Den "clash of civilizations" gibt es nicht. Zumindest nicht nach der Vorstellung von Samuel Huntington. Das zeigt eine Studie der Universität Heidelberg.von Philipp Gessler
@Unbequemer: Das wird an dieser Stelle ja auch überhaupt nicht gemacht. Ich lese das eher so, dass 13 Jahre nach dem Werk Huntingtons sämtliche Konflikte seit 1945 vergleichend analysiert wurden. Was dann ab jetzt kommt... ich glaube, so weit lehnen sich auch die Wissenschaftler nicht aus dem Fenster, da irgendwelche Normative zu formulieren (wie es Huntington in Ansätzen durchaus tut und damit nicht selten die sich selbst erfüllende Prophezeihung heraufbeschwört)
@Complexius: Wunderbarer Beitrag, da bin ich ganz Deiner Meinung!
26.09.2009 14:09 Uhr
von nathalie:
Wen überrascht es eigentlich, dass Huntingtons Thesen keine absoluten Wahrheiten sind? Offensichtlich sogar taz-Redakteure. Dabei vereinfacht Huntington doch so stark, dass es nur logisch ist, dass seine Voraussagen empirisch keinen Bestand haben. Er geht von einer kulturellen Unvereinbarkeit zwischen Westen und "Nicht-Westen" aus, die auf einem starken Überlegenheitsgefühl des Westens beruht. Diese strikte Gegenüberstellung zweier vermeintlich gegensätzlicher Welten trägt nur dazu bei, dass die in der Öffentlichkeit propagierte Spaltung zwischen dem Westen und der muslimischen Welt Realität wird.
24.09.2009 09:50 Uhr
von Unbequemer:
So ein Käse - das ist doch nichts als schlimmste Kaffeesatzleserei. Ob ein Kampf der Kulturen kommt, oder nicht kann niemand sagen. Ihn aber auszuschließen ist Größenwahn in Bezug auf Hellseherische Fähigkeiten.
24.09.2009 02:56 Uhr
von Complexius:
@Simplizius Interessant zu sehen, wie manch einer eine wissenschaftliche Studie ohne jegliches fundierte Argument, sondern allein auf der Grundlage seiner festgefügten (und wahrlich simplen) Denkschemata kritisiert, bloß weil deren unbequeme Ergebnisse diese Grundmuster ins Schwanken bringen. Mit solcher Parolenideologie ist einer wissenschaftlichen Studie aber ganz sicher nicht beizukommen. Natürlich kann und darf diese Studie, wie jede andere auch, angezweifelt und kritisiert werden und dafür gibt es, wie ja im Artikel löblicherweise erwähnt wird, gewisse Ansatzpunkte. Allerdings sollte die Kritik doch bitte sachhaltig sein - oder wenigstens so frech, dass sie amüsant ist, aber bitte nicht mit solcher subtilen Enttäuschung entlarvter, abgetragener weltanschaulicher Axiome. Das letzte Wort ist ja selbstverständlich auch durch diese Studie nicht gesprochen - das erwartet hoffentlich auch niemand -, aber sie belebt wenigstens eine interessante Grundlagendiskussion wieder, die sich in gewisser Hinsicht festgefahren hatte, wie man hier hautnah beobachten kann.
23.09.2009 16:05 Uhr
von Klaus Keller :
Huntington beschrieb in seinem Buch aus meiner Sicht Bruchlinien an denen künftig Reibungen entstehen könnten. Ich habe das Buch nie als Aufforderung zum Kampf gesehen sondern als Hinweis auf mögliche Risiken.
Das Wort Clash bedeutet ja eher zusammenprall oder Auseinandersetzung und nicht wie der dt.Titel Kampf.
Wenn ich den oben stehenden Text lese werden darüber hinaus vergangene Konflikte analysiert und Huntington ging es um vor allem um künftige.
Eine der Bruchlinien innerhalb der Gesellschaften war auch der Youth Bulge. Man kann den Eindruck haben das sich das gleichzeitige auftreten verschiedener Urasachen auch hier potentziert. Youth-Bulge plus übersteigerte Religiösität plus schlechte wirtschaftliche perspektive, plus Feindbild,plus demokratiedefizit etc.
klaus keller hanau
23.09.2009 15:50 Uhr
von Name:
In der Propaganda gibt es den Clash of Civilizations durchaus, aber auch nur dort. Um Interessen durchzusetzen war es der Machtelite schon immer recht und billig, Vorwände zu erfinden, die leicht zu glauben sind. In diesem Fall also kulturelle Unterschiede. Für eine große Schicht mit niedrigem Bildungsgrad (der von der Machtelite erwünscht ist) wird dies fast ohne Vorbehalt geglaubt, da es ja überall so verbreitet wird. Von einer weiteren Schicht mit höherem Bildungsgrad wird es geglaubt, weil man der Machtelite gefallen will, ihr nahe sein will und natürlich den eigenen Vorteil sichern möchte. Diesen kleinen Exkurs beiseite gelassen, gibt es ein wunderbares Werk von Ilija Trojanow und Ranjit Hoskote. Es heißt Kampfabsage: Kulturen bekämpfen sich nicht, sie fließen zusammen. Jeder, der auch nur ein wenig wirklich an diesen Blödsinn von Huntington glaubt (und ihn nicht aus taktischen Gründen übernommen hat, wohl wissend, dass es Blödsinn ist) sollte da mal mehr als einen Blick rein werfen.
23.09.2009 15:33 Uhr
von Krischan Piepengruen:
Die Universität Heidelberg gibt es nicht.
23.09.2009 15:32 Uhr
von esel:
@ Peter Braun: Merkst Du eigtl., wie peinlich Deine Pseudokorrektur ist? Hoffentlich bist Du nicht auch noch Deutschlehrer. Naja, dann würden mich bestimmte Pisastudienergebisse nicht wundern ...
23.09.2009 14:33 Uhr
von Anna Luehse:
"... durch die Bertelsmann-Stiftung unterstützten Studie"
Is' schon klar. Recherchiert mal, wen die Bilderberger-Stiftung sonst noch so unterstützt, außer Zensursula und Merkelsteinmeier.
23.09.2009 14:33 Uhr
von Tanja:
Es wäre hilfreich, wenn die These, auf die hier Bezug genommen wird, kurz genannt wird. Einige Leute sind in der Schle bestimmt von Huntington verschont geblieben.
23.09.2009 13:17 Uhr
von Heide:
Huntington spricht ganz allgemein vom "clash of civilizations" - das können sowohl inner- als auch interstaatliche Konflikte sein. Wie kommen Sie denn darauf, dass er durch diese Studie widerlegt werde? Interessant fand ich die These, dass "Zuwanderung Croissant zufolge innerstaatlich meist eher konfliktmindernd" wirke. Hierzu hätte ich mir mehr Informationen gewünscht.
23.09.2009 13:17 Uhr
von Simplizius:
Genau, die Studie widerlegt Huntington. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Wäre ja schlimm, wenn der Westen seine angeblich universell gültigen Werte in Wirklichkeit anderen mit Gewalt aufzwingen möchte und die sich dagegen wehren. Nein, da unsere Werte die einzig wahren sind, kann es sich da ja auch gar nicht um einen kulturellen Konflikt handeln - die sind ja nur rückständig. Schnell eine Studie zurechtgebastelt und schon hängt der bürgerliche Heuchelsegen wieder gerade.
23.09.2009 12:45 Uhr
von Peter Braun:
"Den "clash of civilizations" gibt es nicht. Zumindest nicht nach der Vorstellung von Samuel Huntington." Danach gibt es ihn dann wohl doch, denn die doppelte Verneinung ist eine Bejahung: Es gibt ihn nach der Vorstellung von Huntington nicht nicht.
23.09.2009 12:38 Uhr
von Scrutograph:
Inwiefern widerlegt die Studie Huntington? Konflikte zwischen Staaten waren nicht Huntingtons Thema. Seine These wird übrigens insbesondere auch durch die Verwerfungen nach dem Zerfall der Sowjetunion und Jugoslawiens gestützt. Der Youth Bulge ist auch von Huntington schon erkannt und in sein Buch eingebaut worden.
Leserkommentare
26.09.2009 21:40 Uhr
von Bumble Bee:
@Unbequemer:
Das wird an dieser Stelle ja auch überhaupt nicht gemacht. Ich lese das eher so, dass 13 Jahre nach dem Werk Huntingtons sämtliche Konflikte seit 1945 vergleichend analysiert wurden. Was dann ab jetzt kommt... ich glaube, so weit lehnen sich auch die Wissenschaftler nicht aus dem Fenster, da irgendwelche Normative zu formulieren (wie es Huntington in Ansätzen durchaus tut und damit nicht selten die sich selbst erfüllende Prophezeihung heraufbeschwört)
@Complexius:
Wunderbarer Beitrag, da bin ich ganz Deiner Meinung!
26.09.2009 14:09 Uhr
von nathalie:
Wen überrascht es eigentlich, dass Huntingtons Thesen keine absoluten Wahrheiten sind? Offensichtlich sogar taz-Redakteure.
Dabei vereinfacht Huntington doch so stark, dass es nur logisch ist, dass seine Voraussagen empirisch keinen Bestand haben. Er geht von einer kulturellen Unvereinbarkeit zwischen Westen und "Nicht-Westen" aus, die auf einem starken Überlegenheitsgefühl des Westens beruht. Diese strikte Gegenüberstellung zweier vermeintlich gegensätzlicher Welten trägt nur dazu bei, dass die in der Öffentlichkeit propagierte Spaltung zwischen dem Westen und der muslimischen Welt Realität wird.
24.09.2009 09:50 Uhr
von Unbequemer:
So ein Käse - das ist doch nichts als schlimmste Kaffeesatzleserei. Ob ein Kampf der Kulturen kommt, oder nicht kann niemand sagen. Ihn aber auszuschließen ist Größenwahn in Bezug auf Hellseherische Fähigkeiten.
24.09.2009 02:56 Uhr
von Complexius:
@Simplizius
Interessant zu sehen, wie manch einer eine wissenschaftliche Studie ohne jegliches fundierte Argument, sondern allein auf der Grundlage seiner festgefügten (und wahrlich simplen) Denkschemata kritisiert, bloß weil deren unbequeme Ergebnisse diese Grundmuster ins Schwanken bringen. Mit solcher Parolenideologie ist einer wissenschaftlichen Studie aber ganz sicher nicht beizukommen.
Natürlich kann und darf diese Studie, wie jede andere auch, angezweifelt und kritisiert werden und dafür gibt es, wie ja im Artikel löblicherweise erwähnt wird, gewisse Ansatzpunkte. Allerdings sollte die Kritik doch bitte sachhaltig sein - oder wenigstens so frech, dass sie amüsant ist, aber bitte nicht mit solcher subtilen Enttäuschung entlarvter, abgetragener weltanschaulicher Axiome.
Das letzte Wort ist ja selbstverständlich auch durch diese Studie nicht gesprochen - das erwartet hoffentlich auch niemand -, aber sie belebt wenigstens eine interessante Grundlagendiskussion wieder, die sich in gewisser Hinsicht festgefahren hatte, wie man hier hautnah beobachten kann.
23.09.2009 16:05 Uhr
von Klaus Keller :
Huntington beschrieb in seinem Buch aus meiner Sicht Bruchlinien an denen künftig Reibungen entstehen könnten.
Ich habe das Buch nie als Aufforderung zum Kampf gesehen sondern als Hinweis auf mögliche Risiken.
Das Wort Clash bedeutet ja eher zusammenprall oder Auseinandersetzung und nicht wie der dt.Titel Kampf.
Wenn ich den oben stehenden Text lese werden darüber hinaus vergangene Konflikte analysiert und Huntington ging es um vor allem um künftige.
Eine der Bruchlinien innerhalb der Gesellschaften war auch der Youth Bulge.
Man kann den Eindruck haben das sich das gleichzeitige auftreten verschiedener Urasachen auch hier potentziert.
Youth-Bulge plus übersteigerte Religiösität plus schlechte wirtschaftliche perspektive, plus Feindbild,plus demokratiedefizit etc.
klaus keller hanau
23.09.2009 15:50 Uhr
von Name:
In der Propaganda gibt es den Clash of Civilizations durchaus, aber auch nur dort. Um Interessen durchzusetzen war es der Machtelite schon immer recht und billig, Vorwände zu erfinden, die leicht zu glauben sind. In diesem Fall also kulturelle Unterschiede. Für eine große Schicht mit niedrigem Bildungsgrad (der von der Machtelite erwünscht ist) wird dies fast ohne Vorbehalt geglaubt, da es ja überall so verbreitet wird. Von einer weiteren Schicht mit höherem Bildungsgrad wird es geglaubt, weil man der Machtelite gefallen will, ihr nahe sein will und natürlich den eigenen Vorteil sichern möchte. Diesen kleinen Exkurs beiseite gelassen, gibt es ein wunderbares Werk von Ilija Trojanow und Ranjit Hoskote. Es heißt Kampfabsage: Kulturen bekämpfen sich nicht, sie fließen zusammen. Jeder, der auch nur ein wenig wirklich an diesen Blödsinn von Huntington glaubt (und ihn nicht aus taktischen Gründen übernommen hat, wohl wissend, dass es Blödsinn ist) sollte da mal mehr als einen Blick rein werfen.
23.09.2009 15:33 Uhr
von Krischan Piepengruen:
Die Universität Heidelberg gibt es nicht.
23.09.2009 15:32 Uhr
von esel:
@ Peter Braun: Merkst Du eigtl., wie peinlich Deine Pseudokorrektur ist? Hoffentlich bist Du nicht auch noch Deutschlehrer. Naja, dann würden mich bestimmte Pisastudienergebisse nicht wundern ...
23.09.2009 14:33 Uhr
von Anna Luehse:
"... durch die Bertelsmann-Stiftung unterstützten Studie"
Is' schon klar. Recherchiert mal, wen die Bilderberger-Stiftung sonst noch so unterstützt, außer Zensursula und Merkelsteinmeier.
23.09.2009 14:33 Uhr
von Tanja:
Es wäre hilfreich, wenn die These, auf die hier Bezug genommen wird, kurz genannt wird. Einige Leute sind in der Schle bestimmt von Huntington verschont geblieben.
23.09.2009 13:17 Uhr
von Heide:
Huntington spricht ganz allgemein vom "clash of civilizations" - das können sowohl inner- als auch interstaatliche Konflikte sein. Wie kommen Sie denn darauf, dass er durch diese Studie widerlegt werde?
Interessant fand ich die These, dass "Zuwanderung Croissant zufolge innerstaatlich meist eher konfliktmindernd" wirke. Hierzu hätte ich mir mehr Informationen gewünscht.
23.09.2009 13:17 Uhr
von Simplizius:
Genau, die Studie widerlegt Huntington. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Wäre ja schlimm, wenn der Westen seine angeblich universell gültigen Werte in Wirklichkeit anderen mit Gewalt aufzwingen möchte und die sich dagegen wehren. Nein, da unsere Werte die einzig wahren sind, kann es sich da ja auch gar nicht um einen kulturellen Konflikt handeln - die sind ja nur rückständig. Schnell eine Studie zurechtgebastelt und schon hängt der bürgerliche Heuchelsegen wieder gerade.
23.09.2009 12:45 Uhr
von Peter Braun:
"Den "clash of civilizations" gibt es nicht. Zumindest nicht nach der Vorstellung von Samuel Huntington." Danach gibt es ihn dann wohl doch, denn die doppelte Verneinung ist eine Bejahung: Es gibt ihn nach der Vorstellung von Huntington nicht nicht.
23.09.2009 12:38 Uhr
von Scrutograph:
Inwiefern widerlegt die Studie Huntington? Konflikte zwischen Staaten waren nicht Huntingtons Thema. Seine These wird übrigens insbesondere auch durch die Verwerfungen nach dem Zerfall der Sowjetunion und Jugoslawiens gestützt. Der Youth Bulge ist auch von Huntington schon erkannt und in sein Buch eingebaut worden.