Die Regierung in Budapest bietet Angehörigen der ungarischen Minderheit Pässe an. Slowakei reagiert empört auf das neue Gesetz und droht mit Gegenmaßnahmen.von Ralf Leonhard
Ich weiß gar nicht warum die Slowaken sich immer so aufregen. Von meinem Standpunkt aus sind die ungarischen Pässe für die ungarischen Minderheiten gerechfertigt. Ich mußte mich mein Leben lang rechtfertigen warum ich nicht yugoslawisch(serbisch) sprechen kann wenn ich doch diese Staatsbürgerschaft habe. Ich bin in Deutschland geboren, meine Eltern aber in Yugoslawien( heute Serbien,vojwodina) das vorher Jahrhunderte zu Königreich Ungarn gehörte. Unser Stammbaum ist rein Ungarisch. Dennoch wollte mich der damals yugoslawische Staat nicht ausbürgern lassen. Nun habe ich die doppelte Staatsbürgerschaft(serbisch und deutsch) da Deutschland mir keine Steine in den Weg gestellt hat. Sollte es mit dem ungarischen Pass klappen werde ich den serbischen wegwerfen.
31.05.2010 10:24 Uhr
von Josef Riga:
Dass Ungarn auf allen Seiten nur von "Ungarn" umgeben ist, ist eine peinliche und nachdenkenswerte Tatsache für die Nachbarn. Sie resultiert nämlich aus der Abtrennung ungarischen Bodens zugunsten der "Sieger" des ersten Weltkrieges: Rumänien, Serbien, CSR, Sowjetrussland. Nur den Ungarn und den Deutschen wurde das Selbstbestimmungsrecht der Völker vorenthalten. Die Slowaken dürfen sich also nicht wundern, wenn Ungarn jetzt seine "Bürger" wieder einsammelt, und man sollte sich hüten in Pressburg(Poszony/Bratislava) sein nationales Mütchen kühlen zu wollen, denn wer im Glashaus sitzt, mit Hunderttausenden Ungarn, Russen, Zigeunern und anderen Minderheiten, der sollte die Steine hübsch liegen lassen, die da so herumliegen..
28.05.2010 21:19 Uhr
von Walter Mehring:
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Mit der Ausnahme von 3 sozialistischen Abgeordneten (einbegriffen Ex-Ministerpräsident Gyurcsány)haben keine ungarische Parlamentarier mit "nein" gestimmt. Kein einziger Grüner. Das wird als Schande von der verbleibenden demokratischen öffentlichen Meinung aufgegriffen.
27.05.2010 16:45 Uhr
von Josef Riga:
Wenn ein ungarischer Politiker heute erklären kann, dass Ungarn in jeder Himmelsrichtung bloß an sich selbst grenzt, dann ist das eine für die Nachbarn alarmierende Aussage. Es ist aber auch eine verblüffende, und uns zum Nach- denken zwingende Aussage, denn es bedeutet, das man in Trianon 1920 dem ungarischen Volk und Staat bitteres Unrecht angetan hat. Jedes Nachbarland steht heute mit einem Fuß auf ungarischem Siedlungsboden (ausser Österreich). Den Ungarn wird, wie den Deutschen auch, weiterhin das Selbstbestimmungsrecht verweigert. Man kann zwar Bevölkerungsgruppen in anderen Staaten zu leben zwingen, aber ihre nationale Identität zwanghaft ändern, das kann man nicht. Erst wenn Staaten wie Rumänien und Slowakei sich als multinationale (eben auch magyarische) Gesellschaften begreifen, wird der Druck der Irredenta nachlassen. Warum sollte sich ein Ungar in Novisad als Serbe sehen, warum in Pressburg (slov. Bratislava, ung. Poszony) aussgerechnet als Slowake? Poszony war bereits Haupt- und Krönungsstadt des ungarischen Staates, als die Slowaken noch in der Hohen Tatra gesessen sind. Soll das nichts mehr gelten? Was gilt dann? Die Willkür der westlichen Siegermächte des Ersten Weltkrieges. Ach so, vielen Dank auch, das ist ja gerade das, wasd wir in europa brauchen: eine Zwei-Klassen-Gesellschaft von Nationen: Die einen bestimmen, wie's läuft und geben das Geld munter aus(Franzosen, Engländer, Italiener Griechen), die anderen schlucken ihre Einwände und ansprüche brav runter und bezahlen die Party (Ungarn, Deutsche, Österreicher, Südtiroler).
27.05.2010 15:16 Uhr
von Magyar:
Orbáns Intentionen bei dem Gesetz dürften unbestritten nationalistisch geprägt sein. Dennoch, sollte die bloße Tatsache, das den Ungarn ausserhalb des "ungarischen Mutterlandes" die ungarische Staatsbürgerschaft auf Antrag verliehen wird per se keine Provokation darstellen. Doppelte Staatsbürgerschaften innerhalb der EU sind schließlich nicht ungewöhnlich, und so sehr ich Orbán und seine Politik verachte, gebe ich ihm in einem Punkt recht: Es bleibt jedem Staat überlassen, wen er einbürgert und wen nicht!
27.05.2010 08:59 Uhr
von Manfred Bachmayer:
Sehr geehrter Herr Leonhard,
ein treffender Beitrag zur aktuellen Situation in Ungarn. Viktor Orban hat trotz großer sozialer und wirtschaftlicher Herausforderungen nichts wichtigeres zu tun, als seine Nachbarländer zu provozieren. Wir erinnern uns: Die Gewährung weitgehender Minderheitenrechte für die ungarische Bevölkerung war u.a. die Voraussetzung für den EU-Beitritt der Slowakei. Welchen Sinn macht da die ungarische Staatsbürgerschaft für die ungarischen Minderheiten in den Nachbarländern? Wird der nächste Schritt die Forderung nach politischer Autonomie und Grenzrevision sein? Europa ist aufgerufen Viktor Orban in seine Schranken zu weisen. Erschreckend ist für mich auch: Sogar die ungarischen Grünen tragen laut ihrem Bericht den nationalistischen Kurs von Viktor Orban mit!
27.05.2010 00:22 Uhr
von karin bryant:
Wieder ein Beispiel das zeigt dass alle EU Laender ihre eignen Sueppchen kochen und sich nicht um Bedenken ihrer Nachbar sorgen. Wenn das dann boeses Blut bringt dann wird mit den Schultern gezuckt. Im Grunde kann keine Union funktionieren in denen die Mitglieder alle ihre eignen Ziele verfolgen. Alleine diese Sachen werden der EU den Garaus machen.
26.05.2010 21:28 Uhr
von Kennkarten, Pässen und Visum die Schnauze voll:
1920? Wohl eher mittelalterlich was die Politiker der beiden Länder abziehen. Staatsbürgerschaft und Pässe dienen einzig dazu Menschen die Bewegungsfreiheit zu versagen.
26.05.2010 20:20 Uhr
von dirt diver:
Offensichtlich kommen die Gespenster der Vergangenheit wieder, EU hin oder her.Man hat das doch schon nach dem Zusammenbruch der UDSSR auf dem Balkan gesehen.Wir können nur hoffen, dass dieses Beispiel Ungarns nicht in anderen Ecken der EU Schule macht. Absetzbewegungen der Schotten vom UK oder im Bsakenland sind ja z.B. schon seit einiger Zeit deutlich vernehmbar.
Leserkommentare
20.06.2010 16:22 Uhr
von Zoltán:
Ich weiß gar nicht warum die Slowaken sich immer so aufregen. Von meinem Standpunkt aus sind die ungarischen Pässe für die ungarischen Minderheiten gerechfertigt. Ich mußte mich mein Leben lang rechtfertigen warum ich nicht yugoslawisch(serbisch) sprechen kann wenn ich doch diese Staatsbürgerschaft habe. Ich bin in Deutschland geboren, meine Eltern aber in Yugoslawien( heute Serbien,vojwodina) das vorher Jahrhunderte zu Königreich Ungarn gehörte. Unser Stammbaum ist rein Ungarisch. Dennoch wollte mich der damals yugoslawische Staat nicht ausbürgern lassen. Nun habe ich die doppelte Staatsbürgerschaft(serbisch und deutsch) da Deutschland mir keine Steine in den Weg gestellt hat. Sollte es mit dem ungarischen Pass klappen werde ich den serbischen wegwerfen.
31.05.2010 10:24 Uhr
von Josef Riga:
Dass Ungarn auf allen Seiten nur von "Ungarn" umgeben ist, ist eine peinliche und nachdenkenswerte Tatsache für die Nachbarn. Sie resultiert nämlich aus der Abtrennung ungarischen Bodens zugunsten der "Sieger" des ersten Weltkrieges: Rumänien, Serbien, CSR, Sowjetrussland. Nur den Ungarn und den Deutschen wurde das Selbstbestimmungsrecht der Völker vorenthalten. Die Slowaken dürfen sich also nicht wundern, wenn Ungarn jetzt seine "Bürger" wieder einsammelt, und man sollte sich hüten in Pressburg(Poszony/Bratislava) sein nationales Mütchen kühlen zu wollen, denn wer im Glashaus sitzt, mit Hunderttausenden Ungarn, Russen, Zigeunern und anderen Minderheiten, der sollte die Steine hübsch liegen lassen, die da so herumliegen..
28.05.2010 21:19 Uhr
von Walter Mehring:
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Mit der Ausnahme von 3 sozialistischen Abgeordneten (einbegriffen Ex-Ministerpräsident Gyurcsány)haben keine ungarische Parlamentarier mit "nein" gestimmt. Kein einziger Grüner. Das wird als Schande von der verbleibenden demokratischen öffentlichen Meinung aufgegriffen.
27.05.2010 16:45 Uhr
von Josef Riga:
Wenn ein ungarischer Politiker heute erklären kann, dass Ungarn in jeder Himmelsrichtung bloß an sich selbst grenzt, dann ist das eine für die Nachbarn alarmierende Aussage.
Es ist aber auch eine verblüffende, und uns zum Nach-
denken zwingende Aussage, denn es bedeutet, das man in Trianon 1920 dem ungarischen Volk und Staat bitteres Unrecht angetan hat. Jedes Nachbarland steht heute mit einem Fuß auf ungarischem Siedlungsboden (ausser Österreich). Den Ungarn wird, wie den Deutschen auch, weiterhin das Selbstbestimmungsrecht verweigert. Man kann zwar Bevölkerungsgruppen in anderen Staaten zu leben zwingen, aber ihre nationale Identität zwanghaft ändern, das kann man nicht. Erst wenn Staaten wie Rumänien und Slowakei sich als multinationale (eben auch magyarische) Gesellschaften begreifen, wird der Druck der Irredenta nachlassen. Warum sollte sich ein Ungar in Novisad als Serbe sehen, warum in Pressburg (slov. Bratislava, ung. Poszony) aussgerechnet als Slowake? Poszony war bereits Haupt- und Krönungsstadt des ungarischen Staates, als die Slowaken noch in der Hohen Tatra gesessen sind. Soll das nichts mehr gelten? Was gilt dann? Die Willkür der westlichen Siegermächte des Ersten Weltkrieges. Ach so, vielen Dank auch, das ist ja gerade das, wasd wir in europa brauchen: eine Zwei-Klassen-Gesellschaft von Nationen: Die einen bestimmen, wie's läuft und geben das Geld munter aus(Franzosen, Engländer, Italiener Griechen), die anderen schlucken ihre Einwände und ansprüche brav runter und bezahlen die Party (Ungarn, Deutsche, Österreicher, Südtiroler).
27.05.2010 15:16 Uhr
von Magyar:
Orbáns Intentionen bei dem Gesetz dürften unbestritten nationalistisch geprägt sein. Dennoch, sollte die bloße Tatsache, das den Ungarn ausserhalb des "ungarischen Mutterlandes" die ungarische Staatsbürgerschaft auf Antrag verliehen wird per se keine Provokation darstellen. Doppelte Staatsbürgerschaften innerhalb der EU sind schließlich nicht ungewöhnlich, und so sehr ich Orbán und seine Politik verachte, gebe ich ihm in einem Punkt recht: Es bleibt jedem Staat überlassen, wen er einbürgert und wen nicht!
27.05.2010 08:59 Uhr
von Manfred Bachmayer:
Sehr geehrter Herr Leonhard,
ein treffender Beitrag zur aktuellen Situation in Ungarn. Viktor Orban hat trotz großer sozialer und wirtschaftlicher Herausforderungen nichts wichtigeres zu tun, als seine Nachbarländer zu provozieren. Wir erinnern uns: Die Gewährung weitgehender Minderheitenrechte für die ungarische Bevölkerung war u.a. die Voraussetzung für den EU-Beitritt der Slowakei. Welchen Sinn macht da die ungarische Staatsbürgerschaft für die ungarischen Minderheiten in den Nachbarländern? Wird der nächste Schritt die Forderung nach politischer Autonomie und Grenzrevision sein? Europa ist aufgerufen Viktor Orban in seine Schranken zu weisen. Erschreckend ist für mich auch: Sogar die ungarischen Grünen tragen laut ihrem Bericht den nationalistischen Kurs von Viktor Orban mit!
27.05.2010 00:22 Uhr
von karin bryant:
Wieder ein Beispiel das zeigt dass alle EU Laender ihre eignen Sueppchen kochen und sich nicht um Bedenken ihrer Nachbar sorgen. Wenn das dann boeses Blut bringt dann wird mit den Schultern gezuckt. Im Grunde kann keine Union funktionieren in denen die Mitglieder alle ihre eignen Ziele verfolgen.
Alleine diese Sachen werden der EU den Garaus machen.
26.05.2010 21:28 Uhr
von Kennkarten, Pässen und Visum die Schnauze voll:
1920? Wohl eher mittelalterlich was die Politiker der beiden Länder abziehen. Staatsbürgerschaft und Pässe dienen einzig dazu Menschen die Bewegungsfreiheit zu versagen.
26.05.2010 20:20 Uhr
von dirt diver:
Offensichtlich kommen die Gespenster der Vergangenheit wieder, EU hin oder her.Man hat das doch schon nach dem Zusammenbruch der UDSSR auf dem Balkan gesehen.Wir können nur hoffen, dass dieses Beispiel Ungarns nicht in anderen Ecken der EU Schule macht. Absetzbewegungen der Schotten vom UK oder im Bsakenland sind ja z.B. schon seit einiger Zeit deutlich vernehmbar.