Rücktritts-Gesimse

Augenblick, verweile doch

Im Netz ist ein zauberhaftes Filmchen aufgetaucht, das die wahre Reaktion starker Frauen auf den Abgang vom kurzzeitigem Superminister Karl-Theodor zu Guttenberg zeigt.von Steffen Grimberg

Augenblick, verweile doch, du bist so schön!  Bild:  screenshot youtube/zdf

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Annette Schavan (CDU) steht da mit verschränkten Armen in lila und bekommt das Herscherinnen-Handy zugereicht, derweil die den Blick weiter klar in die Ferne, Richtung Zukunft hält. Schavan liest, schneller als Merkel, reicht das Gerät zurück. Die Augen treffen sich, nur einen Moment lang. Doch dieser Moment ist pures Glück, "Augenblick, verweile doch, du bist so schön", scheinen beider Augen zu sprechen und selbst Merkels Mundwinkel erreicht fast wieder die Horizontale. Es ist purstes bliss, wie das im Englischen heißt und wofür wir auf Deutsch mal wieder kein so schönes Wort haben, weil Seligkeit dann doch zu sakral klingt. Schavan ist da direkter: Ein ganz großes "Siehste!"-Lächeln umspielt ihr Antlitz, dass sie sich gar nicht so schnell wieder verkneifen kann, was mancher jetzt bei einer Bundesministerin im Angesicht eines Kollegenrücktritts für herzlich unschicklich halten mag – und die CSU bis heute hält.

Doch hat sich CSU-Chef Horst Seehofer, der zum Schluss wieder ganz sakral höhere Mächte bemüht, obwohl er eigentlich nur sagen, will, dass, wenn er gewusst hätte, was das für ein Scheisstag wird, er gar nicht erst aufgestanden wäre, also – geschnitten hat er sich. Denn wenn jemand weiß, was sich ziemt, so sind es doch wohl die edlen Regierungsfrauen, oder, um mit dem Worten des unsterblichen Doktoranden und Nobilitierten Johann Wolfgang Goethe aus dem Torquato Tasso zu sagen:

"Willst du genau erfahren was sich ziemt

So frage nur bei edlen Frauen an.

Denn ihnen ist am meisten dran gelegen /

Daß alles wohl sich zieme was geschieht.

Die Schicklichkeit umgibt mit einer Mauer

Das zarte leicht verletzliche Geschlecht.

Wo Sittlichkeit regiert, regieren sie,

Und wo die Frechheit herrscht, da sind sie nichts.

Und wirst du die Geschlechter beide fragen:

Nach Freiheit strebt der Mann, das Weib nach Sitte.

Mit Goethens Dissertation ging übrigens auch etwas schief, aber das ist eine ganz andere Geschichte.

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