• 27.07.2010

Rote Khmer in Kambodscha

Die Tränen der Opfer

Es ist der erste Prozess gegen Kader der Roten Khmer. Es geht um Folter, Mord und Kriegsverbrechen: Doch das Urteil enttäuscht Opfer und Hinterbliebene.von Nicola Glass

  • 27.07.2010 19:41 Uhr

    von wauz:

    Individuelle Schuld und politische Ursachen

    Es mag ja sein, dass hierzulande einige, wissend oder unwissend ob der wahren Verhältnisse, die Vorkommnisse in Kambodscha idealisiert und heroisiert haben. Damit haben sie aber nichts zu den Abläufen dort beigetragen, sind weder eine politische Ursache noch persönlich schuldig geworden an den Taten dort.
    Ein Strafprozess, wie er jetzt stattgefunden hat, kann nur über individuelle Schuld befinden. Die politischen Ursachen finden vielleicht Erwähnung, oder auch nicht - dem Strafprozess dient es sowieso nur bedingt.
    In Kambodscha sind unvorstellbar schreckliche Dinge passiert. In jeder dieser Taten ist auf irgendeine Weise auch individuelle Schuld entstanden. Es ist so viel passiert, dass man letztendlich weder alle Taten erfassen noch alle Täter bestrafen kann. Insofern kommen den Prozessen gegen einzelne, ausgewählte Täter eine gewisse symbolische Bedeutung zu. Trotzdem kann keiner dieser Prozesse die politische Aufklärung und gesellschaftliche Aufarbeitung alleine leisten.
    Das dumme Geschwätz gewisser K-Grüppchen bei uns ist widerlegt. Da es weder damals noch heute wirklich von Bedeutung war, sollte man sich überlegen, ob man diese Diskussion wieder hoch zieht. Vielleicht ist es von Interesse bei der Betrachtung einiger politischer Biografien. Ansonsten halte ich das für Schnee von vorgestern.
    Viel interessanter sind die heimlichen Einflüsse gewisser Großmächte, die man heute vielleicht offenlegen kann und damit die Geschichte verstehen lernen kann.

  • 27.07.2010 11:17 Uhr

    von Bernhard Sesterheim:

    @ HSchweizer
    Sie haben meine volle Zustimmung zu Ihrem Kommentar.
    Die sog. undogmatische Linke, allen voran der KBW (Kommunistischer Bund Westdeutschland) idealisierte geradezu Pol Pot und seine Mordgesellen. Im Übrigen bin ich der Meinung, daß die Leute, die heute die Taliban in Afghanistan als Freiheitskämpfer beklatschen, seelen- und geeistesverwandt,( man kann auch verblendet sagen) mit den Roten Khmer Bewunderern sind.

  • 27.07.2010 10:58 Uhr

    von lmatt:

    @hschweizer:

    ja, diese verblendeten Linken gab es (und ironischerweise haben manche dafür mit dem Leben bezahlt - siehe Malcolm Caldwell)

    aber mein Punkt ist, das "bezüglich Opferzahlen", wie Sie so schön schreiben, der demokratische Westen in Form der USA durchaus mit der UDSSR konkurrieren kann

    Wie würde denn ein "Schwarzbuch Kapitalismus" aussehen, als Gegenstück zum Werk des Herrn Courtois?

    Sehen Sie, nerven diese Linken mit blinden Fleck für die Verbrechen der Kommunisten.

    Mich nerven die Leute, die den Linken grundsätzlich absoluten Pazifismus verordnen, aber unter anderen Gegebenheiten Krieg und Terror ganz ok finden. Wolf Biermann ist so ein Spezi. Ob der jetzt auch ein Lied für die Opfer der Taskforce 373 im Programm hat? Oder unser Möchtegern-Bundespräsident Gauck.

  • 27.07.2010 10:42 Uhr

    von lmatt:

    @Bernhard Sesterheim

    Ja, die Haupttriebkraft für die Wiederaufrüstung der Roten Khmer waren die Chinesen, aber das Hauptfeindbild waren damals nunmal UDSSR/Vietnam - deshalb die Duldung durch den Westen bzw. USA.

  • 27.07.2010 10:29 Uhr

    von hschweizer:

    Und noch wer fehlt hier auf der Anklagebank: In den 70ern haben hierzulande Linke für Kampuchea demonstriert und sich mit dem brutalen Regime solidarisiert, ohne später je ein Wort des Bedauerns für das zu äussern, was im realen Kommunismus geschah. Noch heute wird der Sozialismus idealisiert und verklärt, obwohl bzgl. Opferzahlen und ideologischer Verblendung es der real existiert habende Sozialsmus mit dem Faschismus durchaus aufnehmen kann. Warum eigentlich diese Beisshemmung, wenn es um den Sozialismus geht? Weil die gleichen Leute heute in Parlamenten und Behörden sitzen, immer noch den alten Ideen nachträumen und mit ideologischen Scheuklappen einzig die USA und den Westen zum Feindbild hochstilisieren.

  • 27.07.2010 10:27 Uhr

    von end.the.occupation:

    Imatt liegt natürlich völlig richtig. Die taz versucht wie für sie üblich das ihr mögliche, die Geschichte zu verfälschen und die Aufklärung zu behindern.

    Von Vietnam, über Afghanistan bis nach Palästina nichts als Auslassungen und Verdrehungen. Verdummung brutal für die Leser, die Voraussetzung für die Wiederholung der Fehler der Vergangenheit - in der deutsche Firmen prächtig an der Herstellung von Napalm verdienten.

    Die Kmher rouge waren in Kambodscha, was die Taliban bzw. die islamistischen Internationalisten in Afghanistan waren, bzw. sind: Der giftige Fallout der Verwüstung dieser Länder durch die von einem kleptomanen Kontrollwahn getriebenen USA und ihre zumeist europäischen Freunde.

    Davon will die taz jedoch nichts mehr wissen, weil die deutsche Beteiligung an diesen Verbrechen - dank der neugewonnen Souveränität, nach dem Untergang der UDSSR - mittlerweile wieder zum normalen deutschen Staatsgeschäft gehört, und die taz sich im wesentlichen als PR-Organ zur Verkündigung der Propaganda unserer staatlichen Führer und Leiter versteht.

    Dieses antiliberale, obrigkeitsstaatliche Journalismus- und Staats-Verständnis hat schliesslich eine lange Tradition in Deutschland, was en passant zu zwei Weltkriegen geführt hat.

  • 27.07.2010 09:58 Uhr

    von Bernhard Sesterheim:

    @ Imatt

    ... und den wirklichen ideologisch compatiblen Aufbauhelfer der Khmer rouge nach Ihrer militärischen Niederlage, verursacht durch Vietnam, Mao Tse-Tung nämlioh, verscheigst Du natürlich!

  • 27.07.2010 09:25 Uhr

    von lmatt:

    Leider fehlen auf der Anklagebank die Herren Nixon und Kissinger, die durch die geheime Bombardierung Kambodschas von 1975, bei der bis zu 1 Mio. Menschen ermordert wurden, den Aufstieg der Roten Khmer erst ermöglicht haben.

    Ausserdem wurden die Roten Khmer nach 1979, nachdem sie von den Vietnamesen vertrieben wurden, u.a. mit US-Unterstützung wieder aufgebaut (Brzeziński's "china card"). Z.B. hat der britische SAS direkt die Roten Khmer im Minenlegen unterwiesen.

    Wird beim dem Prozess natuerlich alles nicht zur Sprache kommen.

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