• 08.03.2009

Sexismus an der Uni

Seminar bei Dr. Grapsch

30 Prozent der Frauen werden am Campus diskriminiert oder sexuell belästigt. Protestieren will keine - aus Angst und falsch verstandenem Selbstbewusstsein.von Nicole Janz

  • 09.03.2009 12:26 Uhr

    von Sarah:

    Das ist niveauabhängig, Männer sind nach m.M: oftmals sachlicher und arbeiten disziplinierter in der Wissenschaft und an ihrer Karriere, erreichen daher fachlich mehr. Das merkt man auch daran, dass sie reden, wenn es etwas zu sagen gibt und nicht um des Redens Willen. Daher bekommen Sie wohl auch die besseren Stellen.

  • 08.03.2009 16:38 Uhr

    von Maja:

    Es ist schockierend wieviele Frauen an Hochschulen mit sexueller Belästigung konfrontiert werden. Und wie wenig sensibel man für das Thema ist.
    In der Arbeitswelt wird man ständig angehalten zu konkurrieren. Die Kokurrenzkämpfe sind hart und gerade unter Männern sind Gewaltanwendungen normal. Man könnte Fragen warum es Frauen da besser haben sollten.
    Der Punkt ist der: Gewalt ist nie normal!

  • 08.03.2009 15:44 Uhr

    von Bernd Burmeister:

    0 Kommentare, sowas kann man auch schlecht kommentieren

  • 08.03.2009 12:11 Uhr

    von Uwe Richard:

    > Hier sollte die Frauenministerin von der Leyen dringend eine umfassende Studie finanzieren.

    Was wohl bei einer solchen Studie herauskommen wird ...

    Wer eine solche Studie fordert, _will_ nichts tun, um die Missstände zu beseitigen.

    Wenn jemand (m)eine Frau (sexuell) belästigt, und sich weigert, sich in meinem Beisein für sein schlechtes Benehmen zu entschuldigen, wird er nachher erleichtert sagen können: "Wat'n Glück, da bin ich ja nochmal mit 'nem blauen Auge davongekommen."


    Ein schönes Wochenende wünscht

    Uwe Richard

  • 08.03.2009 12:06 Uhr

    von Nico:

    "Ein Student hat erzählt, dass er die Hausarbeit seiner Kommilitonin Jahre später bei demselben Professor abgegeben und dafür eine wesentlich bessere Note bekam." Studentin, 26, Berlin

    1. So sieht verantwortlicher Journalismus aus: "Ein Student hat erzählt, dass... ."

    2. Leute, die nur ein bißchen Ahnung vom Uni-Alltag haben, wissen, dass Hausarbeiten idR. nicht vom Professor gelesen, korrigiert und benotet werden, sondern von seinen MitarbeiterINNEn. Der Prof. macht idR. nur eine Plausibilitätskontrolle. Wenn also eine Hausarbeit Jahre später nochmal abgegeben und anders benotet wird, dürfte das daran liegen, dass mittlerweile ein/e andere/r Mitarbeiter/in korrigiert. Zudem ist die Notengebung immer relativ und hängt auch sehr stark von der Qualität der anderen abgegebenen Klausuren ab.

    3. Meine Erfahrung als Korrektur-Assistent an der Uni ist, dass ich Klausuren, die (der Handschrift nach zu urteilen) offensichtlich von Frauen geschrieben wurden (die meisten universitären Prüfung werden übrigens anonym, ohne Angabe des Geschlechts abgenommen), tendenziell besser benote, weil die Handschrift leserlicher ist. Das ist unfair. Aber bei einer Korrekturzeit von teilweise mehreren Stunden pro Klausur lässt man sich von solchen Dingen unweigerlich beeinflussen.

    4. Ich habe während meiner Studienzeit häufig das Gefühl gehabt, als Mann von Professoren, Dozenten, Verwaltung etc. benachteiligt zu werden. Da war ich auch nicht der einzige. Ich könnte auch ähnlich schwachsinnige Beispiel aufführen und vergleichbare Zitate von Kommilitonen zusammentragen. Und jetzt?

    5. Dass manche Frauen meinen, sich auf solche Pseudo-Benachteiligungen berufen zu müssen, ist tatsächlich ein Zeichen von Schwäche.

  • 08.03.2009 11:56 Uhr

    von Dr K:

    Dass Frauen auch heute noch bei Sexuellen Übergriffen (sogar Vergewaltigungen) eine Teilschuld zugesprochen wird, bringt sämtliche Phantasien einer weitgehend umgesetzten Gleichstellung zurück auf den Boden der Tatsachen.
    Da haben wir unsere christlichen Wurzeln! Insofern wäre es eigentlich recht ehrlich gewesen, diese in der EU-Verfassung einzugestehen. Das oben genannte Phänomen ("zu einer Vergewaltigung gehören immer zwei") ist umso präsenter, je einflussreicher die katholische Kirche ist; siehe das italienische Urteil, ein Mädchen habe Mitschuld an einer Vergewaltigung, wenn es enge Jeans trägt.
    Aber ich vergaß: der Moralkodex der abrahamitischen Religionen ist in dieser Hinsicht erstaunlich einheitlich. In der Türkei sieht es schließlich auch nicht besser aus.
    Vielleicht ist das einzige Serum gegen dieses religiöse Gift generationenlange Erziehung zu aufgeklärten, humanistischen Werten. Denn der Faktor "Katholon" schlummert in den Hirnwindungen auch der aufgeklärtesten Menschen.

  • 08.03.2009 11:47 Uhr

    von Mann:

    ja genau

  • 08.03.2009 04:25 Uhr

    von NetReaper:

    Die hier geschilderten Fälle sind natürlich schlimm. Aber was man ebenfalls nicht vergessen darf:

    >90 Prozent der Männer werden bereits vor dem Campus diskriminiert.
    Denn die im Grundgesetz beschriebenen Zwangsdienste betreffen ausschließlich Männer. Ein solches Gesetz ist ein klares Signal an alle Männer: "Frauen kommen mit solchen außergewöhnlichen Belastungen wie der Landesverteidigung und den Ersatzdiensten nicht klar, das müsst ihr schon selber regeln."

    Und da wundert sich noch jemand über zementierte Geschlechterrollen? Wer als Mann mit ansehen muss, wie er wegen seines Geschlechts diskriminiert wird, während Kommilitoninnen ein bis zwei Semester früher ins Studium gelangen, der zieht daraus seine Schlüsse. Leider. Anders wäre es mir persönlich lieber.

  • 08.03.2009 02:04 Uhr

    von Kristin H:

    "Wir schätzen, dass rund 30 Prozent aller Frauen an deutschen Unis Erfahrung mit sexueller Belästigung oder Diskriminierung gemacht haben." ...Das Problem sei: "Nur ein Bruchteil der Betroffenen meldet sich bei mir."
    "Ich schätze, dass 70% aller FeministInnen an meiner Uni frustriert sind weil sie schlechten oder gar keinen Sex haben. Nur ein Bruchteil gibt allerdings offen zu, Männer und gutaussehende Frauen deshalb zu hassen."
    Merkt ihr wie lächerlich willkürlich so eine Schätzung ist? Niemand bestreitet das sexuelle Belästigung auch an Unis vorkommt, aber die genannte Größenordnung ist einfach lachhaft.

  • 08.03.2009 00:43 Uhr

    von Alexandra Kollontaijewa:

    Danke für den ausgezeichneten Artikel!
    Wichtig finde ich übrigens, dass auch wir Frauen uns selbstkritisch beobachten, wie wir uns anpassen und die Verhältnisse dadurch reproduzieren.

    Beispiel: In manchem Seminar in einem Fach meines Studiums (in Germanistik) saßen weniger als 5 oder 6 Männer (Studenten). Etwa 3 davon fielen v.a. durch Quantität ihrer Beiträge auf, weniger durch Qualität, aber ca. 1 oder 2 andere, die auch oft was sagten, hatten tatsächlich oft was interessantes beizusteuern. Auch Männer also nicht in einen Topf werfen!

    Aber wir Frauen (Studentinnen)?! Weshalb haben fast alle fast überhaupt nie sich zu Wort gemeldet? Es war übrigens in den meisten Fällen nicht so, dass der Dozent oder die Dozentin dumme Sprüche über Beiträge von Frauen gemacht hätte. Nein, es war in den meisten Fällen ein verinnerlichtes Verhalten, wie es oft schon in der Schule (unbewusst) gelernt wird und seit Jahrhunderten von Frauen erwartet wird. Es waren in diesen Seminaren, von denen ich hier spreche, v.a. tatsächlich die absolute Mehrheit von uns Studentinnen selbst, die sich sexistisch verhalten haben!

    Übrigens, die meisten waren offenbar auch noch oft unvorbereitet (wie ich am Rande mitbekommen habe) und haben am Ende trotzdem ihren Schein kassiert, weil ja schon die Anwesenheit 'was zählt. (Hausarbeit und/oder Referat dann noch je nach Schein nötig). Das ist zusätzlich ätzend(!!!), 'liebe' 'Kommilitoninnen', gegenüber den anderen, die sich vorbereiten und auch umso öfter bloß stellen und zu Wort melden, und dadurch auch mehr riskieren (z.B. was "Falsches" zu sagen), z.B. weil sie das Schweigen nicht ertragen, v.a. wenn es eigentlich auch spannende Themen und spannende Texte sind, und auch die Dozentin/der Dozent sich sogar Mühe gegeben hat, ein für alle spannendes Seminar zu machen (was ja nicht immer der Fall ist). Absolut unfair finde ich dann, wenn Leute, die sich nie melden (z.B. Mitstudentinnen), denen, die oft was sagen, das auch noch vorwerfen (zumindest wenn deren Wortbeiträge nicht gar zu blöd sind).

  • 07.03.2009 17:45 Uhr

    von Bernhard Wagner:

    Ein sehr guter Artikel, und auch ein sehr wichtiger, leider. Manch eine/r wird vielleicht sagen, dass es oft vorkomme, dass Verhalten als sexistisch interpretiert werde, obwohl es sich dabei um ein Missverständnis handle, da eine Handlung ja nie ohne die Intentionen der Handelnden berurteilt werden könne, und diese aber eben oft missverstanden werden können. Das ist zwar richtig, aber die doch sehr eindeutigen Fälle von Chauvinismus im Besonderen, oder Sexismus im Allgemeinen sind dennoch so zahlreich, dass sie damit nicht abgetan werden können. Als Mann muss ich auch sagen, obwohl ich - nobody is perfect - keineswegs fehlerfrei zu sein beanspruche, sehr viele Männer schlicht und einfach nicht verstehe (womit ich das Problem übrigens nicht "personalistisch verkürzen" will, aber soziale Strukturen gibt es nicht ohne die je immer handlenden Personen).

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