STADTENTWICKLUNG

Letzte Lücke im Schanzenviertel

Konzept für Brammerfläche vorgestellt. Betreiber des Central Park will mit Bürgerbeteiligung einen Mikrokosmos aus Wohnen und Gewerbe schaffen

Zomia ist ein Zwischenmieter auf der Brammerfläche.   Bild: Miguel Ferraz

John Schierhorn versteht es zu begeistern. Der Betreiber des Musikclubs „Waagenbau“ und des Beach-Clubs „Central Park“ im Schanzenviertel hat im Rathaus Altona ein Konzept für die Brammerfläche vorgestellt, die letzte große Freifläche im Schanzenviertel. Er und sein Mitstreiter Leon Roloff schlagen einen Mikrokosmos aus verschiedenen Wohnformen, Kleingewerbe und öffentlichen Flächen vor, der etwas vom Flair des Viertels retten soll. Die Altonaer Politik ist bereit, grünes Licht zu geben. „Das ist mit Abstand das Beste, was mir jemals untergekommen ist“, kommentierte Mark Classen von der SPD-Fraktion das Konzept.

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Die Brammerfläche, auf der sich vor langer Zeit einmal ein gleichnamiger Autoteilezulieferer ansiedeln sollte, liegt seit mehr als 17 Jahren brach. 1995 scheiterte der letzte Investor mit dem Versuch, das zentral gelegene Grundstück an der Altonaer Straße zu bebauen. Bis 2014 ist die Bauwagengruppe Zomia hier untergeschlüpft. Daneben liegt der von einem Bretterzaun eingefasste Beachclub Schierhorns.

Nach dem derzeit gültigen Bebauungsplan dürfen hier dreistöckige Gewerbebauten errichtet werden. Für Wohnungen galt das Gelände bis dato als ungeeignet, schließlich fährt daran mit lautem Getöse die S-Bahn entlang. Der Versuch, eine Dönerfabrik auf dem Grundstück zu bauen, rief eine von Schierhorn mit initiierte Bürgerinitiative auf den Plan, die zwar formal scheiterte, aber wegen der großen Zahl an Unterschriften die Politik sensibilisierte.

Schierhorn möchte der Gentrifizierung des Schanzenviertels etwas entgegensetzen. Er schlägt einen Block mit 200 Studenten-, Miet- und Sozialwohnungen vor, dazu eine soziale Markthalle mit dem Beachclub auf dem Dach, kulturelle Flächen, in denen die Clubs von der abzureißenden Sternbrücke unterkommen könnten, kleine Flächen für Gewerbetreibende und Existenzgründer, eine Kita, einen Carsharing-Parkplatz und einen öffentlichen Hof.

„Es kamen von überall Ideen auf uns zu“, sagt Schierhorn. Dazu gehören ein Hospiz, Mutter-und-Kind-Wohnen und Wohnungen für Angehörige der Freiwilligen Feuerwehr. Beim Gewerbe könne es nicht nur um Existenzgründer gehen, sondern um die vielen Geschäfte, die derzeit verdrängt zu werden drohten, aber eine wichtige Rolle für das Viertel spielten.

Das Konzept versteht sich als Vorschlag, der in einem breit angelegten Bürgerbeteiligungsprozess zu einem Plan reifen soll. Schierhorn will zu einer großen Bürgerversammlung einladen und nach dem Vorbild der Rindermarkthallen-Aktivisten einen Planungswürfel aufstellen. Die Debatte gehöre zum Projekt. Um auf diese Weise planen zu können, müsste ihm die Finanzbehörde das Grundstück aber für eine Weile anhand geben, sprich: reservieren. „Wir möchten nur zwei Jahre lang die realistische Chance, dass man das mit einer richtigen Bürgerbeteiligung machen kann“, sagt er.

Die Bezirksversammlung wird das wohl befürworten und ist schon dabei, den Bebauungsplan zu ändern. In puncto Anhandgabe kann sie allerdings nur an die Finanzbehörde appellieren, die außerdem auf ein Höchstgebotsverfahren verzichten müsste.

„Der Kasus knaktus wird die Finanzierung sein“, prognostiziert Sven Hielscher von der Altonaer CDU-Fraktion, die eine lange Anhandgabe befürwortet. Schließlich verfügten Schierhorn und und Roloff nicht über nennenswertes Eigenkapital.

„Das ist keine Luftnummer“, versichert Schierhorn. Er habe bereits mit Investoren, Genossenschaften und institutionellen Anlegern gesprochen. Mit seinem Konzept, seiner Verankerung im Viertel und der Anhandgabe im Rücken könne er das Projekt stemmen.

 

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