• 18.03.2010

Sexualtherapeut über Missbrauch

"Pädophile werden gerne Pädagogen"

Menschen mit pädophilen Neigungen kann man behandeln, aber nicht heilen, sagt der Sexualtherapeut Christoph Joseph Ahlers. Die meisten Täter aber seien gar nicht pädophil.von Plutonia Plarre

  • 21.03.2010 10:49 Uhr

    von Steffen A:

    Vielen vielen Dank für einen solch aufklärenden Artikel. Die TAZ gibt sich die Mühe, die hochkomplizierte Wirklichkeit zu erklären. Man muss aufhören, Synonyme zu bilden. Woran denkt man als erstes bei dem Begriff "Missbrauch"? Kreditkarten-Missbrauch? Nein. Kindesmissbrauch ist für mich weit mehr "mittendrin" als angenommen, aber ich spreche nicht nur von Kindesmissbrauch auf sexueller Ebene. Kleine Mädchen, vorgeführt und geschminkt in der Werbung, kleine Jungs vorgeführt als Machos - auch das ist für mich Kindesmissbrauch. Mediale Darstellung erwachsener Gewalt- und Mobbing-Phantasien im Nachmittagsprogramm auf RTL ("Verdachtsfälle", "Familien im Brennpunkt"), zugänglich für Kinder aller Altersklassen - das ist eine Form von Kindesmissbrauch "mitten im Leben"! Das hat mit Pädophilie nichts zu tun. Aber das Böse braucht eben einen Namen, um von uns selbst abzulenken.

  • 18.03.2010 22:06 Uhr

    von Dieter.Gieseking:

    Der Artikel und die Äußerungen von Herrn Ahlers tragen sicherlich etwas zur Versachlichung bei. Auf jeden Fall einen Schritt in die richtige Richtung. Mehr ist wohl im Moment nicht zu erwarten bzw. journalistisch und sexualwissenschaftlich möglich. Auch Focus-Online hatte vor ein paar Tagen einen interesannten Artikel veröffentlich. Dort kamen sogar die Pädophilen/Pädosexuellen selbst mal zu Wort. Das würde ich mir auch bald von der TAZ wünschen. In diesem Sinne...

  • 18.03.2010 18:31 Uhr

    von Bagoas:

    Mhm...man sollte vielleicht einmal recherchieren, ob ohne starke pädophile Beteiligung ueberhaupt eine realistische Entwicklung einer nennenswerten sowohl institutionellen wie auch freien Jugendarbeit in deutschsprachigen Ländern (und auch woanders) stattgefunden hätte.

    Tatsache ist:
    Pädophile Menschen - gleich ob sie irgendwann sich einem Kind oder Heranwachsenden zum Zwecke einer sexuellen Interaktion nähern oder es zulassen, dass sich Solche ihnen zu diesem Zweck nähern oder nicht - suchen die Nähe zu eben diesem Klientel (wurde auch in dem o.a. Artikel nochmals bestätigt und ist auch nur logisch)...und das nicht erst seit vorgestern.

    Ungeachtet der Schäden, die an den mit pädophiler Sexualität konfrontierten Kindern und Heranwachsenden anzurichten die Gesellschaft über ihre Medien vor Allem pädophilen Menschen vorwirft, hat sie doch über ettliche Jahrzehnte eben die genannte hingebungsvolle Arbeit jener Menschen - über sämtliche 'zweifelhaften' Geschehnisse ziemlich bewusst hinwegsehend - angenommen und von ihr unglaublich profitiert!
    Dies sollte auch mal bedacht werden - und die Scheinheiligkeit bemerkt, mit der sich jetzt ebendiese Gesellschaft nicht zuletzt vertreten und herausgefordert durch ihre Medien aufregt!

    Bagoas

  • 18.03.2010 15:26 Uhr

    von Horst:

    Jetzt melden sich die Experten zu worte und nutzen die Debatte um ihre Ergüsse loszuwerden. Das lenkt meines Erachtens nur von dem Problem ab bis es im Weihrauch der Religionen ohne Konsequenz verdampft ist und alles so weiter läuft wie bisher. Die Kirchen sind offensichtlich immernoch zu mächtig, als das sich die Politik oder die Gesellschaft traut ihnen das Handwerk zu legen.

  • 18.03.2010 15:15 Uhr

    von dirk:

    Endlich eine Stimme, die den Blick auf uns selbst richtet. Die Missbrauchsfälle in kirchlichen und nichtkirchlichen Einrichtungen sind nur die Spitze des Eisbergs in unserer Gesellschaft. Wir müssen den Blick auf uns richten, welchen Anteil wir an Gewalt und Macht gegenüber Schwächeren haben.

  • 18.03.2010 15:09 Uhr

    von Lazar:

    Ich erinnere mich an die Vater-Hetze in den 90ern. Jeder Vater der sein Kind in den Arm nahm war sofort verdächtig. Wenn das so weitergeht haben wir ein Revival. Dennoch müssen hier alle Seiten betrachtet werden. Die Aufmerksamkeit und Sensibilität für Kindesmissbrauch muss in der Gesellschaft fest verankert sein, darf aber nicht zu Schnellschüssen führen. Dies bedeutet vor allem ein Umdenken in Bezug auf die Vielfältigkeit von sozialisatorischen Einflüssen auf Kindesentwicklung (Familie, Medien etc.). Es gibt genügend Studien die belegt haben, dass soziale Präferenzen (u.a. sexuelle) in systemischen Zusammenhängen entstehen - es ist deshalb notwendig hier zu beginnen. Wer sich an Erwachsene wendet die bereits eine voll entwickelte Persönlichkeit haben, kommt natürlich reichlich zu spät!
    Auf der anderen Seite birgt dies aber einmal mehr die Gefahr einer medial geförderten Hexenjagd. Man kann leider von den meisten Menschen nicht genügend analytisches Denkvermögen erwarten, sodass hier wiederum der Nährboden für Zweifel und Misstrauen gegeben ist. Wie also soll die Mutter die sieht, dass Peter der Pädagoge hingebungsvoll der Arbeit mit ihrer kleinen Tochter nachgeht reagieren?

  • 18.03.2010 14:50 Uhr

    von Derrick:

    @Nick,

    ja, leider wird immer noch ausgeblendet, dass auch Frauen sexuelle Gewalt ausüben.

    Derrick

  • 18.03.2010 14:26 Uhr

    von Jennie:

    ich finde es unglaublich wichtig, dass ENDLICH zwischen pädophilie und menschen, die kinder sexuell missbrauchen, unterschieden wird. es muss ein umdenken stattfinden, damit sich pädophile, die keine täter werden wollen, hilfe suchen können, ohne angst haben zu müssen, stigmatisiert zu werden. eine sexuelle orientierung an sich ist einfach noch keine straftat, solange sie nicht in die tat umgesetzt wird und dabei anderen schadet.
    die medien müssen aufhören, alle kinderschänder als pädophil zu bezeichnen; leider ist es schon so oft passiert, dass die begriffe als synonym wahrgenommen werden. es wird zeit, dass sich das wieder ändert.

  • 18.03.2010 13:59 Uhr

    von paul der panda:

    Danke! Endlich mal ein intelligenter Artikel zu dem Thema, der wirkliche aufklären will und versucht die Gesamtsituation darzustellen und nicht nur dem Sensationsjournalismus fröhnt.

  • 18.03.2010 13:30 Uhr

    von Kommentator:

    Sehr informatives Interview!




    @Paul:
    Das ist zwar etwas spitzfindig, aber es stimmt: Der Interviewte widerspricht sich damit eigentlich (wenn man es genau nimmt).

    Ich versuche mal, das auszuführen:
    (a) Pädophile lieben Kinder derart, dass sie gehäuft auch im Beruf mit Kindern arbeiten möchten
    (b) Sie arbeiten im Schnitt wesentlich hingebungsvoller als nicht-pädophile Pädagogen
    --> Hingebungsvolles Arbeiten (b) erlaubt einen Verdacht auf die Existenz pädophiler Pädagogen (a)

    Da Pädophile (a) aber nur zum Teil sexuellen Kontakt zu Kindern suchen und unproblematisch finden (a2: potenzielle Delinquenten), werden sie pauschal (a= a2 & 1-a2) verdächtigt oder gar bestraft.

    Genau solch eine Verdächtigung und Bestrafung aller Pädos problematisiert der Interviewte aber.
    Außerdem zeigt er ja auch auf, dass dann viele potentiell delinquente Nicht-Pädos aus dem Auge verloren werden.

    Komplizierte Wirklichkeit!

  • 18.03.2010 12:36 Uhr

    von zampan0:

    Ist ja eine ganz neue Erkenntnis, dass Pädophile sich gern bei Kindern aufhalten ... und Alkoholiker sich gern am Spirituosenregal.

  • 18.03.2010 12:21 Uhr

    von Paul:

    "Deswegen ist die Hingabe, mit der sie die Erziehungsarbeit machen, häufig besonders groß. Darin liegt auch die besondere Gefahr."

    Was ist besonders gefährlich daran, wenn jemand mit Hingabe arbeitet?

  • 18.03.2010 11:41 Uhr

    von thomas boettiger:

    Sosehr auch der Beitrag zum erneuten Nachdenken veranlasst, so irreführend ist die Überschrift. Das habt Ihr doch nicht nötig"

  • 18.03.2010 11:06 Uhr

    von Nick:

    nicht zu vergessen tante gaby.
    yep, ich spreche aus eigener erfahrung.

    http://www.canadiancrc.com/Female_Sex_Offenders-Female_Sexual_Predators_awareness.aspx

  • 18.03.2010 10:44 Uhr

    von Ingeborg:

    Das nenne ich einen gelungenen Artikel mit viel sinnhaften Inhalt. Vielen Dank vor allem an Herrn Ahlers.

  • 18.03.2010 10:35 Uhr

    von Hans:

    Manchmal kann man es in unserer Medienlandschaft nicht glauben. Die taz, sonst immer bereit auf einen groben Klotz auch einen Keil zu setzen findet in der Missbrauchsdebatte zu einem differenzierten Stil zurück.

    Es wäre schön, wenn die Mainstreammedien wie Spiegel und Welt auch so differenzieren könnten, aber anscheinend reicht es bei denen nur zu Vorverurteilungen.

    Herzlichen Glückwunsch "taz"

  • 18.03.2010 10:18 Uhr

    von Yannic:

    "Menschen mit pädophilen Neigungen kann man behandeln, aber nicht heilen"


    Bitte mal 'pädophilen' durch 'homosexuellen' ersetzen. Wo landen wir (nicht nur) dann?!

  • 18.03.2010 10:16 Uhr

    von Frank Bln:

    Das zu lesen war mal notwendig. Denn die bisherige Diskussion und Berichtserstattung lief größtenteils darauf hinaus, den sexuellen Missbrauch in jene Bereiche zu bannen, wo es der Gesellschaft und dem Einzelnen nicht zu arg schmerzt: verschwiemelte Internate und die katholische Kirche. Da lässt es sich wohlfeil empören, da kann man sicheren Abstand wahren.

    Aber es geschieht auch in Familien, hinter den zugezogenen Vorhängen, das schmerzt, darüber schweigt man. Leichter ist es über das Schweigen der Kirche herzuziehen. Jedes Verschweigen, jedes Unterdrücken in jeden Bereich ist aber verwerflich, richtet Schaden auf Lebenszeit an.

    Im Laufe meiner Therapie habe ich gelernt, wie wichtig es ist, sein eignes Handeln aber auch seine eigene Untätigkeit zu verantworten. Immer nur von der Verantwortung der Anderen zu reden, führt schnell zur Selbstgerechtigkeit.

    Die Institutionen müssen sich ihre Verantwortung stellen, das Schweigen aufbrechen. Aber im Schutze dieser Diskussion, sind viele Kinder ihren "Stiefvater Klaus" weiterhin schutzlos ausgeliefert.

  • 18.03.2010 10:10 Uhr

    von Philip:

    super interview. so sollte die ganze debatte ablaufen.

  • 18.03.2010 09:52 Uhr

    von Heino Lukas:

    "Pädophile werden gerne Pädagogen"

    Sorry, aber ich finde die Überschrift hetzerisch und auf "Bild"-Niveau! Es kann sein, dass überdurchschnittlich viele Pädophile einen pädagogischen (oder auch einen kirchlichen) Beruf ausüben, aber mit solch einer Überschrift wird der komplette Berufsstand der Pädagogik mit Pädophilen gleichgesetzt!

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