 Kunden beziehen keinen reinen Ökostrom. Zwar verkauft das Unternehmen selbst keinen Atomstrom, doch ein Teil der Profite wandert..."

    So richtig sattelfest liest sich das nicht: "etwa die Hälfte beziehen", aber "ein Teil wandert". Ein Tipp: Hälfte und Teil sind jeweils Singular.

  • 24.01.2010 10:25 Uhr

    von reblek:

    "Große Schneemann-Demo gegen Klimaerwärmung..." Das ist ja eine prima Firma, die - wie übrigens auch taz-AutorInnen - behauptet, das Klima könne erwärmt werden. Als ob es sich dabei nicht um eine ebenso abstrakte wie komplexe Größe handelt, für deren "Erwärmung" Ähnliches gilt wie für Homosexuelle und Kinderkriegenkönnen und die Antwort von Radio Eriwan: "Im Prinzip nein, aber es wird immer wieder versucht."

  • 23.01.2010 17:51 Uhr

    von Sandmann:

    Na das ist ja eine 1A Green-washing Aktion von UTOPIA und ENTEGA.

  • 23.01.2010 16:30 Uhr

    von Reinhard Böse:

    Nach dem nun die Laufzeiten für Atomkraftwerke aller Voraussicht nach verlängert werden, bleibt den wenigen Energieerzeugern, die auf erneuerbare Energien setzen und entsprechend hohe Investitionen tätigten ja nichts anderes übrig, als mit auffälligen und öffentlichkeitswirksamen Aktionen für ihr Stromprodukt genügend Konsumenten zu finden. Schneemanndemo: Mehr Abstraktionsvermögen und weniger reine Lehre darf man den Berichterstattern der taz wohl wünschen.

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