Sexueller Missbrauch am Canisius-Kolleg

Missbrauchs-Gerüchte gab es schon länger

Schule Bildungspolitiker reagieren schockiert auf die Missbrauchs-Enthüllungen am katholischen Canisius-Kolleg in Tiergarten. FDP zollt Schulleiter Respekt. Erzbistum: keine weiteren Fälle bekannt.von AWI, GES, PLU

Mit Entsetzen haben die bildungspolitischen SprecherInnen der Fraktionen im Parlament darauf reagiert, dass Schüler des katholischen Canisius-Kollegs in den 70er und 80er Jahren von Lehrern sexuell missbraucht worden sind. Es sei furchtbar, dass solche Vorgänge "so lange totgeschwiegen" worden seien, sagt Felicitas Tesch (SPD). "Und das an einer der Vorzeigeschulen der Stadt." Man müsse dem Leiter der Jesuitenschule hoch anrechnen, dass er Transparenz herstelle, sagt Mieke Senftleben (FDP). Mit dieser Nachricht an die Öffentlichkeit zu gehen, sei nicht leicht.

Der Rektor des Kollegs Pater Klaus Mertes hatte sich zu dem Schritt entschlossen, nachdem ihm sieben ehemalige Schüler anvertraut hatten, während ihrer Schulzeit in den 70er und 80er Jahren Opfer von sexuellem Missbrauch durch zwei Pater geworden zu sein. Ausgehend davon, dass weit mehr Schüler betroffen sein könnten, hatte Rektor Mertes Mitte Januar einen Brief an 500 ehemalige Schüler geschrieben. Er wolle dazu beitragen, dass das Schweigen gebrochen werde, so Mertes am Donnerstag in einer Pressekonferenz. Der Sprecher des Erzbistums Berlin, Stefan Förner, betonte, in den 22 katholischen Schulen Berlins seien keine weiteren Fälle bekannt.

Es sei "erschütternd", dass solche Missbrauchsfälle, die meist in nicht-öffentlichem Umfeld passierten, immer wieder totgeschwiegen würden, während Fälle wie der des Sexualstraftäters Uwe K. die Öffentlichkeit aufrührten, sagt der Bildungspolitiker der CDU, Sascha Steuer. "Dabei legen Mertes' Formulierungen nahe, dass es damals Mitwisser gegeben haben muss." Es könne aber aus einem solchen Einzelfall kein "Generalverdacht" gegen Schulen abgeleitet werden. "Zumal man bei diesem Träger erwarten kann, dass Ethik und Glaube verhindern, dass so etwas passiert."

Die Vorfälle gehörten aufgeklärt, "aber der gute Ruf der Schule darf nicht in den Schmutz gezogen werden", meint auch der CDU-Abgeordnete Andreas Gram. Gram hat 1974 an dem Canisius-Gymnasium Abitur gemacht. Gerüchte, dass sich Padres an Schülern vergingen, seien ihm nie zu Ohren gekommen, so Gram. Anders der Journalist Frank Nordhausen, der das Canisius 1973 verließ: Es habe sehr wohl Gerüchte über sexuellen Missbrauch gegeben.

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